86 Zytostatika

 Temozolomid Temodal® Kapseln (Essex Pharma)


Das Imidazo-Tetrazin-Derivat Temozolomid ist ein neues peroral applizierbares Alkylans, das zur Behandlung von Patienten mit rezidivierendem oder progredientem Glioblastom zugelassen wurde. Der Wirkstoff ist nicht neu. Bereits in den 70er Jahren wurde Dacarbazin (DTIC) entwickelt, das ein Prodrug von Monomethyl-triazeno-imidazol-carboxamid (MTIC) ist, der Wirkform des Temozolomid. Die Zytotoxizität des MTIC beruht auf der Alkylierung von Guanin.
Nach peroraler Applikation wird Temozolomid rasch resorbiert. Nach 20 Minuten ist Cmax erreicht, die Plasmahalbwertszeit beträgt 1,8 Stunden. Temozolomid überwindet im Gegensatz zu anderen Zytostatika die Blut-Hirn-Schranke. Deshalb ist der Einsatz zur Behandlung maligner Hirntumore, wie Glioblastoma multiforma, möglich. Wie alle Alkylantien hemmt auch Temozolomid die Teilungsfähigkeit der Stammzellen im Knochenmark und wirkt damit zusätzlich immunsupprimierend.
Die Überlebenszeit bei Patienten mit Glioblastoma multiforma ist auch unter Therapie begrenzt. In einer Phase-II-Studie, die mit 225 Patienten gegen Procarbazin durchgeführt wurde, konnte gezeigt werden, daß die progressionfreie Überlebenszeit (PFS) nach sechs Monaten für Temozolomid signifikant größer war als für Procarbazin (21 versus 8 Prozent). Die mittlere PFS lag bei 3 versus 2 Monaten. Die mittlere Überlebenszeit betrug 7,34 Monate gegenüber 5,66 Monaten bei Procarbazin. Nach einem halben Jahr lebten noch 60 Prozent der Temozolomid-Patienten gegenüber 44 Prozent in der Procarbazin-Gruppe. Bei fortgeschrittenem Melanom zeigte Temozolomid gegenüber Dacarbazin einen gleichen bis leicht überlegenen Therapieerfolg. Für diese Indikation ist Temozolomid in Deutschland jedoch noch nicht zugelassen. 
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