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Forum-Institut

NEUE ARZNEISTOFFE

01 Abmagerungsmittel


Sibutramin Reductil® Kapseln (Knoll )

+++Die europäische Zulassung ruht seit Januar 2010 wegen des Risikos für kardiovaskuläre Ereignisse+++

 

Am 1. Februar 1999 wurde Sibutramin als neues Lifestyle-Drug mit enormen Aufwand bezüglich PR und Werbung als Abmagerungsmittel in den deutschen Markt eingeführt. Als Indikation wurde zugelassen: Zur unterstützenden Therapie bei Patienten mit ernährungsbedingten Übergewicht und einem Body-mass-Index (BMI) von mehr als 30 kg/m² . Liegen Erkrankungen vor, die durch Übergewicht verschlimmert werden, wie Diabetes mellitus oder Dyslipidämie, kann Sibutramin bereits ab einem BMI von 27 kg/m² eingesetzt werden.

 

Grundsätzlich sollte mit Sibutramin erst dann therapiert werden, wenn mit anderen Maßnahmen das Gewicht in drei Monaten nicht über 5 kg gesenkt werden konnte. Sibutramin ist ein zentral wirksamer Arzneistoff, der wie moderne Antidepressiva dosisabhängig die Wiederaufnahme von Noradrenalin und Serotonin aus dem synaptischen Spalt hemmt. Als Folge kommt es durch die höhere Konzentration von Serotonin an den entsprechenden postsynaptischen 5HT-Rezeptoren zu einer Steigerung des Sättigungsgefühls.

 

Durch die Steigerung der sympothoadrenergen Aktivität regt Sibutramin die Thermogenese im Fettgewebe an. Der Energieverbrauch steigt. Die Hemmung der Dopaminwiederaufnahme wird erst in deutlich höheren Dosierungen verhindert, so daß Dopamin am Wirkprofil des Sibutramins nicht beteiltigt ist. Es soll deshalb bei den vorgegebenen Dosierungen von 10 bis 15 mg nicht zur psychosomatischen Stimulation und Abhängigkeit wie bei den klassischen Appetitzüglern aus der Gruppe der Amphetamine kommen. Auch eine pulmonale Hypertonie ist nicht zu erwarten.

 

In Studien über 24 Wochen nahmen Patienten unter Sibutramin etwa 3 bis 5 kg mehr ab als unter Placebo. Die erzielbare Abnahme liegt zwischen 5 und 10 Prozent des Körpergewichtes und ist vergleichbar mit dem Effekt nach Dexfenfluramin-Einnahme. Nach Absetzen schwindet der Effekt, wie auch nach klassischen Appetitzüglern. Der Hersteller empfiehlt, Sibutramin in Kombination mit anderen Behandlungsansätzen nicht länger als ein Jahr anzuwenden. Nach dem Jahr sollte die Therapie mit Ernährungs- und Verhaltensumstellungen (ein Programm wird von Knoll ebenfalls angeboten) fortgesetzt werden. Aufgrund der langen Halbwertszeit der aktiven Metaboliten (14 und 16 Stunden) genügt die einmal tägliche Gabe von 10 mg. Während der Therapie sollten Blutdruck und Puls engmaschig kontrolliert werden. Da Sibutramin über Cytochrom P 450 3A4 verstoffwechselt wird, sind Wechselwirkungen mit anderen Stoffen, die dieses Isoenzym beeinflussen, möglich.

 

Aufgrund seines Wirkungsmechanismus ist es denkbar, daß Sibutramin im Gegensatz zu dem Lipasehemmer Orlistat unter strenger ärztlicher Kontrolle auch bei Bulimie (Freßsucht) eine Indikation hat, obwohl Bulemie im Beipackzettel als Gegenanzeige aufgenommen wurde, denn die Heißhungerphasen der Bulimie, die zentral gesteuert werden, können durch Serotoninwiederaufnahmehemmer unterbrochen werden.


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