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Süßes oder Saures?: Die Zähne mögen beides nicht

MEDIZIN

 
Süßes oder Saures?

Die Zähne mögen beides nicht


Von Nicole Schuster / Nach jeder Mahlzeit Zähne putzen, das war einmal. Vor allem nach säurehaltigen Lebensmitteln schadet die Zahnbürste manchmal mehr, als dass sie nutzt. Mindestens zwei Zahnreinigungen täglich sollten es aber dennoch sein. Dabei kommen neben der Zahnbürste auch Hilfsmittel wie Zahnseide und Interdentalbürsten zum Einsatz.

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Säurereiche Lebensmittel wie Obst gelten im Allgemeinen als sehr gesund. »Studien zufolge können aber bereits Nahrungsmittel ab einem pH-Wert von weniger als 4 deutliche Erosionen, also säurebedingte Schäden an der Zahnhartsubstanz, verursachen«, erläutert Dr. Thea Lingohr, Zahnärztin und Oralchirurgin aus Köln. Das ist im Grunde nicht weiter bedenklich, da der mineralstoffhaltige Speichel die Zähne umspült und zu ihrer Remineralisation führt. Das braucht allerdings etwas Zeit. »Wer sofort nach dem Essen säurehaltiger Lebensmittel die Zähne putzt, zerstört jedes Mal kleinste Mengen des aufgeweichten Zahnschmelzes«, erklärt die Zahnärztin Dr. Sabine Köhler aus Aachen, Vorsitzende des Medizinischen Beratungsdienstes der Zahnärzte.




Nach dem Genuss von säure- und zuckerhaltigen Lebensmitteln sollte man nicht sofort zur Zahnbürste greifen.

Foto: Fotolia/lunamarina


Für die Patienten bleibt das lange unbemerkt. Erst wenn das schmerzempfindliche Dentin des Zahns freigelegt ist, spüren sie, dass die Zähne temperaturempfindlicher werden. Auch Verfärbungen und funktionelle Einschränkungen können auftreten, wenn die Zähne an Substanz und Höhe verlieren.

 

Doch nicht nur mit der Nahrung zugeführte Säuren können zum Abbau von Zahnschmelz führen. »Auch die Magensäure kann zu Säureerosionen führen«, weiß Köhler. »Das ist zum Beispiel bei starkem und häufigem Sodbrennen der Fall und bei Bulimie-Patienten, die regelmäßig erbrechen.« Schlecht für die Zahngesundheit sei es auch, kleinen Kindern Nuckelflaschen mit Säften oder Schorlen anzubieten. Ein weiteres Risiko sind bestimmte Arzneimittel wie das Schmerzmittel Acetylsalicylsäure.

 

Gute Kombi: Wein und Käse

 

Um die Zähne zu schützen, aber nicht auf alles verzichten zu müssen, sollten säurehaltige Lebensmittel wie Fruchtsäfte, Limonadengetränke, Obst, trockener Wein oder saure Süßigkeiten nicht zu oft am Tag gewählt werden. Auch auf die richtige Kombination kommt es an. »Milch und Milchprodukte wie Käse liefern das wichtige Mineral Calcium, das nicht nur unsere Knochen, sondern auch unsere Zähne stärkt«, erklärt Lingohr. Sie rät, säurehaltige und calciumhaltige Lebensmittel zu kombinieren und zum Beispiel zum Wein ein Stück Käse zu essen. Wichtig sei dabei, dass die beiden Lebensmittel miteinander verzehrt werden und nicht nacheinander. Außerdem gilt: Direkt nach einer Speise oder einem Getränk mit Säure­gehalt nicht die Zähne putzen. »Geeignet für die Zahnpflege nach einer säurehaltigen Mahlzeit sind fluoridhaltige Zahnspülungen. Sie unterstützen die Remineralisation und können helfen, Erosionsschäden zu vermeiden«, so Lingohr.

 

Bei Säureschäden erst essen, dann putzen

 

Doch nicht nur beim Genuss von säurehaltigen Speisen, auch bei Süßigkeiten sind die Zähne Säureangriffen ausgesetzt. »Einige Bakterien, die sich fest an den Zähnen angesiedelt haben, bauen Einfachzucker zu Säure um. Je mehr dieser Bakterien im Mund sind, desto fataler die Wirkung von süßen Lebensmitteln«, warnt Köhler. Um die Bakterienfilme zu verringern, rät sie zu einer regelmäßigen professionellen Zahnreinigung und einer guten Mundhygiene.




