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In-vitro-Maturation: Reife Eizellen aus der Petrischale

MEDIZIN

 
In-vitro-Maturation

Reife Eizellen aus der Petrischale


Von Maria Pues, Mannheim / Nicht alle Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch verkraften die im Rahmen einer künstlichen Befruchtung notwendige Hormonbehandlung. Für sie stellt die In-vitro-Maturation eine Alternative dar.

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»Die In-vitro-Maturation (IVM) ist eine vergleichsweise neue Methode für spezielle Patientinnengruppen«, sagte Professor Dr. Thomas Strowitzki, Direktor der Abteilung Endokrinologie und Fertilitätsstörungen am Universitätsklinikum Heidelberg, beim Symposium der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie in Mannheim. Die IVM kann und soll bisherige Verfahren nicht ersetzen, sondern ergänzen. Sie soll Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch helfen, bei denen das klassische Verfahren der In-vitro-Fertilisation (IVF) aufgrund zu großer Risiken nicht durchgeführt werden kann.

 

Risikofaktor Polyzystisches Ovarialsyndrom

 

Zu diesen Patientinnengruppen gehören Frauen, die an einem Polyzystischen Ovarialsyndrom (PCOS) leiden. Dieses geht häufig mit Zyklusanomalien und Unfruchtbarkeit einher. Bei den betroffenen Frauen bilden sich gleichzeitig viele Eibläschen, die aber nicht immer reife Eizellen enthalten. Das PCOS stellt in Europa eine der häufigsten stoffwechselbedingten Störungen von Frauen dar. Experten schätzen, dass zwischen 4 und 12 Prozent der gebärfähigen Frauen betroffen sind. Dabei gibt es regionale Unterschiede: Im Mittelmeerraum liegt die Rate eher höher, in Skandinavien niedriger.




Ein Baby zu bekommen, ist für viele Paare der größte Wunsch. Bleibt er unerfüllt, kann in einigen Fällen die In-vitro-Maturation helfen.

Foto: Fotolia/Heartfield


Nicht jede Frau mit PCOS ist auf eine künstliche Befruchtung angewiesen, um sich den Wunsch nach eigenen Kindern zu erfüllen. Ein Teil von ihnen kann spontan schwanger werden. Ist eine IVF notwendig, so ist jedoch gerade bei ihnen durch die notwendige Hormonstimulation das Risiko für ein Ovarielles Hyperstimulationssyndrom (OHSS) erhöht, da diese die ohnehin vorliegende Überproduktion von Eibläschen zusätzlich anregt. Das OHSS geht unter anderem mit Bauchschmerzen, Gewichtszunahme, Übelkeit und in schweren Fällen mit Atemnot einher. Auch bei Frauen, die bei einer früheren IVF an einem OHSS gelitten haben, ist das Risiko erhöht.

 

Bei der klassischen Form der IVF reift durch die Hormonbehandlung eine ausreichende Zahl von Eibläschen in den Eierstöcken heran, diese werden abpunktiert, befruchtet und zum Teil wieder eingesetzt. Die IVM geht einen anderen Weg: Hier kommt eine kurze und niedrig dosierte Hormonstimula­tion zum Einsatz, was das Risiko für ein OHSS minimiert. In manchen Fällen könne sogar ganz auf sie verzichtet werden, so Strowitzki. Die Eibläschen werden in noch unreifem Stadium abpunktiert, dann lässt man sie in einer Petrischale mit Nährlösung 24 Stunden nachreifen – ein Vorgang, dessen physiologische Variante fünf bis sechs Tage in Anspruch nimmt. Das weitere Vorgehen entspricht dem der IVF. »Ein weiteres Ziel der IVM ist es, die Zahl der transferierten Eizellen zu reduzieren, um das Risiko für Mehrlingsschwangerschaften zu vermindern«, erläuterte Strowitzki

 

Der entscheidende Nachteil der IVM gegenüber der IVF liegt in den vergleichsweise geringen Schwangerschaftsraten, die sich zwischen 17 und 24 Prozent pro Zyklus bewegen. In Heidelberg führten die ersten 177 Behandlungen zu 27 Schwangerschaften, von denen 13 erfolgreich ausgetragen wurden. Inzwischen wurden laut Strowitzki rund 250 Behandlungen durchgeführt.

 

Fehlbildungsrisiko wird untersucht

 

Ob die Reifung der Eizellen in der Petrischale möglicherweise das Risiko für Fehlbildungen erhöht, ist derzeit Gegenstand von Studien. Eine erhöhte Zahl chromosomaler Aberrationen konnte bisher nicht festgestellt werden. Denkbare Imprintingveränderungen werden zurzeit im Rahmen eines Forschungsprojektes an der Universität Heidelberg untersucht.

 

Sieben Kinder wurden hier außerdem bis nach ihrem zweiten Geburtstag nachbeobachtet und untersucht. Dabei zeigten sich keine Auffälligkeiten. Verschiedene Studien konnten wie in Heidelberg bisher weder eine erhöhte Fehlbildungsrate noch Unterschiede in der mentalen Entwicklung der Kinder feststellen. Ab dem Alter von zwei Jahren verläuft die neurophysiologische Entwicklung nach IVM unauffällig, wie frühere Studien ergeben haben. / 


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Beitrag erschienen in Ausgabe 16/2012

 

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