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ABDA-KBV-Modell: Es gibt eine Reihe von Interessenten

POLITIK & WIRTSCHAFT

 
ABDA-KBV-Modell

Es gibt eine Reihe von Interessenten


Von Daniel Rücker / Nachdem sich ABDA und Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) Anfang Juni auf ein neues Prozedere beim gemeinsamen Versorgungsmodell für multimorbide Patienten geeinigt haben, stehen nun die Rahmenbedingungen fest. Getestet wird in Sachsen und Thüringen gemeinsam mit der AOK Plus. Die Vorsitzende des Sächsischen Apothekerverbandes (SAV), Monika Koch, und ABDA-Vizepräsident Friedemann Schmidt erklären die Details.

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PZ: Das ABDA-KBV-Modell soll nun in Sachsen und Thüringen getestet werden. Warum ist die Wahl auf diese Region gefallen?

 

Koch: Die AOK plus ist schon seit über einem Jahr mit uns, also den Kassenärztlichen Vereinigungen und Landesapothekerverbänden Sachsen und Thüringen, im Gespräch, ein ähnliches Projekt durchzuführen. Sachsen und Thüringen haben den bundesweit höchsten Anteil multimorbider Patienten, die mehr als fünf Arzneimittel benötigen. Außerdem sind zumindest die älteren Ärzte und Apotheker der beiden Bundesländer noch von früher gewohnt, miteinander zum Wohle der Patienten zu reden. Wenn vor der Wende die 14-tägige Anlieferung der Arzneimittel erfolgt war, habe ich die umliegenden Ärzte regelmäßig angerufen, um die mögliche Therapie der Patienten zu besprechen, deren Arzneimittel wieder nicht lieferbar waren.

 

PZ: Wie sieht die Terminplanung aus?




»Die Teilnahme an dem Modell ist freiwillig und muss es auch sein.«

Fotos: ABDA


Koch: Wir arbeiten alle mit Hochdruck daran, den geplanten Beginn des Modellprojekts im ersten Halbjahr 2013 realisieren zu können.

 

PZ: Welche Hindernisse müssen noch überwunden werden?

 

Koch: Der Teufel steckt wie immer im Detail. Vor allem die EDV-technische Umsetzung der Wirkstoffverordnung und die Schnittstellen zwischen Arzt- und Apotheken-Software bedürfen noch einiger Problemlösungen. Wenn die Gematik die elektronische Gesundheitskarte bereits wie geplant auf den Weg gebracht hätte, wären wir ein ganzes Stück weiter.

 

PZ: Wie planen Apotheker und Ärzte in den beiden Bundesländern? Gemeinsam oder jeweils allein?

 

Koch: Über die genaue Arbeitsteilung wird ein Gespräch Anfang Juli in Berlin stattfinden. Aus zeitökonomischen Gründen wird es wohl beides geben. Wichtig ist die engmaschige Abstimmung der jeweiligen Entwicklungen und Fortschritte.

 

PZ: Was werden Sie genau erproben? Das komplette Modell oder einzelne Instrumente?

 

Koch: Das komplette Modell.

 

PZ: Mit der AOK plus hat nur eine Krankenkasse ihre Teilnahme zugesagt. Warum sind die anderen Kassen so zögerlich?

 

Koch: Die AOK plus arbeitet, wie schon gesagt, seit Längerem selbst an so einem Modell. In Sachsen hat aber auch die Knappschaft schon seit Langem Interesse an einem Modell dieser Art.

 

PZ: Können im Verlauf des Tests weitere Kassen beitreten?

 

Koch: Ja, das ist so vorgesehen.

 

PZ: Werden alle Kassenärzte und alle Apotheker aus den beiden Ländern mitmachen?

 

Koch: Eine spannende Frage. Die Teilnahme ist freiwillig und muss es auch sein. Der SAV wird im September Informationsveranstaltungen durchführen. Ich hoffe, dass wir mit der Planung der konkreten Umsetzung dann so weit sind, dass sich die Kollegen daraufhin entscheiden und ihren Teilnahmewunsch anmelden können.

