Die Zeitschrift der deutschen Apotheker

 

Pharmazeutische Zeitung

 

PTA-Forum

 

PZ-Akademie

 

DAC/NRF

«Pille danach»: Diskussion um Wirkmechanismus

NACHRICHTEN

 
«Pille danach»: Diskussion um Wirkmechanismus
 


Ärzte an katholischen Kliniken in Nordrhein-Westfalen sollen nach Ansicht des Kölner Erzbischofs Josef Kardinal Meisner vergewaltigten Frauen in Zukunft die «Pille danach» verschreiben können. Meisner hatte vergangene Woche erklärt, er halte den Einsatz eines Notfallkontrazeptivums, das die Befruchtung der Eizelle verhindert, nach einer Vergewaltigung für vertretbar. Präparate, die die Einnistung eines bereits befruchteten Eis hemmen, lehnt die Kirche jedoch weiterhin ab.

Dabei ist der genaue Wirkmechanismus der beiden in Deutschland erhältlichen Notfallkontrazeptiva ellaOne® (Ulipristalacetat) und PiDaNa® (Levonorgestrel) nicht genau bekannt. Es wird angenommen, dass beide hauptsächlich den Eisprung unterdrücken oder verzögern. Das Gestagen Levonorgestrel kann zum Verhindern einer Schwangerschaft bis zu 72 Stunden nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr eingenommen werden, bei einer bereits bestehenden Schwangerschaft schadet es nicht. Der selektive Progesteronrezeptor-Modulator Ulipristalacetat wirkt bis zu 5 Tage nach dem Verkehr. Vor einer Anwendung muss eine bestehende Schwangerschaft jedoch ausgeschlossen werden.

Frühere Annahmen, dass Levonorgestrel die Fähigkeit der Spermien zur Wanderung und Penetration der Eizelle vermindern könne, konnten neuere Untersuchungen nicht bestätigen. Als gesichert gilt zumindest, dass das Gestagen nicht mehr wirksam ist, sobald sich ein befruchtetes Ei in der Gebärmutter eingenistet hat. Die Mehrheit der Wissenschaftler ist sich zudem einig, dass die beiden Präparate auch die Wanderung des Eis zur Gebärmutter und die anschließende Implantation nicht verhindern können. Studien konnten bislang keine Veränderungen der Gebärmutterschleimhaut zeigen, die eine Einnistung möglicherweise stören könnten.

Das sieht auch der Berufsverband der Frauenärzte so: «Wenn der Eisprung bereits erfolgt ist, die Eizelle sich aus dem Eierstock gelöst hat und im Eileiter oder in der Gebärmutter befindet, so verhindert die ‚Pille danach’ weder die Befruchtung dieser Eizelle noch die Einnistung in der Gebärmutter», heißt es in einer Pressemitteilung. Beide Arzneimittel seien daher als Verhütungsmittel einzustufen, nicht als Abtreibungsmittel. (va)

Lesen Sie dazu auch
Baden-Württemberg: »Pille danach« ohne Rezept, PZ 04/2013
»Pille danach« jetzt auch bei DrEd im Netz, PZ 03/2013

Mehr zum Thema Verhütung

05.02.2013 l PZ
Foto: Fotolia/Resnick
 

 

Das könnte Sie auch interessieren

 

 

Weitere Nachrichten

 


EMA-Bilanz: Bisher 30 Arzneistoffe vor Zulassung verfügbar

In den vergangenen zehn Jahren haben 30 Medikamente eine bedingte Marktzulassung von der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) erhalten....



Stiftung: Trump gefährdet Gesundheit Tausender Frauen

Der neue US-Präsident Donald Trump gefährdet nach Ansicht der in Hannover ansässigen Stiftung Weltbevölkerung (DSW) die Gesundheit...



Neue Empfehlungen: Was ist guter Schlaf?

Die National Sleep Foundation in den USA hat vor Kurzem neu definiert, was guten Schlaf ausmacht: So sollte man mindestens 85 Prozent der...



