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Diät-Mythen: Sex hilft doch nicht beim Abnehmen

MEDIZIN

 
Diät-Mythen

Sex hilft doch nicht beim Abnehmen


Von Christina Hohmann-Jeddi / Es gibt viele gute Ratschläge für Abnehmwillige. Doch welche helfen, welche nicht? Die medizinische Evidenz für oder gegen Diät-Mythen haben Experten nun im »New England Journal of Medicine« zusammengefasst.

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Langsames Abnehmen ist effektiver, Sex macht schlank, häufiger mal Treppe statt Lift benutzen – Ratschläge wie diese gibt es dutzendfach. Ob sie hilfreich sind, hat ein internationales Team von Wissenschaftlern der Universitäten Alabama, Kopenhagen, Pennsylvania, South Carolina, Boston und Montclair nun geprüft. Anhand der gefundenen Evidenz haben sie die Ratschläge in die drei Kategorien »Mythen«, »Annahmen« und »Fakten« unterteilt (NEJM, doi: 10.1056/NEJMsa1208051).




Sex hilft der Beziehung, aber nicht beim Abnehmen. Der Energieverbrauch wird in der Bevölkerung weit überschätzt.

Foto: Fotolia/Kitty


 

Einige Weisheiten zum Thema Diät stellten sich dabei als Mythen heraus. Dazu gehört der Ratschlag, dass kleine Veränderungen der Gewohnheiten, wie die Treppe statt den Lift zu benutzen, auf lange Sicht zu einer großen Gewichtsreduktion führen. Dieser Tipp beruht auf der sogenannten 3500-kcal-Regel, die besagt, dass man pro eingesparten 3500 kcal etwa 0,45 kg Gewicht verliert. Diese Regel sei aber auf der Grundlage von Kurzzeit-Experimenten mit Männern entstanden, die eine Niedrig-Energie-Diät (unter 800 kcal pro Tag) einhielten. Über lange Zeiträume ließe sich diese Regel nicht anwenden. Hier würden minimale Energieein­sparungen auch nur minimale Effekte erzielen.

 

Klotzen statt kleckern

 

Als wenig hilfreich stellte sich auch der Ratschlag heraus, sich niedrige, realistische Abnehmziele zu setzen. Das Gegenteil ist richtig: Einige Studien zeigten, dass ehrgeizige Ziele eher zum Erfolg führten. Auch der Tipp, dass langsames Abnehmen effektiver und langanhaltender ist als ein rascher Gewichtsverlust lässt sich wissenschaftlich nicht belegen. Einer Metaanalyse zufolge, die Crashdiäten mit langsamem Abnehmen verglich, besteht langfristig kein Unterschied hinsichtlich des Abnehmerfolgs. Schnelles Abnehmen mag ungesünder sein, es ist aber genauso effektiv.

 

Zu den »Mythen« zählt auch das Gerücht, dass Sex schlank macht, weil pro Akt etwa 100 bis 300 kcal verbrannt würden. Der Energieverbrauch werde deutlich überschätzt, berichten die Autoren. Der tatsächliche Aufwand für diese körperliche Betätigung liege für einen 70 kg schweren Mann bei 3,5 kcal pro Minute, was in etwa dem von langsamem Gehen entspricht. Da der durchschnittliche Akt einer Studie zufolge nur 6 Minuten andauert, liegt der Gesamtver­brauch bei 21 kcal. Man müsste schon eine Stunde lang Sex haben, um eine nennenswerte Energiemenge zu verbrennen. Ein Rat, den kaum jemand regelmäßig beherzigen kann.

 

Ebenfalls nicht wissenschaftlich belegt ist den Autoren zufolge, dass Stillen die Kinder vor späterem Übergewicht schützen kann. Eine randomisierte kontrollierte Langzeituntersuchung konnte keine Hinweise auf einen Schutzeffekt finden. Da Stillen aber andere wichtige positive Gesundheitseffekte sowohl für die Mutter als auch für das Kind hat, ist es dennoch sinnvoll und empfehlenswert, folgern die Autoren.

 

Im Bereich der »Annahmen« subsummierten die Forscher Thesen, die weder bewiesen noch widerlegt werden konnten und daher weiter erforscht werden sollten. Hierzu gehört der oft gehörte Rat, dass Diätwillige frühstücken sollten. Hier kamen zwei Studien, die einen Vergleich zwischen Diäten mit und ohne Frühstück anstellten, zu leicht unterschiedlichen Ergebnissen. Auch für das Zwischendurch-Essen (»Snacken«) besteht kein einheitliches Bild. Einige Beobachtungsstudien hatten eine Gewichtszunahme durch Snacken ergeben, eine randomisierte kontrollierte Studie konnte dies aber nicht belegen.

 

Die Fakten

 

An welche Ratschläge können sich Abnehmwillige noch halten? Ganz unstrittig zu den »Fakten« zählt, dass die Energiezufuhr reduziert werden muss. Ob nun auf Fett oder Kohlenhydrate verzichtet wird, ist dabei relativ gleichgültig, Hauptsache die Energiebilanz ist negativ. Am effektivsten ist die Kalorienreduktion in Kombination mit Sport. Körperliche Aktivität in ausreichendem Maße hilft auch beim Halten des Gewichts nach dem Abnehmen. Für Diäten geeignet sind auch die strukturierte Vorgabe von Mahlzeiten und der Konsum von Ersatzmahl­zeiten mit festgelegtem Kaloriengehalt. Für einige stark adipöse Patienten können bariatrische Operationen eine Maßnahme sein. Für den leicht Übergewichtigen helfen nur Disziplin, Kalorienzählen und Sport. /


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Beitrag erschienen in Ausgabe 06/2013

 

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