 

PZ: ABDA und KBV fahren den Modellversuch jetzt doch nicht nach Paragraf 64a SGB V, sondern nach Paragraf 63. Was ist der Grund dafür?




»Wenn in anderen Regionen ähnliche Ver­suche gestartet werden sollten, würde uns das freuen.«

Schmidt: Leider mussten wir in den letzten Monaten erkennen, dass es wohl in der zur Verfügung stehenden Zeit nicht gelingen würde, alle Kassen der Modellregion zur Teilnahme zu bewegen. Im Paragraf 64a ist für diesen Fall zwar eine Schiedsamtslösung vorgesehen, aber unsere Erfahrungen mit solchen Verfahren zeigen, dass sie sehr viel Zeit in Anspruch nehmen. Da wir diese Zeit nicht haben, starten wir jetzt in einer Region nach Paragraf 63 und entwickeln die Sache dann weiter.

 

PZ: Ist das ein Nachteil?

 

Schmidt: Kann sein, muss aber nicht. Wir gestalten den Modellversuch auf jeden Fall so, dass alle interessierten Kassen mitmachen können. Damit erreichen wir die nötige Flächendeckung und die Bedingungen für die Evaluation werden erfüllt.

 

PZ: Ist damit eine Erprobung nach Paragraf 64 endgültig vom Tisch?

 

Schmidt: Nein, keineswegs. Die Bedenken unserer Partner auf der Kassenseite richteten sich ja nicht gegen die Inhalte des Modells, die in Paragraf 64a beschrieben werden, sondern gegen bestimmte formelle Aspekte. Wir stellen uns so eine Art schrittweise Überführung in den Paragrafen 64a vor, das ist wichtig für die spätere Übernahme der neuen Leistungen in die Regel­versorgung.

 

PZ: Die Zurückhaltung der Krankenkassen gegenüber dem ABDA-KBV-Modell ist noch groß. Wie wollen Sie dies ändern?

 

Schmidt: Wie gesagt, die Kassen haben eigentlich keine inhaltlichen, sondern eher formale Bedenken, zumindest ist das mein Eindruck. Wenn wir mit der AOK Plus jetzt eine beispielhaft gute Vertragslösung hinbekommen, und davon bin ich eigentlich überzeugt, dann öffnet sich der Weg zur Teilnahme für alle anderen Kassen. Interessenten gibt es eine ganze Reihe, denn das Problembewusstsein ist ja bei allen Kassen in den letzten Monaten enorm gewachsen. Dazu hat übrigens die Debatte um unser Modellvorhaben einen entscheidenden Beitrag geleistet. Insofern haben ABDA und KBV allein damit, dass sie das Thema gesetzt und einen Lösungsvorschlag gemacht haben, die Diskussion um diesen Aspekt der Versorgungsqualität einen großen Schritt vorangebracht. Jetzt werden wir zeigen, dass unser Lösungsansatz ziel­führend und erfolgreich umgesetzt werden kann.

 

PZ: Rechnen Sie damit, dass andere Regionen noch während der Erprobung in Sachsen und Thüringen hinzu­kommen?

 

Schmidt: Wir konzentrieren uns jetzt mal ausschließlich auf diese Region. Unsere Möglichkeiten sind naturgemäß begrenzt und auch die Politik will ja einen regionalen Modellversuch. Wenn in anderen Regionen ähnliche Versuche gestartet werden sollten, würde uns das freuen, schließlich haben wir kein Monopol auf diese Idee. Vielleicht lernen wir ja auch etwas aus verschiedenen Ansätzen. Natürlich interessieren uns nur Projekte, in denen Ärzte, Apotheker und Kassen als gleichberechtigte Partner zusammenarbeiten, zu anderen Konzepten gibt es ja schon ausreichend negative Erfahrungen. /


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Beitrag erschienen in Ausgabe 27/2012

 

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