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Kreuzfahrten: Gesund auf hoher See

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Kreuzfahrten

Gesund auf hoher See


Von Sarah Lena Grahn, Berlin / Kreuzfahrten sind so beliebt wie nie. Gerade ältere Menschen, chronisch Kranke oder Schwangere fühlen sich gut aufgehoben: Der Arzt ist ja an Bord. Experten warnen jedoch davor, völlig unvorbereitet in See zu stechen. Passagiere sollten vor Reiseantritt einen Gesundheitscheck absolvieren und Impfungen auffrischen.

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Kein anderes Segment des Tourismusmarktes wächst so stark wie die Kreuzfahrtreisen. Nach Angaben des Deutschen Reiseverbands (DRV) hat sich die Zahl der Passagiere allein bei Fahrten auf den Weltmeeren zwischen 2000 und 2010 verdreifacht.




Einmal auf große (Kreuz-)Fahrt gehen ist für viele ein Traum. Damit kein Albtraum daraus wird, gehört eine gute Vorbereitung hinsichtlich der Gesundheit dazu.

Foto: Fotolia/Goinyk Volodymyr


Mit dem steigenden Interesse der Urlauber wachsen auch die Schiffe: Mehr als 5000 Passagiere und 2000 Besatzungsmitglieder können die größten unter ihnen inzwischen beherbergen. Doch auch bei einer lückenlosen Überwachung und bei exzellentem Hygienestandard durch die Reederei kann es zu Epidemien kommen.

 

Gefahr von Epidemien ist größer als an Land

 

Weil viele Menschen unterschied­li­cher Herkunft auf begrenztem Raum zu­sammentreffen, ist die Anste­ckungs­gefahr auf dem Schiff höher als an Land. »Meist werden Erreger von Landgängen oder durch neu zusteigende Passagiere eingeschleppt«, sagte der Wissenschaftliche Leiter des Centrums für Reisemedizin (CRM) Düsseldorf, Dr. Tomas Jelinek, bei einer Veranstaltung zur Vorbereitung der Internationalen Tourismus Börse (ITB) in Berlin.

 

Auf engem Raum verbreiteten sich gerade die hochansteckenden Norovirus-Infektionen besonders schnell. Oberste Priorität habe daher Hygiene, angefangen bei häufigem Hände­waschen.

 

Auf kleinen, einfacher ausgestatteten Schiffen, so etwa bei Nilkreuzfahrten, hätten Passagiere hingegen eher mit dem »klassischen«, durch keimbelastete Speisen und Getränke verursachten Reisedurchfall zu kämpfen, erläuterte Jelinek. Leitungswasser, rohe und ungeschälte Früchte, Gemüse und Salate ebenso wie offene Säfte und Eiscreme sollten gemieden werden. »Aber auch auf nicht durchgegarte Fleisch- und Fischgerichte sollte man besser verzichten«, empfahl der Wissenschaftler. Wegen des erhöhten Ansteckungsrisikos sollten Urlauber vor Beginn der Reise Impfungen auffrischen oder nachholen, so den Immunschutz gegen Masern oder Hepatitis A, riet Jelinek weiter. Da die Grippesaison je nach Weltregion unterschiedlich ausfalle, empfahl er chronisch Kranken und Senioren, sich auch gegen Influenza impfen zu lassen.

 

»Auch bei kurzfristigen Aufenthalten in Malariagebieten, zum Beispiel in Clubhotels an den Küsten Afrikas, sollten grundsätzlich Schutzmaßnahmen getroffen werden«, so der Wissenschaftler. Bei hohem Malariarisiko sei eine Chemoprophylaxe insbesondere während der Regenzeit oder bei Reisen mit eingeschränktem Moskitoschutz wichtig.

 

Vorab nach ärztlicher Versorgung an Bord fragen

 

Die Leiterin des Hamburg Port Health Center, Dr. Clara Schlaich, sieht bei der gesundheitlichen Vorbereitung der Passagiere Lernbedarf. »Ob und wie eine ärztliche Versorgung an Bord möglich ist, spielt bei der Buchungsentscheidung oftmals eine untergeordnete Rolle«, erläuterte die Hafenärztin. »Die Passagiere verlassen sich darauf, dass die Notfallversorgung an Bord – ebenso wie sie es vom Festland kennen – sichergestellt ist, und dass die Rettungskette von Bord an Land funktioniert, wenn es für sie darauf ankommt.« Wer eine Kreuzfahrt plane, werde sich jedoch intensiv mit Reiseroute, Landausflügen und Bordprogramm auseinandersetzen müssen – um dann selbst eine gesundheitliche »Eignungsuntersuchung« vornehmen zu können. Denn die existiere für Passagiere, anders als für Seeleute wie Kapitän, Stewart, Koch oder Entertainer, nicht.

 

Die Flagge ist entscheidend

 

Hinzu komme: Für Schiffe unter deutscher Flagge seien die Ausstattung der Hospitäler, die mitzuführenden Medikamente und auch die Qualifikation der Schiffsärzte genau vorgegeben. Ab einer Anzahl von 75 Reisenden müsse ein Mediziner an Bord sein. »Aber es fahren nur wenige Schiffe unter deutscher Flagge«, gab Schlaich zu bedenken. »Die meisten Flaggenstaaten haben keine speziellen gesetzlichen Regelungen für Kreuzfahrtschiffe.« Gerade Reisende mit gravierenden Vorerkrankungen sollten sich daher vorab mit dem Veranstalter in Verbindung setzen und klären, ob die Kreuzfahrt für sie geeignet ist.

 

Auch die Krankenkasse spiele bei der Vorbereitung eine wichtige Rolle: Fahre das Schiff einer deutschen Reederei unter italienischer Flagge, gelte die EU-Krankenkasse. Dieser Versicherungsschutz greife aber nicht, wenn das Schiff unter liberianischer Flagge fahre.

 

»Beim Versicherungsschutz müssen auch die Landgänge, beziehungsweise eventuelle Behandlungen an Land oder eine Rückführung bedacht werden«, sagte die Vorsitzende des Arbeitskreises der Küstenländer für Schiffshygiene Hamburg weiter. Patienten, die spezielle Medikamente wie Immun­suppressiva benötigten, könnten nicht davon ausgehen, dass sie diese an Bord erhalten. »Ausreichend Medikamente müssen mitgebracht werden.«

 

Medikamente mitbringen

 

Eines sollten sich Passagiere trotz luxuriöser Ausstattung an Bord immer bewusst machen: »Schiffshospitäler können nie die Leistungen eines Krankenhauses bieten«, sagte Schlaich.

 

Anlässlich der Internationalen Tourismus Börse in Berlin veranstaltet das Centrum für Reisemedizin seit 2000 jährlich das Forum Reisen und Gesundheit. Die Plattform soll beratenden Ärzten und Apothekern die Möglichkeit bieten, sich über aktuelle Themen und Trends zu informieren. In diesem Jahr steht am 9. und 10. März im ICC Berlin das Thema Reisen rund ums Meer im Mittelpunkt. /


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Beitrag erschienen in Ausgabe 10/2012

 

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