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Arzneimittel: Regierung sieht kein Versorgungsproblem

POLITIK & WIRTSCHAFT

 
Arzneimittel

Regierung sieht kein Versorgungsproblem


Von Anna Hohle / Viele Apotheker klagen jüngst über Lieferschwierigkeiten für bestimmte Medikamente. Nach Ansicht der Bundesregierung ist die Arznei­mittelversorgung dennoch nicht gefährdet.


Die Linksfraktion wollte es genauer wissen. In einer sogenannten kleinen Anfrage bat sie die Bundesregierung um Stellungnahme zu aktuellen Berichten über Lieferengpässe bei Arzneimitteln. In ihrer Antwort spricht die Regierung nun von »einigen wenigen Fällen«, in denen Medikamente nicht verfügbar gewesen seien. Die Versorgung mit Arzneimitteln sei jedoch sowohl im stationären als auch im ambulanten Bereich »grundsätzlich gewährleistet«.

 

Zytostatika nicht lieferbar

 

Ende Juni hatten verschiedene Medien über Lieferschwierigkeiten bei Medikamenten berichtet. Insbesondere Krankenhausapotheken müssten häufig auf wichtige Arzneimittel warten und teilweise auf Ersatzmittel ausweichen, hieß es dort. So konnten jüngst etwa Acetylsalicylsäure (Aspirin®) zur parenteralen Anwendung sowie mehrere Krebsmedikamente nicht geliefert werden. »Wenn ich heute durch das Lager gehe, hängt an fast jedem Regal ein Zettel, der auf Lieferschwierigkeiten hinweist«, sagte Dr. Thorsten Hoppe-Tichy, Präsident des Bundes­verbands Deutscher Krankenhausapotheker (ADKA) der Pharmazeutischen Zeitung im Juni.




Die Bundes­regierung spricht von Einzelfällen, in denen Medikamente in der Apotheke nicht verfügbar sind.

Foto: PZ/Müller


Die Regierung spricht nun von »vorübergehenden Lieferproblemen« und präsentiert Erklärungen für die jüngsten Beispiele: Im Fall des Krebsmittels Carboplatin seien mutmaßliche Qualitätsmängel die Ursache des Engpasses. Das Zytostatikum Caelyx® dagegen habe nicht geliefert werden können, da ein Herstellungsbetrieb geschlossen worden sei. Beim parenteralen Aspirin habe schlicht ein Ausgangsstoff gefehlt. Der Bundesregierung seien jedoch keine Fälle länger andauernder Lieferengpässe bekannt, schreibt die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Gesundheit Ulrike Flach (FDP) in der Regierungsantwort. Von einem Marktversagen, wie es die Linke konstatiert, könne nicht die Rede sein. Häufig lägen die Ursachen für die Lieferengpässe nicht im Verantwortungsbereich des Herstellers, so Flach.

 

Die Linken-Politikerin Kathrin Vogler kritisierte die knappe Regierungsantwort. Die Vizevorsitzende des Gesundheitsausschusses im Bundestag zeigte sich »bestürzt« über die Sorglosigkeit, mit der man von Regierungsseite das Thema kommentiere. Die Regierung rede das Problem klein und stecke »einfach den Kopf in den Sand«. Laut Vogler sind die Lieferengpässe zumindest teilweise da­rauf zurückzuführen, dass sich die Produktion von Arzneimitteln zunehmend auf wenige große Hersteller konzentriert.

 

Auch Prof. Dr. Wolf-Dieter Ludwig, Vorsitzender der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft, teilt die Einschätzung der Regierung nicht. Lieferengpässe häuften sich, insbesondere bei Medikamenten, die schon lange auf dem Markt sind, sagte er gegenüber der »Berliner Zeitung«. Ludwig bezeichnete es als »absolut inakzeptabel«, dass Patienten mit lebensbedrohlichen Erkrankungen durch Lieferschwierigkeiten auf wichtige Medikamente warten müssten. /


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Beitrag erschienen in Ausgabe 29/2012

 

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