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NACHRICHTEN-ARCHIV
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Seuchen: Deutschlands größte Isolierstation

In Berlin hat die größte deutsche Isolierstation mit 20 Betten nach fünfjähriger Renovierung auf dem modernsten Stand der Technik wiedereröffnet. Die Ärzte und das Pflegepersonal sehen aus wie kurz vor dem Start ins Weltall: In unförmigen blauen Schutzanzügen, ausgerüstet mit Helm, Handschuhen und eigener Luftversorgung, treten sie ans Krankenbett. Alles andere wäre lebensgefährlich auf einer Seuchenstation, in die Patienten mit Verdacht auf hoch ansteckende Krankheiten wie SARS, Ebola, dem Marburg-Virus-Fieber oder Lungenpest kommen.
Aus gesundheitspolitischer Verantwortung sei diese Station enorm wichtig, betonte Berlins Gesundheitssenatorin Katrin Lompscher (Linke). 11,3 Millionen Euro war dem Land die grundlegende Sanierung wert – nicht ganz zufällig. Als im Jahr 2001 ein Patient mit dem Verdacht auf Ebola eingeliefert wurde, offenbarte sich, wie marode die Isolierstation war. Es gab nicht nur verrostete Leitungen und veraltete Lüftungstechnik. Patienten konnten ohne Ansteckungsgefahr nicht behandelt werden. Noch nicht einmal eine Beatmung war möglich. «Wir konnten nur die Bevölkerung schützen, die Patienten blieben sich selbst überlassen», erinnert sich der ärztliche Leiter Frank Bergmann.
Das hat sich nun gründlich geändert. In ihren Schutzanzügen können Ärzte und Pflegepersonal sogar operieren. Wobei die Hoffnung auf Rettung manchmal nicht sehr hoch ist. In Isolierstationen kommen vor allem Menschen mit hoch infektiösen Krankheiten, gegen die es kein Heilmittel gibt. In Deutschland gibt es insgesamt acht Behandlungszentren bei Seuchengefahr. Neben Berlin gibt es kleinere Stationen in Hamburg, Saarbrücken, Frankfurt (Main), Stuttgart, Würzburg, München und Leipzig. Die Planer machen sich aber wenig Illusionen. Wenn es nicht sofort gelingt, eine tödliche Seuche aufzuhalten, helfen solche Isolierstationen auch nichts mehr.
Die Berliner Station liegt ganz bewusst in großem Abstand zum Klinik-Gelände und kann im Notfall komplett abgeriegelt werden. Auch Patienten haben dann keine Chance, herauszukommen. Die Glasfenster der Krankenzimmer sind gesichert, es gibt Überwachungskameras. Damit kein Keim nach außen dringt, laufen auch die Wasser- und Müllentsorgung separat. Zahlreiche Schleusen sichern Wege ab. Im Grundriss der Station ist auch ein eigener Leichenkühlraum eingezeichnet.
Der Notfall wird im Virchow-Klinikum nun regelmäßig trainiert. Ärzte schaffen es, in zehn Minuten ihren Schutzanzug anzulegen. Die Charité sieht die Hauptstadt mit dieser Isolierstation nun gut gerüstet. Die heutige Uniklink kehre damit zu ihren Wurzeln zurück, betonte der ärztliche Direktor Ulrich Frei. Denn vor 300 Jahren entstand die Charité als Quarantäne-Haus aus Angst vor der Pest. Die Pest kam nicht nach Berlin. Senatorin Lompscher hofft, dass auch die sanierte Isolierstation möglichst nie gebraucht wird.
09.12.2010 l PZ/dpa
Foto: Fotolia/Casais
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