Die Zeitschrift der deutschen Apotheker

 

Pharmazeutische Zeitung

 

PTA-Forum

 

PZ-Akademie

 

DAC/NRF

 

 

 

Adipositas: Fettsucht mit Krankheitswert

NACHRICHTEN

 
Adipositas: Fettsucht mit Krankheitswert
 


Adipositas ist nicht nur ein Risikofaktor für Folgekrankheiten wie Diabetes und Atherosklerose, sondern selbst eine chronische Erkrankung. Das betonte Professor Dr. Hans Hauner von der Technischen Universität München bei einer Veranstaltung des Kompetenznetzes Adipositas in Berlin. «Die Weltgesundheitsorganisation hat die Adipositas bereits im Jahr 2000 als eine chronische Erkrankung definiert. Doch in Deutschland wird sie immer noch nicht als Krankheit anerkannt», sagte Hauner. Deshalb seien die Krankenkassen auch nicht dazu verpflichtet, die Kosten einer chirurgischen Therapie, beispielsweise einer Magenverkleinerung, zu übernehmen.

Adipositas wird anhand des Body-Mass-Index (BMI) diagnostiziert. Diese Maßzahl berechnet sich aus dem Körpergewicht (in Kilogramm) geteilt durch die Körpergröße (in Metern) zum Quadrat. Normalgewichtige Menschen haben einen BMI zwischen 18,5 und 25, übergewichtige zwischen 25 und 30. Ein BMI zwischen 30 und 35 bedeutet Adipositas Grad I; Grad II entspricht einem BMI von 35 bis 40 und ab einem BMI 40 spricht man von Adipositas Grad III. «Adipositas ist ein wichtiger Schrittmacher für viele chronische Krankheiten, zum Beispiel Atherosklerose, Diabetes, Krebs und Demenz», so Hauner. Besonders gefährdet seien hier Adipöse mit einem hohen Anteil an Fett in der Bauchhöhle (viszerale Fettakkumulation). «Es ist für mich nicht nachvollziehbar, wenn Krankenkassen die Kostenübernahme für die Behandlung solcher Patienten mit dem Argument ablehnen, dass diese ihren Zustand selbst verschuldet haben», sagte Hauner.

Für Patienten kann es sich auf jeden Fall lohnen, gegen solche ablehnenden Bescheide von Kostenübernahme-Anträgen zu klagen. Darauf wies Dr. Wolfgang Voit, Jura-Professor an der Universität Marburg, hin: «Die Sozialgerichte verwenden das Argument, dass Adipositas ein selbst herbeigeführter Zustand ist, in ihren Entscheidungen nicht.» Einzelfälle, in denen Krankenkassen die Bezahlung mit dieser Begründung ablehnten, entsprächen nicht der aktuellen Rechtsprechung. Aus Sicht des Juristen sind daher jetzt die Ärzte gefordert: Sie müssten einheitlich definieren, in welchen Fällen eine Behandlung notwendig ist, um Folgeerkrankungen zu vermeiden. «Sobald darüber Konsens herrscht, werden die Kassen auch zur Kostenübernahme bereit sein», sagte Voit. (am)

Lesen Sie dazu auch
Bariatrische Operationen: Diabetes einfach wegoperieren? PZ 31/2012
Ernährung: Adipositas erhöht das Krebsrisiko, Meldung vom 14.03.2012

Mehr zum Thema Ernährung

29.10.2012 l PZ
Foto: Fotolia/Ljupco Smokovski
 

 

Das könnte Sie auch interessieren

 

 

Weitere Nachrichten

 


DAV: Notdienstpauschale leicht erhöht

Knapp vier Euro mehr als im Vorjahr haben Apotheken 2016 im Durchschnitt pro Notdienst bekommen. Das teilte der Nacht- und Notdienstfonds...



WHO: Sepsis wird Topthema

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) macht Sepsis zu einem ihrer vordringlichen Themen. Die Hauptversammlung der WHO verabschiedete am 26....



Abrechnungsbetrug: Hunderte Pflegedienste unter Verdacht

Bei den seit Längerem laufenden bundesweiten Betrugsermittlungen gegen ambulante Pflegedienste hat sich nach einem Medienbericht ein...



EU will Legal Highs schneller verbannen

Neue Rauschmittel sollen auf EU-Ebene schneller überprüft und gegebenenfalls verboten werden. Damit will die Europäische Union die...

 
 

Krankenkassen: Zahl der Behandlungsfehler zurückgegangen
Die Zahl der medizinischen Behandlungsfehler ist nach Angaben der gesetzlichen Krankenkassen im vergangenen Jahr leicht zurückgegangen. Das...

Sonnenbrandgefahr: UV-Strahlung für Mai «sehr hoch»
Der Deutsche Wetterdienst (DWD) warnt derzeit vor sehr hoher UV-Strahlung in vielen Gebieten Deutschlands. Vor allem im Süden und Südwesten...

Smartphone: Häufige Nutzung birgt viele Risiken für Kinder
Bei täglicher Smartphone-Nutzung steigt bei Kindern und Jugendlichen das Risiko von Konzentrationsschwäche und Hyperaktivität. So ist das...

BPhD: Studierende haben neuen Präsidenten
Am Wochenende fand die 122. Bundesverbandstagung des Bundesverbands der Pharmaziestudierenden in Deutschland (BPhD) in Greifswald statt....

Bericht über Agranulozytose-Fall unter Nivolumab
Der Checkpoint-Inhibitor Nivolumab löst laut Fachinformation sehr häufig, also bei mindestens einem von zehn Behandelten, eine Neutropenie...

Organspende: Transplantation oft einzige Überlebenschance
Am 3. Juni findet in Erfurt der Tag der Organspende statt. Der deutsche Aktionstag, der zum 35. Mal jedes Jahr am ersten Samstag im Juni...

Hormonell riskante Stoffe: Grüne fordern höhere Hürden
Vor einer EU-Abstimmung über die Regulierung hormonschädigender Chemikalien fordern die Grünen ein Veto von Umweltministerin Barbara...

Flüchtlinge: Viele brauchen Langzeit-Traumatherapie
Verfolgung, Flucht, Kriegsgewalt – viele der in Deutschland ankommenden Flüchtlinge sind traumatisiert und bräuchten eigentlich eine...

Salz, Zucker, Fett: Fertigprodukte sollen «gesünder» werden
Für eine gesündere Ernährung sollen Tiefkühlpizzen, Müslis und andere Fertigprodukte nicht mehr so viel Salz, Zucker und Fette enthalten....

Brustkrebs: In zertifizierten Zentren behandeln lassen
«Je früher Brustkrebs erkannt wird, umso besser ist die Prognose», betonte Professor Dr. Dorothea Fischer vom Klinikum Ernst-von-Bergmann,...

Pharmacon Meran: Mehr junge Besucher
Die Veranstalter des Pharmacon in Meran haben nach dem Abschluss des Kongresses eine positive Bilanz gezogen. Es seien noch einmal mehr...

Hautkrebsschutz: Besser bedecken als eincremen
Sonnencreme schützt beim Sonnenbaden nicht vor Hautkrebs. Das betonte Teresa Amaral vom Zentrum für Dermatoonkologie der...

Impfberatung: Kitas müssen Verweigerer künftig melden
Die Bundesregierung will konsequenter gegen Eltern vorgehen, die sich einer Impfberatung verweigern. Das geht aus dem Entwurf eines...

Drug targeting: Von adressierten Päckchen und Schleusentoren
Ein Drug Targeting, also die zielgenaue Anreicherung eines Arzneistoffs am Wirkort nach systemischer Gabe, ist für viele Arzneistoffe...

Noch mehr Meldungen...

PHARMAZEUTISCHE ZEITUNG ONLINE IST EINE MARKE DER

 












DIREKT ZU