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Bluthochdruck: Tabletten müssen nicht immer sein

MEDIZIN

 
Bluthochdruck

Tabletten müssen nicht immer sein


Von Maria Pues / Dass Herzinfarktpatienten von der Senkung eines erhöhten Blutdrucks profitieren, um weiteren Ereignissen dieser Art vorzubeugen, haben verschiedene Studien gezeigt. Für eine antihypertensive Primärprävention gilt dies möglicherweise nicht immer.

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Hypertonen Gesunden durch eine Senkung des Blutdrucks und damit einer Entlastung des Herzens einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu ersparen, erschien angesichts der Erfolge in der Sekundärprävention nur folgerichtig. Diese Annahme wird durch eine aktuelle Untersuchung der Cochrane-Collaboration infrage gestellt (doi: 10.1002/ 14651858.CD006742.pub2).




Eine Änderung der Lebensgewohnheiten könnte gegen milden Bluthochdruck besser helfen als Tabletten.

Foto: Fotolia/monropic


Was bei Herzkranken gelte, lasse sich nicht ohne Weiteres auf Gesunde übertragen, schreiben die Studienautoren um Diana Diao von der University of British Columbia im kanadischen Vancouver. Sie kritisieren die fehlende Evidenz bei der breiten Anwendung von Antihypertonika bei Menschen mit mild erhöhtem Blutdruck ohne weitere erkennbare Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Neben einem fehlenden Nutzen müssten diese mögliche Nebenwirkungen durch die Arzneimittel in Kauf nehmen. Als milde Blut­druckerhöhung definierten die Wissenschaftler systolische Werte zwischen 140 und 159 mmHg und diastolische Werte zwischen 90 und 99 mmHg.

 

In die Metaanalyse flossen vier randomisierte und kontrollierte Studien ein. Diese umfassen gut 8900 Männer und nicht schwangere Frauen über 18 Jahre, die vier bis fünf Jahre mit Antihypertensiva behandelt worden waren. Im Vergleich zu Placebo zeigte sich in der Verumgruppe keine signifikante Senkung der Mortalität. Auf der Basis von drei Studien mit gut 7000 Teilnehmern ließ sich zudem keine Abnahme des Risikos für Koronare Herzkrankheit, Schlaganfall oder kardiovaskuläre Ereignisse feststellen.

 

Auch unter der Annahme, dass die relativen Vorteile der Primärprävention denen der Sekundärprävention entsprechen, ergab die Analyse bescheidene Werte für die Risikoreduktion: 0,25 Prozent für die Senkung der Mortalität und 0,78 Prozent für alle Herz-Kreislauf-Ereignisse zusammen. Um einen Todesfall zu verhindern, müsse man demnach 400 Personen fünf Jahre lang behandeln; um ein Herz-Kreislauf- Ereignis zu verhindern, 128 Personen.

 

Hinweise darauf, dass die reine Senkung eines Laborwerts um der Senkung willen nicht automatisch mit einem gesundheitlichen Mehrwert für den Pa­tienten verbunden ist, gab es bereits aus anderen Studien. Teilweise haben diese theoretischen Erkenntnisse bereits Eingang in die Behandlungspraxis gefunden. So empfehlen die aktuellen Leitlinien für hypertone Diabetiker eine moderatere Blutdrucksenkung als noch vor wenigen Jahren: auf einen systolischen Wert zwischen 130 und 139 mmHg und einen diastolischen Wert zwischen 80 und 85 mmHg. Eine andere Studie kam kürzlich zu dem Ergebnis, dass nicht mobilen Hochbetagten eine Blutdrucksenkung zuweilen eher schadet als nützt (lesen Sie dazu auch Hypertonie im Alter: Organschutz durch erhöhten Blutdruck? PZ 31/2012). Angesichts geringer Probandenzahlen in einigen dieser Untersuchungen besteht Bedarf für weitere Forschung in diesem Bereich. / 


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Beitrag erschienen in Ausgabe 34/2012

 

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