Statine: Nutzen in der Primärprophylaxe fraglich Statine sollten nicht zur Vorbeugung von Herzproblemen in der breiten Bevölkerung eingesetzt werden. Zu diesem Schluss kommen britische Wissenschaftler in einem neuen Cochrane-Review. Bei Menschen mit einem geringen Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse und ohne Herzkrankheiten in der Vorgeschichte sollten Ärzte Statine nur mit Vorsicht verschreiben, empfehlen die Autoren. Daraus folgt, dass nicht jeder Mensch mit erhöhten Blutfettwerten behandelt werden sollte.
Die Wissenschaftler werteten die Daten aus 14 randomisierten klinischen Studien mit insgesamt 34 272 Patienten aus. Die Behandlung dauerte mindestens ein Jahr plus mindestens sechs Monate Nachbeobachtung. Die Gesamtmortalität, die Rate nicht tödlicher Herzinfarkte und Schlaganfälle sowie das Vorkommen koronarer Herzerkrankungen sanken unter Statin-Therapie, genau wie die Blutspiegel von Gesamt- und LDL-Cholesterol. Ein erhöhtes Krebsrisiko war nicht zu beobachten.
Eine genauere Auswertung von acht Studien, bei denen die Gesamtmortalität angegeben war, zeigte eine Verminderung der Todesrate von neun auf acht Fälle je 1000 mit Statinen behandelten Patienten pro Jahr. Allerdings hatten nur 10 Prozent oder weniger der Probanden kein kardiovaskuläres Ereignis in der Vorgeschichte. Die Wissenschaftler beklagen, dass fast alle Studien von den Herstellern finanziert worden waren. Sie fanden Hinweise auf unklare und voreingenommene Angaben, zum Beispiel die verstärkte Angabe positiver Wirkungen der Statine oder das Verschweigen von Nebenwirkungen.
Bei Herzpatienten gehörten die Cholesterol-senkenden Statine zweifelsohne zur ersten Therapiereihe, so das Resümee der Autoren. Ein breiter Einsatz zur Primärprophylaxe sei anhand der vorliegenden Daten jedoch zu hinterfragen. (db)