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Lungenhochdruck: Riociguat als neue Option

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Lungenhochdruck

Riociguat als neue Option


Von Brigitte M. Gensthaler, München / Mit dem Wirkstoff Riociguat könnte es erstmals eine spezifische Therapie für Patienten mit CTEPH geben. Das Kürzel steht für »chronische thromboembolische pulmonale Hypertonie«. Die Zulassung ist bei der europäischen und der amerikanischen Zulassungsbehörde beantragt.

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Der Lungenkreislauf gehört zum Niederdrucksystem des Kreislaufs; der mittlere Blutdruck liegt bei etwa 15 mmHg. Ärzte sprechen von einer pulmonalen Hypertonie (PH), wenn der mittlere arterielle Druck in Ruhe über 25 mmHg liegt. Aufgrund der anhaltenden Druckbelastung führt die PH zur Dilatation und Hypertrophie des rechten Herzventrikels. In der Folge komme es zur Rechtsherzinsuffizienz, informierte Professor Dr. Ardeschir Ghofrani vom Universitätsklinikum Gießen bei einer Pressekonferenz der Bayer.




Foto: shutterstock/Mahesh Patil


Die Symptome sind zunächst recht unspezifisch: Atemnot unter Belastung, rasche Ermüdbarkeit und Abgeschlagenheit. Erst später leiden die Patienten an Brustschmerzen, Ohnmachtsanfällen (Synkopen) oder Zeichen einer Rechtsherzinsuffizienz wie gestauten Halsvenen oder peripheren Ödemen, erklärte der Arzt. Letztlich sterben sie an Rechtsherzversagen.

 

Eine der fünf Hauptformen der PH ist die pulmonal-arterielle Hypertonie (PAH), für die es bereits zugelassene Medikamente gibt. Noch keine spezifische Medikation gibt es für die chronische thromboembolische PH (CTEPH). Vermutlich führen hier fibrotisch umgebaute Blutgerinnsel in den Lungengefäßen zu einer akuten und später chronischen Druck­erhöhung auch in nicht unmittelbar betroffenen Lungen­arterien. Es komme zu einer progressiven Verengung und zum Remodeling der Gefäße, erklärte Ghofrani.

 

Eine CTEPH ist operativ mitunter heilbar. Bei der pulmonalen Endarteriektomie (PEA) werden die Gefäße quasi ausgeschält. Allerdings können 20 bis 40 Prozent der Patienten nicht operiert werden. Bei anderen tritt die Krankheit nach der PEA erneut auf.

 

Angriff an Guanylatcyclase

 

Medikamente gegen PAH wirken bei CTEPH-Patienten nicht, informierte Ghofrani. Hier könne Riociguat eine neue Option bieten. Der Wirkstoff ist der erste Vertreter der sogenannten sGC-Stimulatoren. Das Enzym lösliche Guanylatcyclase (sGC) katalysiert die Synthese von zyklischem Guanosinmonophosphat (cGMP). Endogenes Stickstoffmonoxid (NO) wirkt dabei als Cofaktor. Der second messenger cGMP spielt eine wichtige Rolle bei der Regulierung zellulärer Funktionen wie Gefäßtonus, Zellvermehrung, Fibrose und Entzündung.

 

Riociguat stimuliert direkt die sGC und kann das Enzym zudem für endogenes NO sensibilisieren. »Riociguat ersetzt quasi fehlendes NO.« Zudem könne es inaktive sGC wieder aktivieren. Die alt bewährten Nitrate oder Molsidomin wirken zwar ebenfalls über NO, aber nicht in der pulmonalen Zirkulation.

 

In der Phase-III-Studie CHEST (Chronic Thromboembolic Pulmonary Hypertension sGC-Stimulator Trial) wurde Riociguat versus Placebo bei 261 Patienten geprüft, die nicht operiert werden konnten oder bei denen die Erkrankung trotz Operation andauerte oder erneut auftrat. In den ersten acht Wochen wurde die Dosis von dreimal täglich 1 mg bis auf dreimal 2,5 mg Riociguat peroral auftitriert. Die zuletzt erreichte Dosis wurde weitere acht Wochen gegeben. Die einschleichende Dosierung soll den Einfluss auf den Körperblutdruck minimieren, erklärte Ghofrani. Eventuell könne man aber mit Einzelgaben von 1 oder 1,5 mg beginnen.

 

Längere Gehstrecke

 

Der primäre Studienendpunkt war die Sechs-Minuten-Gehstrecke. Diese verlängerte sich unter Verum hochsignifikant im Schnitt um 46 Meter. Auch sekundäre Endpunkte und die Lebensqualität verbesserten sich. Die Patienten hatten weniger Ödeme, Husten und Synkopen, was Ghofrani als Zeichen der Rechtsherzentlastung wertete. In der offenen Verlängerungs­studie konnten die Patienten ihre Sechs-Minuten-Gehleistung weiter verbessern. Eine Tachyphylaxie trete nicht auf. Nebenwirkungen waren Kopfschmerzen, Refluxgefühl und Blutdruckabfall.

 

Bayer HealthCare hat in den USA und der Europäischen Union die Zulassung für Riociguat in zwei Indikationen beantragt: zur Behandlung von Patienten mit inoperabler CTEPH sowie von Patienten mit PAH. Die Einreichung basiere auf den Ergebnissen der globalen Phase-III-Studien CHEST-1 und PATENT-1, meldete Bayer am 11. Februar. Beide Studien erreichten ihren primären Endpunkt, eine Verbesserung der körperlichen Leistungsfähigkeit. /



Beitrag erschienen in Ausgabe 09/2013

 

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