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Synephrin: Gefährliche Wirkung für Herz und Kreislauf

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Synephrin

Gefährliche Wirkung für Herz und Kreislauf


Von Christina Hohmann-Jeddi / Die Einnahme von Schlankheits- und Sportlerpräparaten, die Synephrin in Kombination mit Coffein enthalten, kann zu unerwünschten kardiovaskulären Wirkungen führen. Zu diesem Ergebnis kommt das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in einer aktuellen Stellungnahme.

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Sie werden als Fatburner oder Syneburn verkauft: Diät-Präparate mit Synephrin. Im Internet werden sie mit Aussagen wie »erhöht die Thermogenese« oder »optimiert Ihre Schilddrüsenaktivität und verbessert Ihren Stoffwechsel« beworben. Sie sollen das Fett quasi schmelzen lassen. Doch die Nahrungsergänzungsmittel sind nicht harmlos. Das BfR hat sich nun mit den gesundheitlichen Risiken der Produkte auseinandergesetzt und eine Stellungnahme veröffentlicht, die unter www.bfr.de abzurufen ist.




Foto: Fotolia/fffranz


 

Synephrin ist ein Pflanzeninhaltsstoff, der unter anderem in der Bitterorange (Citrus aurantium) vorkommt und chemisch mit dem Ephedrin verwandt ist. Er weist strukturelle Gemeinsamkeiten mit den körpereigenen Adrenorezeptor-Agonisten, den Katecholaminen Epinephrin (Adrenalin) und Norepinephrin (Noradrenalin) auf, und ist somit ein direktes Sympathomimetikum. In Schlankheits- und Sportlerpräparaten ist Synephrin meist in Form von Bitterorangenextrakt und häufig in Kombination mit Coffein enthalten. Die beiden Substanzen können dabei in sehr unterschiedlichen Dosierungen vorliegen.

 

Synephrin und Coffein wirken beide auf das Herz-Kreislauf-System. Bei gleichzeitiger Aufnahme verstärken sie sich gegenseitig, so das BfR. Dies betreffe vor allem das Potenzial, die Herzfrequenz und den Blutdruck zu erhöhen. Eine Reihe von Fallberichten zeige, dass die Einnahme gefährliche Folgen haben kann, die von Herzinfarkt, Kammerflimmern, Tachykardie bis hin zu arterieller Hypertension reichen. Ein bis dahin gesunder 24-jähriger Bodybuilder, der ein Kombinationspräparat über drei Wochen einnahm, starb 2009 nach dem Training an einem Herzinfarkt. An diesem Tag hatte er das Präparat zusammen mit einem Energy­drink konsumiert. 2011 musste eine 34-jährige Frau wegen akuter Hypertension (234/130 mmHg), Schwindel und starken Kopfschmerzen in der Klinik behandelt werden. Sie hatte zwei Wochen lang ein Präparat mit Syne­phrin in Kombination mit Coffein und Guarana eingenommen.

 

Um gefährliche Wirkungen zu vermeiden, sollte aus Sicht des BfR die über solche Produkte aufgenommene Dosis von Synephrin nicht die durchschnittliche Menge überschreiten, die man über traditionelle Lebensmittel wie Orangen, Zitronen oder Bitterorangen zu sich nimmt. Die maximale tägliche Dosis sollte daher 6,7 mg Synephrin betragen, rät das Institut. Dieser Wert berücksichtige die Tatsache, dass auch noch über die Nahrung, je nach Vorliebe, gewisse Mengen der Substanz aufgenommen werden. Wer gerne Orangensaft trinkt, Mandarinen oder Bitterorangenmarmelade isst, kann auf eine Tagesdosis von bis zu 25,7 mg Synephrin kommen. Die Sicherheitsgrenze von 6,7 mg pro Tag berücksichtige die Tatsache, »dass die Zielgruppe des Präparates Personen sind, die sich aufgrund körperlicher Anstrengung bereits einer erhöhten Herz-Kreislauf-Belastung aussetzen, welche im Falle von Übergewicht möglicherweise noch zusätzlich erhöht ist«.

 

Warnhinweis erforderlich

 

Einige derzeit im Markt befindliche Produkte mit hohen Dosierungen seien nicht als sicher einzustufen. Mit ihnen würden Coffein und Synephrin in Bolusdosen eingenommen, bei denen die Dosen, mit denen diese Stoffe in Monosubstanz-Arzneimitteln eingesetzt werden beziehungsweise wurden, deutlich überschritten werden, schreibt das BfR. Zu berücksichtigen sei auch, dass die Präparate zum Teil noch weitere Pflanzenextrakte enthalten. Kombinationspräparate sollten nach Meinung des BfR Hinweise tragen, dass sie zur Erhöhung des Blutdrucks und der Pulsrate führen können, dass sie nicht für Personen mit Bluthochdruck, Übergewicht oder bei sonstigen Herz-Kreislauf-Erkrankungen geeignet sind. Sie sollten ebenfalls darauf hinweisen, dass bei sonstiger Medikamenteneinnahme der Arzt zu befragen ist und dass im Zusammenhang mit intensiver sportlicher Betätigung Vorsicht angezeigt ist.

 

In Kanada ist der folgende Warnhinweis bereits Pflicht: »Kontraindiziert für Kinder, Schwangere und Stillende; nicht bei Behandlung mit blutdrucksteigernden oder -senkenden Medikamenten, Schilddrüsenmedikamenten, Sympathomimetika oder Monoaminooxidasehemmern verwenden«. /


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Beitrag erschienen in Ausgabe 08/2013

 

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