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Tennisellenbogen: Schmerzen bei kleinster Bewegung

MEDIZIN

 
Tennisellenbogen

Schmerzen bei kleinster Bewegung


Von Ulrike Viegener / Der Tennisellenbogen gehört zu den häufigsten orthopädischen Erkrankungen. Anders als der Name vermuten lässt, sind keineswegs immer Tennisspieler betroffen. In den allermeisten Fällen sind berufliche Über- oder Fehlbe­lastungen die Ursache. Tätigkeiten am Computer rangieren dabei heute ganz vorne.

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Als Tennisellenbogen (lateinisch Epicondylopathia radialis humeri) bezeichnet man einen schmerzhaften Reizzustand der Sehnenansätze der Unterarm-Streckmuskulatur am Ellenbogen. Die Sehnen sind dabei an ihrem Ansatzpunkt am Knochenfortsatz daumenseitig entzündlich oder degenerativ verändert. Beim selteneren Golferellenbogen dagegen sind die Sehnenansätze der Beugemuskulatur kleinfingerseitig betroffen. Schon eine einmalige starke Überlastung der Unterarm-Streckmuskulatur wie etwa beim Frühjahrsputz kann einen Tennisellenbogen auslösen. Akute Reizzustände haben eine bessere Prognose als chronische Prozesse. Wenn es Sportler trifft, dann sind Amateure weitaus mehr gefährdet als Profis.




Schmerzt unbehandelt bereits bei leichtester Beanspruchung, zum Beispiel dem Anheben einer Kaffeetasse: der Tennisellenbogen.

Foto: Fotolia/herl


Selbst Kaffee trinken wird zum Problem

 

Bei wiederholter Über- oder Fehlbe­lastung kann es zu Mikrotraumata im Bereich der Sehnenansätze und dabei zur Bildung von Granulations- und Narbengewebe kommen. Die starken brennenden Schmerzen beim Tennisellenbogen sind in erster Linie auf eine Entzündung der Knochenhaut zurückzuführen. Muskelverspannungen tun ein Übriges. Die Schmerzen gehen vom Ellenbogen aus, können aber bis in die Hand ausstrahlen. Im weiteren Verlauf kann es zu Krafteinbußen im Bereich der betroffenen Hand kommen, was zu massiven Beeinträchtigungen im Alltag führen kann. Händeschütteln und das Heben zunächst von schweren, später auch von leichten Gegenständen wie einer Kaffeetasse kann dann mit starken Schmerzen verbunden sein.

 

Prognose meist günstig

 

Mit einfachen Tests kann der Arzt die Diagnose erhärten: Druck auf den Knochenansatz der Unterarm-Streckmuskulatur erzeugt einen starken Schmerz, der bis in die Hand ausstrahlt. Auch die Drehung des Unterarms, die Streckung von Handgelenk oder Mittelfinger gegen einen Widerstand sowie die Streckung des Ellenbogens bei passiv gebeugter Hand lösen Schmerzen aus. Wichtige Differenzialdiagnosen des Tennisellenbogens sind die Ellenbogenarthrose und das sogenannte Schulter-Arm-Syndrom, das durch einen Bandscheibenvorfall im Nacken ausgelöst wird. Die Prognose des Tennisellenbogens ist gut, wobei eine frühzeitig konsequente Schonung entscheidend ist für den Behandlungserfolg. Das Ruhigstellen kann durch eine sogenannte Epikondylitis-Spange unterstützt werden, die den Muskelansatz am Ellenbogen gezielt entlastet. Bei Therapieresistenz kann eine Unterarmgipsschiene indiziert sein. In jedem Fall ist Geduld erforderlich: Nicht selten vergehen mehrere Monate bis zur Symptomfreiheit.


Tipps für das Beratungsgespräch

Der Tennisarm braucht eine Pause. Relevante sportliche oder berufliche Tätigkeiten sollten deshalb wenn möglich vorübergehend eingestellt werden.
Der Computerarbeitsplatz sollte daraufhin überprüft werden, ob Arm- und Sitzhaltung den ergonomischen Anforderungen entsprechen. Spezielle Auflagepolster und Mäuse sind hilfreich.
Tennisspieler sollten ihre Schlagtechnik überprüfen und vor jedem Spiel Dehnungsübungen absolvieren. Auch flexible Tennisschläger können für eine Entlastung sorgen.

Die Behandlung erfolgt konservativ mit nicht steroidalen Antirheumatika, die topisch und/oder systemisch angewendet werden. Im nächsten Schritt kann eine Infiltrationstherapie mit Lokalanästhetika oder mit Corticosteroiden erfolgen. Letztere sollten laut den Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie auf maximal drei Anwendungen beschränkt werden. Auch die Injektion von Botulinumtoxin an den Hauptschmerzpunkt und in die betroffene Muskulatur hat sich bewährt.

 

Außerdem gibt es verschiedene physikalische Therapieoptionen. Kälte (Kryotherapie) wird im akuten Stadium angewendet, im chronischen Stadium eventuell eine Wärmebehandlung. Dehnungsübungen sowie eine spezielle Massagetechnik (Friktionsmassage) werden ebenfalls empfohlen. Auch ein Therapieversuch mit Akupunktur ist geeignet, die Schmerzen und eventuell auch die Entzündung günstig zu beeinflussen. Nur wenn alle diese Maßnahmen nicht greifen, ist als Ultima Ratio eine chirurgische Intervention zu erwägen. /


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Beitrag erschienen in Ausgabe 30/2012

 

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