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Krillöl: Krebsschwarm statt Lebertran

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Krillöl

Krebsschwarm statt Lebertran


Von Verena Arzbach / Krillschwärme dienen vor allem Walen und Robben im antarktischen Meer als Nahrungsquelle. In den USA sind Kapseln aus Krillöl momentan als Lieferant von Omega-3-Fettsäuren gefragt. Vorteile gegenüber Fischöl sind jedoch kaum vorhanden.

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Gewonnen wird Krillöl überwiegend aus dem antarktischen Krill (Euphausia superba). Der garnelenartige Leuchtkrebs ist Bestandteil des Planktons und Hauptnahrungsquelle einiger Wal- und Robbenarten. Er wird maximal 6 Zentimeter groß und 2 Gramm schwer. Zusammen bringen es die kleinen Krebse jedoch auf eine enorme Masse: Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen schätzt die gesamte Biomasse der Krillschwärme auf 125 bis 750 Millionen Tonnen weltweit.

 

Wenig valide Daten

 

Hersteller preisen die positiven Wirkungen des Krillöls in den verschiedensten Indikationen an: Unter anderem sollen Krillöl-Kapseln Menstruationsbeschwerden lindern, dem prämenstruellen Syndrom vorbeugen und Entzündungen hemmen. Erforscht wurden diese Indikationen bislang nur in Tierversuchen. Hauptinhaltsstoffe des Öls sind das Antioxidans Astaxanthin sowie die essenziellen Omega-3-Fettsäuren Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA). Im Gegensatz zum Fischöl liegen die Fettsäuren im Krillöl als Phospholipide vor, hauptsächlich an Phosphatidylcholine gebunden. In der Triglyceridform des Fischöls hingegen sind jeweils drei Fettsäuren an Glycerol gebunden. Der Körper soll EPA und DHA als Phospho­lipid besser aufnehmen und verwerten können als Triglyceride. Die Datenlage dazu ist jedoch nicht eindeutig. Studien an Neugeborenen legen zwar bessere Absorptionsraten von Phospholipiden nahe, eine Untersuchung mit übergewichtigen und fettleibigen Erwachsenen zeigte jedoch keine Vorteile.




Nahrungsergänzungsmittel mit Öl aus dem antarktischen Krill sind vor allem in den USA in Mode. Sie sind herkömmlichen Fischöl-Kapseln aber wohl nicht überlegen.

Foto: dpa


Laut Angaben eines Herstellers soll Krillöl gegenüber dem vorwiegend in Omega-3-Nahrungsergänzungsmitteln verwendeten Fischöl noch weitere Vorteile bieten. Es zeichne sich durch einen höheren Anteil an langkettigen ungesättigten Fettsäuren aus. Zudem sollen die enthaltenen Omega-3-Fettsäuren besser bioverfügbar sein. Da die kleinen Krebse am Anfang der Nahrungskette stehen, seien sie weniger mit Schadstoffen und Pestiziden belastet als Fische, verspricht der Unternehmer. Nicht zuletzt bleibe das für den Konsumenten unangenehme Aufstoßen mit fischigem Nachgeschmack aus. Einziger Wermutstropfen: Die Krillöl-Kapseln sind deutlich teurer als Fischöl-Präparate.

 

Bezüglich ihrer Wirkung auf Blutfettwerte und Entzündungen scheinen sich Krillöl und Fischöl jedoch kaum zu unterscheiden. Skandinavische Forscher um Jan Pedersen von der Universität Oslo in Norwegen untersuchten die Effekte von Krill- und Fischöl auf Lipidspiegel und Entzündungsmarker. 113 Probanden mit normalen oder leicht erhöhten Cholesterolspiegeln und/oder Triglyceridspiegeln wurden dafür in drei Gruppen eingeteilt. Eine Gruppe nahm sieben Wochen lang täglich sechs Krillöl-Kapseln mit je 500 Milligramm Öl zu sich. Die zweite Gruppe erhielt jeden Tag drei Fischöl-Kapseln à 600 Milligramm Öl. Die dritte Gruppe nahm keine Nahrungsergänzungsmittel ein.

 

Nicht besser als Fischöl

 

Im Vergleich zur Kontrollgruppe waren die Blutplasmaspiegel der Omega-3-Fettsäuren EPA und DHA nach sieben Wochen bei beiden Gruppen, die Kapseln eingenommen hatten, signifikant angestiegen, berichten die Forscher im Journal »Lipids« (doi: 10.1007/s11745-010-3490-4). Zwischen der Krillöl-Gruppe und der Gruppe, die Fischöl­kapseln eingenommen hatte, bestand kein Unterschied in der Höhe des Anstiegs. Ebenso stellten die Wissenschaftler keinerlei Differenzen bei den Serumlipidspiegeln und Entzündungsmarkern beider Gruppen fest.

 

Krill- und Fischöl seien daher als Quellen für Omega-3-Fettsäuren ähnlich gut geeignet, so die Autoren. Die Tatsache, dass für eine vergleichbare Beeinflussung des Blutspiegels eine geringere Dosis Krill- als Fischöl nötig war, spricht allerdings für eine bessere Bioverfügbarkeit der Fettsäuren aus Krillöl. EPA und DHA waren im Krillöl zudem um gut ein Drittel weniger hoch konzentriert als im Fischöl. / 


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Beitrag erschienen in Ausgabe 41/2012

 

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