Die Zeitschrift der deutschen Apotheker

 

Pharmazeutische Zeitung

 

PTA-Forum

 

PZ-Akademie

 

DAC/NRF

 

Tianeptin: Stressreduktion für Depressive

PHARMAZIE

 
Tianeptin

Stressreduktion für Depressive


Von Annette Mende, Berlin / Anders als viele gängige Antidepressiva hemmt der in Deutschland neu zugelassene Wirkstoff Tianeptin nicht die Wiederaufnahme von Serotonin sondern verstärkt sie. Hersteller Neuraxpharm stellte die Substanz am Rande des Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde in Berlin vor.

ANZEIGE


Mit Tianeptin (Tianeurax®) kommt ein Antidepressivum auf den deutschen Markt, das in anderen europäischen Ländern wie Frankreich oder Österreich schon seit mehreren Jahren zugelassen ist. Als Serotonin-Wiederaufnahmeverstärker (Serotonin-Reuptake- Enhancer, SRE) reduziert Tianeptin die Serotonin-Konzentration im synaptischen Spalt, speziell im Cortex und Hippocampus.




Bei Depressiven sind bestimmte Nervenzellen weniger dicht mit Rezeptoren besetzt. Das Antidepressivum Tianeptin normalisiert die Rezeptorendichte und verbessert dadurch die Reizleitung.

Foto: Fotolia/Sagittaria


»Das ist allerdings wahrscheinlich nicht der Haupt-Wirkmechanismus von Tianeptin«, sagte Professor Dr. Siegfried Kasper von der Uniklinik Wien. Eine wichtigere Rolle für die antidepressive Wirkung der Substanz spiele vermutlich die Beeinflussung der Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse. Diese sei bei allen depressiven Patienten überaktiv. In der Folge steige die Konzentration des Stresshormons Cortisol im Gehirn. »Die Patienten beschreiben das, als ob man im Auto gleichzeitig Gas gibt und auf der Bremse steht«, erklärte Kasper. Diese Überaktivität könne durch Tianeptin gehemmt werden. Die Senkung des Cortisolspiegels hat laut Kasper noch einen weiteren positiven Effekt auf das Gehirn von depressiven Patienten. Durch die dauerhafte Hypercortisol­ämie komme es nämlich im Hippocampus, der zentralen Schaltstation des limbischen Systems, zu einer Atrophie der Dendriten in den sogenannten Pyramidenzellen. Das bedeutet, dass die Ausläufer bestimmter Nervenzellen weniger dicht mit Rezeptoren besetzt sind als bei psychisch gesunden Menschen. Durch Tianeptin normalisiere sich die Anzahl der Synapsen wieder, was sich unter anderem auf das Erinnerungsvermögen und die Lernfähigkeit der Patienten positiv auswirke. /


Zur Übersicht Pharmazie...

Außerdem in dieser Ausgabe...

Beitrag erschienen in Ausgabe 48/2012

 

Das könnte Sie auch interessieren

 

 












DIREKT ZU