Niedersachsen: AOK bezahlt Apotheker für AMTS-Beratung

In Niedersachsen zahlt die AOK Apothekern und Hausärzten künftig 60 Euro, wenn sie Patienten mit Polymedikation eingehend beraten. Wie die...

 
 

Bezlotoxumab: Antikörper gegen Clostridien-Toxin zugelassen
Die EU-Kommission hat MSD die Zulassung für den monoklonalen Antikörper Bezlotoxumab (Zinplava®) erteilt. Er bindet und...

Apothekenkosmetik: 4 Prozent Umsatzplus
Auf das Segment Kosmetik- und Körperpflegeprodukte entfällt 2016 in Apotheken (einschließlich Versandhandel) ein Umsatz von 1,4 Milliarden...

Antibiotika-Resistenz: EU bittet um Lösungsvorschläge
Im Kampf gegen Antibiotikaresistenzen will die Europäische Kommission in den kommenden Wochen Lösungsvorschläge von Fachleuten und Bürgern...

Krankenversicherung: Gericht in USA stoppt Milliardenfusion
Der milliardenschwere Zusammenschluss der US-Krankenversicherer Aetna und Humana ist von einem US-Gericht verboten worden. Gemeinsam wäre...

Selbstverwaltung: SPD torpediert Gröhes Eingriffe
Die SPD hat nach einem Medienbericht das Gesetz für mehr Aufsicht und Transparenz im Gesundheitswesen, das sogenannte...

Heimaufsicht: Patientenschützer für schärfere Gesetze
Die Deutsche Stiftung Patientenschutz hat den Vorstoß von Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) begrüßt, die Aufsicht von...

USA: Eid und Brief von Sigmund Freud werden versteigert
Ein handgeschriebener ärztlicher Eid des österreichischen Psychoanalytikers Sigmund Freud (1856-1939) soll in den USA versteigert werden....

Medizinstudium: Künftige Landärzte bevorzugt
Wer sich schon vor dem Medizinstudium dafür entscheidet, später als Landarzt zu arbeiten, soll bei der Vergabe eines Studienplatzes künftig...

Innovationsfonds: Großer Erfolg – und immer noch Potenzial
Die neuen Konzepte für eine verbesserte Patientenversorgung haben alle Erwartungen übertroffen. Darin waren sich die Experten einig, die...

Haustiere: Vorsicht vor Vergiftungen mit Cremes
In den USA sind fünf Hunde nach versehentlicher Exposition mit 5-Fluorouracil-haltiger Creme gestorben. Aufgrund der Häufung der...

Stada: Neues Vorstandsmitglied und neue Vergütung
Beim Bad Vilbeler Pharmahersteller Stada geht der Wechsel im Management weiter: Heute teilte das Unternehmen mit, dass sein Vorstand mit...

Tumorviren entdeckt: Paul-Ehrlich-Preis für US-Ehepaar
Für ihre Arbeiten zu Tumorviren werden zwei US-Amerikaner mit dem Paul-Ehrlich- und Ludwig-Darmstaedter-Preis ausgezeichnet. Yuan Chang...

Pro Generika: Lieferengpässe sind «Weckruf»
Der Pharmaherstellerverband Pro Generika hat vor Versorgungsengpässen bei lebenswichtigen Nachahmermedikamenten durch einen steigenden...

Gesundheit: Experten warnen vor Folgen sozialer Ungleichheit
Ein europaweites Netzwerk von Gesundheitsexperten warnt vor den Folgen sozialer Ungleichheit. Gesundheitsfragen dürften von den...

Gelbfieber-Ausbruch: Dutzende Todesopfer in Brasilien
Ein Gelbfieber-Ausbruch mit bereits Dutzenden Toten beunruhigt die Menschen in Brasilien. Rund ein Jahr nach der landesweiten Zika-Epidemie...

Noch mehr Meldungen...


PHARMAZEUTISCHE ZEITUNG ONLINE IST EINE MARKE DER

 












DIREKT ZU