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Hepatitis C: Mediziner erwarten Therapie-Revolution

PHARMACON DAVOS 2013

 
Hepatitis C

Mediziner erwarten Therapie-Revolution


Ärzte können Hepatitis C heute deutlich besser behandeln als noch vor wenigen Jahren. Der Einsatz von Protease-Inhibitoren hat die Heilungschancen erhöht. Doch dies sei nur ein Zwischenschritt, sagte Professor Dr. Stefan Zeuzem vom Universitätsklinikum Frankfurt am Main. In zwei bis drei Jahren werden neue direkt antiviral wirksame Medikamente die Behandlung revolutionieren, so seine Prognose.

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Schon heute ist die Behandlung dank der Protease-Inhibitoren Boceprevir und Telaprevir, die jeweils mit Peginterferon und Ribavirin kombiniert werden, vor allem für Patienten mit einer Infektion mit HCV-Genotyp-1 deutlich besser geworden. Die Behandlungsdauer konnte halbiert werden, die Heilungsraten sind stark angestiegen.




Könnte bald seinen Schrecken endgültig verloren haben – das Hepatitis C Virus.

Foto: Fotolia/designersarts


Selbst bei bisherigen Non-Respondern liegen sie bei 36 Prozent. Allerdings verlangt das Therapieregime sehr viel Disziplin vom Patienten und ständig erreichbare Ärzte. Die Patienten müssen bis zu zwölf Tabletten am Tag über zwölf bis 44 Wochen nach einem strikten Zeitplan und grundsätzlich mit einer fetthaltigen Mahlzeit einnehmen. Zudem verursachen die Protease-Inhibitoren mit Anämie und einem aggressiven Hautausschlag (Rash) erhebliche Nebenwirkungen. Wegen der Anämie-Gefahr muss der Hämoglobinwert regelmäßig gemessen werden. Zudem gibt es wegen der Verstoffwechselung über Cytochrom P450 3A4 zahlreiche Interaktionen mit anderen Medikamenten.

 

Ein weiteres Problem sind Resistenzen, die in der Triple-Therapie mit Protease-Hemmern, Interferon und Ribavirin schnell auftreten können. Wenn dies geschieht, muss die Therapie sofort abgebrochen werden und kann erst fortgesetzt werden, wenn der HCV-Wildtyp im Körper wieder die resistenten Stämme verdrängt hat.

 

Eine Tablette pro Tag in Sicht

 

Eine klare Aussage darüber, welcher Protease-Hemmer der bessere sei, wollte Zeuzem nicht machen. Telaprevir habe mit einer Therapiedauer von zwölf Wochen Vorteile gegenüber Boceprevir (bis 44 Wochen). Auf der anderen Seite verursache Telaprevir Rash, was bei einem aggressiven Verlauf des Ausschlages zum zwischenzeitlichen Abbruch der Therapie führen könne. Diese Gefahr bestehe bei Boceprevir nicht.

 

Nach der Einschätzung von Zeuzem wird diese noch recht neue Therapie schon bald obsolet sein, obwohl sie zu einem enormen Therapiefortschritt geführt hat. Mit nukleosidischen und nicht-nukleosidischen Polymerase-Inhibitoren, NS5A-Inhibitoren, Cyclophilin-Inhibitoren und der zweiten Generation von Protease-Inhibitoren befänden sich neue Wirkstoffe in der klinischen Prüfung, die in zwei bis drei Jahren die Behandlung revolutionieren werden. Diese müssten nur noch bis zu zwölf Wochen, zum Teil sogar kürzer, angewendet werden. Auf den Einsatz von Interferon und manchmal auch Ribavirin könne bei einer Kombination von zwei neuen antiviralen Präparaten wahrscheinlich verzichtet werden. Die Heilungsraten lägen zwischen 70 und 100 Prozent. Zudem werde die Zahl der Tabletten pro Tag sinken. Auch das Optimum von einer Tablette am Tag sei für die Zukunft nicht ausgeschlossen.

 

Bislang keine Resistenzen

 

Derzeit sind laut Zeuzem rund 60 verschiedene Wirkstoffe der genannten Substanzklassen in der klinischen Prüfung. Weiterhin wird es bei einer Kombinationstherapie bleiben. Ihre Wirksamkeit dokumentiert hätten dabei Kombinationen aus einem Protease- Inhibitor mit einem nicht-nukleosi­dischen oder einem nukleosidischen Polymerase-Inhibitor und Ribavirin, aus einem Protease- und einem NS5A-Inhibitor, aus einem Polymerase-und einem NS5A-Inhibitor sowie aus einem Cyclophilin-Inhibitor und Ribavirin. Neben der guten Wirksamkeit sei es auch wichtig, dass bei diesen Kombinationen bislang weder Resistenzen noch Interaktionen beobachtet wurden.

 

Lohnt es sich angesichts der vermeintlich rosigen Aussichten, eine HCV-Therapie so lange herauszuschieben, bis die deutlich besser verträglichen und wirksamen neuen Substanzen auf den Markt kommen? Zeuzem sieht in dieser Strategie erhebliche Risiken, da bis dahin ein Lebertumor oder eine Zirrhose entstehen könnten. Es sei mit den neuen Medikamenten zwar möglich, HCV vollständig zu eradizieren, die Schäden würden auf diese Weise jedoch nicht behoben.


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Beitrag erschienen in Ausgabe 07/2013

 

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