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Unternehmensphilosophie: »Homöopathie ist Erfahrungsmedizin«

WIRTSCHAFT

 
Unternehmensphilosophie

»Homöopathie ist Erfahrungsmedizin«


Von Kerstin Gräfe / Die Deutsche Homöopathie-Union (DHU) ist einer der größten Hersteller homöopathischer Arzneimittel. Im Interview mit der Pharmazeutischen Zeitung spricht DHU- Geschäftsführer Franz Stempfle über den Erfolg der Homöopathie und erklärt, warum sein Unternehmen neben moderner Produktionstechnik auf traditionelle Handarbeit setzt.

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PZ: Die Deutsche Homöopathie- Union (DHU) hat rund 500 Mitarbeiter und kommt auf einen Jahresumsatz von etwa 100 Millionen Euro. Wie erklären Sie sich den Erfolg Ihres Unternehmens?

 

Stempfle: In der Bevölkerung besteht ein großes Bedürfnis nach verträglichen Arzneimitteln auf natürlicher Basis. Bereits die Hälfte der erwachsenen Deutschen wendet Homöopathika an, zu denen auch unsere DHU Schüßler-Salze gehören. Die DHU bietet ein breites Sortiment dieser Mittel und blickt auf eine 145-jährige Tradition. Wir sind sehr froh, dass die Homöopathie heute immer mehr gleichberechtigt zur Schulmedizin gesehen wird.

 

PZ: Wie viele Ausgangsstoffe werden derzeit bei der DHU in der Regel verarbeitet und welches Lieferspektrum ergibt sich daraus?

 

Stempfle: Apotheker, Ärzte und Patienten erwarten von der DHU, dass wir quasi jedes anerkannte homöopathische Mittel herstellen und liefern können. Wir verarbeiten 1400 verschiedene Grundstoffe, haben 13 000 Produkte ständig auf Lager und stellen 75 000 Sonderanfertigungen pro Jahr her. Das ist ein großer personeller und logistischer Aufwand. Das gesamte Lieferspektrum, also alle Grundstoffe, Darreichungsformen und Packungsgrößen zusammen summieren sich auf 420 000 Fertigarzneimittel.

 

PZ: Bei den Homöopathika dominiert die Selbstmedikation. Welches sind die homöopathischen »Blockbuster«, und welches ist die bevorzugte Darreichungsform?

 

Stempfle: Bei den Einzelmitteln sind das, um nur einige zu nennen, Aconitum, Arnica, Belladonna, Bryonia, Chamomilla, Nux vomica, Okoubaka und Pulsatilla. Bei den Kombinationspräparaten ist es das Heuschnupfenmittel DHU, bei den DHU Schüßler-Salzen führt die Nummer 7, Mag­nesium phosphoricum D6, die Hit­liste an. Die beliebteste Darreichungsform bei den homöopathischen Einzelmitteln ist mit Abstand das Streukügelchen, auch als Globulus beziehungsweise Globuli bekannt. Davon stellen wir fast 13 Milliarden Stück im Jahr her.

 

PZ: Die Produktionsanlagen laufen GMP-gerecht und sind hochmodern. Doch die Verschüttelung der flüssigen Arzneiformen wird tatsächlich noch per Hand von DHU-Mitarbeitern vorgenommen. Warum setzt das Unternehmen hier auf traditionelle Handarbeit?

 

Stempfle: Der Grund dafür ist ganz einfach: Der deutsche Markt, das heißt die Therapeuten, erwarten dies von uns. In der Vergangenheit wurde unsere Herstellung per Hand unverständlicherweise manchmal angezweifelt. Ich kann Ihnen aber versichern, dass wir bei der DHU ohne eine einzige Ausnahme von Hand potenzieren.

 

PZ: So alt wie die Homöopathie selbst ist auch die Kritik an der Methode. So bezweifeln Kritiker die Annahme, dass die »Information« der Ausgangssubstanz beim Verschütteln irgendwie auf das Wasser übertragen wird. Wie tritt das Unternehmen diesen Skeptikern entgegen?

 

Stempfle: Millionen Patienten haben die heilende und lindernde Fähigkeit der homöopathischen Arzneimittel schon erfahren. Die erlebbare Wirksamkeit ist für diese Patienten das Allerwichtigste – für mich übrigens auch. Homöopathie ist Erfahrungsmedizin. Doch auch wenn man Homöopathika wissenschaftlich auf den Prüfstand stellt, schneiden sie viel besser ab als man gemeinhin erwartet. Voraussetzung ist allerdings, dass man sich mit den vielen und teilweise sehr guten Studien beschäftigt und keine Vorurteile hat.

 

PZ: Das zweite Standbein des Unternehmens ist die Biochemie nach Dr. Schüßler. Seit wann sind die Salze im Programm und wie verträgt sich das Image Homöopathie mit der Biochemie unter einem Dach?

 

Stempfle: Wir sprechen schon lange nur noch von Schüßler-Salzen und nicht mehr von Biochemie, um die Menschen nicht zu verwirren. Sowohl die Homöopathie als auch die Schüßler-Salze haben eine lange Tradition, sodass beide Therapierichtungen sehr gut unter das DHU-Dach passen. Die Schüßler-Salze sind bei uns seit 1873 im Programm, also so lange wie bei keinem anderen Hersteller. Damit haben wir die längste Erfahrung in diesem Bereich. Auch bei der Wiederbelebung der Methode vor gut zehn Jahren war die DHU die treibende Kraft und der eigentliche Impulsgeber.

 

PZ: Wie unterstützen Sie das Apothekenpersonal hinsichtlich der Beratung Ihrer Produkte?

 

Stempfle: Unser deutschlandweiter Apotheken-Außendienst informiert über Serviceangebote wie Schulungen des Apothekenpersonals, unterstützt bei gemeinsamen Kundenveranstaltungen und stellt aktuelle Produktschwerpunkte vor. Das Angebot schließt auch saisonal wechselnde Materialien für das Schaufenster, den HV-Tisch oder die Apotheke insgesamt mit ein. Darüber hinaus gibt es unsere Zeitschrift »Gesund durch Homöopathie«, die Apotheker neben weiteren Broschüren für ihre Kunden bei uns bestellen können.

 

PZ: Wie positioniert sich die DHU im europäischen Markt, und welche Ziele verfolgt das Unternehmen hier?

 

Stempfle: Die DHU hat sich in den vergangenen 50 Jahren zu einem modernen mittelständischen Unternehmen mit internationalem Anspruch entwickelt. Die Erfahrung zeigt, dass sich Menschen weltweit eine Medizin wünschen, die wirksam ist, ohne den Organismus zu belasten. So steigt auch das Interesse an natürlichen Heilmethoden stetig, wobei sich die homöopathischen Traditionen von Land zu Land unterscheiden. In den Niederlanden zum Beispiel behandelt fast die Hälfte der Ärzte auch homöopathisch. Andere Länder wie Schweden haben gegenüber der Homöopathie gewisse Vorbehalte. In Ländern ohne homöopathische Tradi­tion fehlt meist eine angemessene gesetzliche Vorgabe, um diese Arzneimittel zulassen zu können. Das Ziel ist es heute, die Internationalisierung stetig und mit Erfolg voranzutreiben, indem künftig weiterhin die nötigen Investitionen durchgeführt werden, um alle Anforderungen des anspruchsvollen Arzneimittelmarktes erfüllen zu können. /


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Beitrag erschienen in Ausgabe 17/2012

 

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