86 Zytostatika

 Tasonermin (Beromun® Injektion, Boehringer Ingelheim)

Für eine relativ enge Indikation wurde Tasonermin, ein rekombinanter Tumornekrosefaktor TNF-a 1a zugelassen. Tasonermin wird bei nicht resezierbaren Weichteilsarkomen der Extremitäten in Kombination mit dem Zytostatikum Melphalan (Alkeran®) eingesetzt, um eine Amputation zu vermeiden oder hinauszuzögern oder zur palliativen Behandlung. Da TNF-a für eine systemische Anwendung viel zu toxisch ist, wird das Präparat über eine isolierte Extremitäten-Perfusion (ILP) unter Vollnarkose gegeben. Diese Behandlung ist nur in Spezialkliniken möglich.
Dabei werden oberhalb der je nach Lokalisation des Tumors ausgewählten Gelenkbeuge zu- und abführende Blutgefäße abgeklemmt und Tasonermin zunächst alleine, dann kombiniert mit Melphalan in die isolierte Extremitätenzirkulation injiziert. Die Perfusion dauert insgesamt 90 Minuten. Abfließendes venöses Blut wird über einen Oxygenator wieder der abgetrennten Hauptarterie zugeführt. Während der ILP wird eine Reihe weiterer Arzneimitteln routinemäßig eingesetzt. Durch die Abtrennung des Kreislaufs in der Extremität werden hier etwa 200mal höhere TNF-Konzentrationen erreicht als im Körperkreislauf.
Das Zytokin TNF-a hemmt die Tumorzellproliferation, schädigt das Tumorgefäßsystem, fördert die Infiltration des Tumors mit Lymphozyten, Monozyten und Granoluzyten und wirkt direkt und indirekt immunmodulierend. Grundlage für die Zulassung waren vier klinische Studien mit 260 Patienten mit nicht resezierbaren Weichteilsarkomen. Da alle anderen Behandlungsmethoden versagt hatten, war eine Amputation geplant. Bei 80 Prozent der Patienten konnten die Gliedmaßen dauerhaft gerettet werden. Das Tumorgewebe reagierte innerhalb von 2 bis 30 Tagen auf die ILP mit hämorrhagischen Nekrosen und dem Verschwinden der Tumorblutgefäße. Bei 70 Prozent der Patienten schrumpfte der Tumor um mehr als die Hälfte. Das Präparat ist sehr teuer und wird nur über Krankenhaus versorgende oder Krankenhausapotheken abgegeben. 
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