EU: Streit um medizinische Versorgung Patienten in der Europäischen Union sollen künftig in allen Mitgliedstaaten gleichwertig medizinisch versorgt werden. Dieses gemeinsame Ziel betonten die Gesundheitsminister der 27 EU-Staaten am Dienstag in Brüssel, stritten zugleich aber über Einzelheiten der geplanten Regelung. Die meisten EU-Staaten sehen ihre nationalen Kompetenzen bedroht. Sie fordern Änderungen am Gesetzesentwurf der EU-Kommission, der die Patientenrechte bei einer Behandlung im europäischen Ausland klarer regeln soll. So verlangen die meisten Länder, dass Krankenhausbehandlungen in einem anderen EU-Staat vorab genehmigt werden müssen. Viele EU-Staaten argwöhnen zudem, dass unterschiedliche Therapien und Kosten zu einem Patientenansturm in bestimmten Ländern führen könnten. Besonders die Inselstaaten und EU-Länder mit vielen Touristen befürchten, ihre eigenen Bürger nicht mehr versorgen zu können. «Wir haben fünfmal mehr Touristen als Einwohner», sagte der zyprische Vertreter George Chacalli. Zypern habe weder das Geld noch das Personal viel mehr als die eigenen Patienten zu versorgen.
Die Minister berieten auch über gemeinsame Qualitätsstandards bei der medizinischen Versorgung. Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt kritisierte in Brüssel, dass Patienten in Osteuropa häufig nicht in den Genuss einer fortschrittlichen medizinischen Versorgung kommen. «In manchen osteuropäischen Ländern muss die pharmazeutische Industrie mehr tun, damit die Menschen dort mehr Zugang zu innovativen Arzneimitteln haben», betonte sie.