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Astragalus membranaceus: TCM-Pflanze gegen Allergie

PHARMAZIE

 
Astragalus membranaceus

TCM-Pflanze gegen Allergie


Von Brigitte M. Gensthaler, München / Der »mongolische Tragant« gehört zu den wichtigsten traditionellen chinesischen Heilpflanzen und gilt in China als potentes Stärkungsmittel. Ein Spezialextrakt aus den Wurzeln soll jetzt allergiegeplagten Menschen helfen. Im Handel ist er als ergänzende bilanzierte Diät.

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Tragant ist eine sehr weit verzweigte Pflanzengattung mit mehr als 2000 Arten. »Die in Asien beheimatete Unterart Astragalus membranaceus wird auch mongholicus genannt und gehört zu den Top-Ten-Pflanzen der traditionellen chinesischen Medizin (TCM)«, berichtete Professor Dr. Rudolf Bauer von der Karl-Franzens-Universität Graz bei einem von Weber & Weber unterstützten Pressegespräch. Die Wurzeln werden seit mehreren tausend Jahren als Kräftigungsmittel verwendet und sollen das Qi stimulieren. In der TCM werden der Heilpflanze auch Wirkungen auf Nieren- und Leberfunktionen, den Hormonhaushalt sowie den Kreislauf zugeschrieben. In China heißen die gelblich gefärbten Wurzeln »gelber Führer« oder »Huang Qi«.




Astragalus mongholicus ist sommergrün, die Blätter sind unpaarig gefiedert und wechselständig angeordnet. Die Schmetterlingsblüten sind gelb und in Trauben angeordnet.

Foto: Bauer


Ursprünglich stammt die Fabacee aus den nördlichen China und der Mongolei. Dank eines Forschungsprojekts der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft, Institut für Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung, in Freising gedeiht sie seit einigen Jahren auch in Bayern. Vor etwa zehn Jahren begannen die Forscher mit dem Anbau mehrerer TCM-Pflanzen. »Bei sieben bis acht Pflanzen war die Kultur erfolgreich«, berichtete der pharmazeutische Biologe. Die Pflanzen hätten eine sehr homogene Qualität.

 

Viel Arbeit steckten die Forscher in die Qualitätsprüfung und Standardisierung des Pflanzenmaterials. Zur Iden­titätsprüfung werden DNA-Analysen eingesetzt, die die Gensequenzen von A. membranaceus in der Vielfalt anderer Arten eindeutig erkennen. Das typische Inhaltsstoffmuster zeigt die Chromatografie. Inzwischen gibt es Monografien zu »Astragalus roots« im chinesischen und im europäischen Arzneibuch, die die Prüfung auf Identität, Reinhalt und Gehalt beinhalten. Mindestens 0,04 Prozent des Triterpenglykosids Astragalosid IV müssen mit HPLC nachweisbar sein.

 

Als wichtigste Inhaltsstoffklassen nannte Bauer komplex aufgebaute Polysaccharide, Triterpensaponine wie die Astragaloside I bis VIII, Isoflavonoide, Aminosäuren, Fettsäuren und Mineralstoffe. Deren Menge schwankt saisonal, wobei die höchsten Gehalte im September und Oktober gemessen wurden. Dann ist Erntezeit.

 

Die pharmakologischen Effekte der Inhaltsstoffe sind laut Bauer in vitro und im Tiermodell gut untersucht. Die Polysaccharide modulieren das Immunsystem und aktivieren Makrophagen. Für die Triterpensaponine wurden immunmodulierende, antientzündliche und antiasthmatische Effekte nachgewiesen. Die Isoflavonoide wirken antientzündlich und hämatopoetisch über eine vermehrte Expression von Erythropoietin. Vor allem die polaren Inhaltsstoffe wie Polysaccharide, