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Wahlen: ABDA vor Führungswechsel

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Wahlen

ABDA vor Führungswechsel


Von Daniel Rücker / Am 6. Dezember wählt die ABDA einen neuen Präsidenten. Heinz-Günter Wolf steht nach acht Jahren nicht mehr zur Verfügung. Sein bisheriger Stellvertreter, Friedemann Schmidt, hat nun den Hut in den Ring geworfen und öffentlich seine Kandidatur angekündigt. Erstmals macht damit ein Kandidat seine Ambitionen so offensiv öffentlich.

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Wer Friedemann Schmidt kennt, den muss dieser Schritt nicht wundern. Seit rund 20 Jahren engagiert er sich in Kammer, Verband und ABDA und meist hat er sich dabei auch um Öffentlichkeitsarbeit gekümmert. Transparenz und Offenheit sind ihm wichtig, sagt er. Das soll auch so bleiben, sollte er im Dezember an die Spitze der ABDA gewählt werden. »Wir müssen die Kommunikation innerhalb der ABDA, zu den Mitgliedsorganisationen und an die Basis modernisieren.« Die ABDA müsse die Möglichkeiten, die die neuen Medien bieten, selbst intensiver nutzen.

 

Langjähriges Engagement

 

Fast sein ganzes Berufsleben hat sich Schmidt neben der Arbeit in der Apotheke auch in den Standesorganisationen engagiert. Nach dem Diplom an der Universität Greifswald und einem Praktikum in einer Apotheke in Frankfurt am Main hat er 1990 eine Apotheke in Leipzig eröffnet. Bereits zwei Jahre später gewann ihn der damalige Präsident der Sächsischen Landesapothekerkammer, Hans Knoll, für den Aufsichtsausschuss des Versorgungswerks. 1994 wählten ihn die Apotheker in den Vorstand des Sächsischen Apothekerverbandes (SAV). Da war Schmidt 30 Jahre alt. »Mein Ziel war es, den Vorstand zu verjüngen«, sagt er.




Friedemann Schmidt ist seit 2004 Vize-Präsident der ABDA. Im Dezember will er als Kandidat für das Amt des Präsidenten antreten.

Foto: Bethge


In den folgenden Jahren kümmerte er sich um die Öffentlichkeitsarbeit des Verbands und um Tarifangelegenheiten. Hier hat er sich bei den Angestellten in den Apotheken nicht nur Freunde gemacht, denn in dieser Zeit trat der SAV mit seiner Vorsitzenden Monika Koch aus dem Tarifvertrag aus. Schmidt hält die Entscheidung noch heute für richtig: »Zu dieser Zeit war das ein richtiger Schritt.« Der brachte ihm auch seinen ersten größeren öffentlichen Auftritt ein. Bei der Interpharm 1996 in Leipzig diskutierte er mit der damaligen Angestelltenvertreterin und heutigen Präsidentin der Apothekerkammer Niedersachsen, Magdalene Linz, über den Tarifaustritt des SAV.

 

Im Jahr 2003 wechselte Schmidt vom Verband an die Spitze der Kammer, nachdem Knoll auf eine weitere Kandidatur verzichtet hatte. Dies war auch der Einstieg bei der ABDA. Als Kammerpräsident war er automatisch auch Mitglied des Gesamtvorstands der ABDA. Später rückte er in den Geschäftsführenden BAK-Vorstand auf, was wiederum die Mitgliedschaft im Geschäftsführenden Vorstand der ABDA nach sich zog.

 

Die Arbeit in den Gremien war nicht immer pure Freude. »Die Zeit zwischen 2002 und 2004 war eine schwierige Zeit«, sagt Schmidt. Die Rahmenbedingungen änderten sich stark. 2003 wurde der Versandhandel erlaubt, 2004 Filialen eingeführt und die Honorierung umgestellt. Schmidt: »Wir waren in einer Findungsdebatte.« Die ABDA musste sich neu positionieren.

 

Schmidt wollte die anstehenden Änderungen beeinflussen und kandidierte für die Position als ABDA-Präsident. »Das war nicht sehr klug«, sagt er. Einige Landesapothekerkammern sträubten sich, mit Heinz-Günter Wolf erstmals einen Verbandsvorsitzenden zum ABDA-Präsidenten zu wählen, obwohl der immer sehr pharmazeutisch gedacht habe. Er habe die innerverbandliche Situation damals nicht vollständig durchschaut, gibt Schmidt heute zu.

 

Vize seit 2004

 

Kurz vor der Wahl kam es dann doch noch zu einer Einigung. Im Dezember 2004 wurde Wolf zum ABDA-Präsidenten gewählt und Schmidt zu seinem Vize. In dieser Konstellation arbeiteten sie acht Jahre zusammen. Die Zusammenarbeit sei immer sehr gut gewesen, so Schmidt.

 

Mit der Rolle als reiner Vertreter des Präsidenten wollte sich Schmidt nicht zufrieden geben. Das Amt des Vizepräsidenten habe bis dahin ein unklares Profil gehabt. Er wollte eigene Akzente setzen. Dies tat er in der Zusammenarbeit mit den Berufsvertretungen anderer europäischer Länder und beim Weltapothekerverband FIP. Außerdem kümmerte er sich um das Medikationsmanagement, aus dem später das ABDA-KBV-Modell werden sollte.