Von Hand putzen oder elektrisch? Diese Frage ist nachranging, wenn die Putztechnik stimmt. In jedem Fall sollte die Bürste regelmäßig ausgetauscht werden.

Foto: Fotolia/Cult12


Dazu gehört, zwei Mal täglich die Zähne zu putzen. Im Allgemeinen ist es üblich, nach dem Essen zur Zahnbüste zu greifen. Das sei aber nicht für alle empfehlenswert, wie Professor Dr. Elmar Hellwig von der Abteilung für Zahn­erhaltungskunde und Parodontologie der Klinik für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde am Universitätsklinikum Freiburg weiß: »Patienten, deren Zähne bereits durch Säureerosionen geschädigt sind, sollten tagsüber besser vor dem Essen die Zähne putzen.«

 

Besonders intensiv sollte die abendliche Reinigung des gesamten Gebisses sein. Sie findet am besten direkt vor dem Zubettgehen statt. Ob dazu eine Handzahnbürste mit abgerundeten Kunststoffborsten oder eine elektrische Zahnbürste gewählt wird, ist Geschmackssache. Die richtige Technik können Patienten in ihrer Zahnarztpraxis lernen. Sie sollten sich angewöhnen, ein festes Schema zu befolgen, um keinen Zahn zu vergessen. Alle zwei Monate und nach jeder akuten Erkrankung sollte die alte Zahnbürste beziehungsweise der alte Bürstenkopf ausgetauscht werden.

 

Mundspülungen können die Zahnpflege ergänzen

 

Groß ist die Auswahl an Zahnpasta. »Liegt keine diagnostizierte Zahn- oder Kieferkrankheit vor, genügt eine normale fluoridhaltige Zahnpasta mit Schleifkörperchen«, bestätigt Hellwig. Das enthaltene Fluorid kräftigt den Zahnschmelz und macht ihn widerstandsfähiger gegen Säureangriffe, während die abrasiven Partikel für den Putzeffekt verantwortlich sind. Für Patienten mit Säureerosionen klingen Zahnpasten verlockend, die Zahnschmelz-aufbauend wirken sollen. »Im Labor konnte an Modellen tatsächlich Zahnsubstanz ›draufgeputzt‹ werden. Es fehlen aber noch Langzeitstudien, die einen dauerhaften Effekt in der Mundhöhle bestätigen«, sagt Köhler.

 

Häufig übersehen werden beim Zähneputzen die Zahnzwischenräume. Je nach Gebissstellung hilft hier eine fluoridierte Zahnseide oder ein Zahnzwischenraumbürstchen weiter. Die Interdentalbürsten bestehen aus einer Borstenreihe, mit der sich größere Zwischenräume gut erreichen lassen. Patienten mit Mundgeruch sollten zusätzlich die Zunge mit einer Zungenbürste oder einem Zungenschaber reinigen. Mundspülungen können eine Ergänzung zur Zahnpflege sein. Sie verringern den Zahnbelag und wirken je nach Produkt antibakteriell oder remineralisierend. Besonders profitieren davon Menschen mit Bewegungseinschränkungen, Zahnspangenträger und Patienten, die eine frische Operationswunde im Mund haben.

 

Wer unterwegs nach dem Essen etwas für seine Zähne tun möchte, kann einen zuckerfreien Kaugummi kauen. Sowohl mechanisch als auch durch den erhöhten Speichelfluss trägt das zur Zahnreinigung bei. »Essensreste können sich dann nicht so leicht festsetzen, und Karies verursachende Bakterien haben weniger Nahrung, um dem Zahn zu schaden. Zudem kann die erhöhte Speichelmenge Säure aus Getränken und Lebensmitteln schneller neutralisieren«, erläutert Lingohr.

 

Richtige Zahnpflege ist also gar nicht so einfach. Doch wer einige Regel befolgt, kann vielen Zahnschäden vorbeugen. / 


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Beitrag erschienen in Ausgabe 32/2012

 

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