 

Unterstützt wurde er dabei vor allem vom ABDA-Geschäftsbereich Arzneimittel von Professor Dr. Martin Schulz. Dieser habe bei der Konzeption des gemeinsamen Versorgungskonzepts von ABDA und Kassenärztlicher Bundesvereinigung viel geleistet. Im Jahr 2009 habe die einmalige Chance bestanden, die Ärzte für dieses Konzept zu gewinnen, weil diese von Regressen verschont werden wollten. Wolf habe die ersten Gespräche mit dem KBV-Vize Dr. Carl-Heinz Müller geführt und dann das Projekt in Schmidts Hände gegeben.

 

Konzept mit ersten Erfolgen

 

Der ist trotz einiger Schwierigkeiten und einigen Änderungen am Konzept weiterhin von dessen Erfolg überzeugt: »Wir haben uns einen bundesweiten Start gewünscht, jetzt beginnen wir erst einmal in Sachsen und Thüringen. Das ist dennoch ein gutes Ergebnis unserer bisherigen Arbeit.« Für die Apotheker sei es zukunftsweisend, wenn sie erstmals für kognitive Leistungen wie das Medikationsmanagement honoriert würden. Parallel dazu kümmerte sich Schmidt weiter um Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikation, auch wenn er nicht Mitglied des PR-Ausschusses der ABDA werden wollte.

 

Angesichts seiner Affinität zu Medien ist das kein Wunder. Seit 1999 ist Schmidt Studioexperte und Fachberater der MDR-Sendung »Hauptsache gesund«. Zweimal sprang er für einige Monate als Moderator ein, weil die eigentliche Moderatorin Franziska Rubin Elternzeit nahm.

 

Ob er diese Arbeit auch fortführt, wenn er im Dezember ABDA-Präsident würde, ist offen. »Ich würde sehr gern weitermachen«, sagt Schmidt. Er rechnet aber mit Diskussionen im Sender, ob der oberste Interessensvertreter eines Berufsverbandes aus dem Gesundheitswesen an einer solchen Sendung mitarbeiten kann. Wie die Entscheidung ausfällt, sei dennoch offen.

 

Schmidt wünscht sich aber, dass sich Apotheker und ABDA stärker als bislang auch zu sozialpolitischen Themen äußern, zumindest dann, wenn es sie tangiert. »Man muss nicht zu allem etwas sagen, man darf sich aber auch nicht immer heraushalten.«

 

Friedemann Schmidt wird die ABDA nicht revolutionieren. Das sagt er selbst und es wäre auch merkwürdig, nach acht Jahren in der Spitze. Er will aber die Organisation reformieren und noch schlagkräftiger machen. In der aktuellen Diskussion um die Vergütung habe die ABDA manchmal zu defensiv agiert. Deshalb müsse man eine Strategie für zukünftige Kämpfe entwickeln. Mancherseits habe es auch Kritik gegeben, die Spitze habe zu wenig geführt. Diesen Vorwurf will er entkräften. »Wer Führung möchte, der bekommt sie auch von mir.«

 

Das oberste politische Ziel sei aber eine zukunftsfähige Vergütung, sagt Schmidt. Sie sei die Voraussetzung für alle anderen Ziele der Apothekerschaft. Ohne eine ausreichende Vergütung verliere der Beruf Apotheker an Attraktivität. Zusammen mit der demografischen Entwicklung und dem Nachwuchsmangel sei dies eine große Gefahr für die flächendeckende Versorgung, nicht nur auf dem Land, sondern auch in den Städten.

 

Aus Schmidts Sicht muss sich die Vergütung in Zukunft stärker an der Qualität der Leistung und weniger an der Zahl der abgegebenen Packungen orientieren. Er ist froh, dass die gesundheitspolitischen Sprecher von Union und SPD, Jens Spahn und Karl Lauterbach, Vorschläge in diese Richtung gemacht hätten. Allerdings glaubt Schmidt nicht an eine Honorierung der Apotheker vollkommen unabhängig von der Arzneimittelabgabe. Die Erfahrung von 2004 habe auch gezeigt, dass Veränderungen der Vergütung besser evolutionär verlaufen. Schmidt: »Ich glaube an eine Entwicklung von der Arzneimittelpreisverordnung zur differenzierten Gebührenordnung.«

 

Opposition einbinden

 

Schließlich will Schmidt auch stärker die Apotheker einbinden, die sich bislang als Opposition zur ABDA verstehen, zumindest diejenigen, die einen konstruktiven Ansatz dabei haben. Gegen Dickköpfe habe er nichts. Nicht zusammenarbeiten will er allerdings mit »denen, die nur darauf aus sind, Strukturen zu zerstören.«

 

Der ABDA-Präsident wird von den Vertretern der Landesapothekerkammern und -verbände gewählt. Die Wahl findet am 6. Dezember vormittags in Berlin statt. Da die Frist für die Kandidatur noch nicht abgelaufen ist, können sich auch noch weitere Bewerber aufstellen lassen. /


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Beitrag erschienen in Ausgabe 42/2012

 

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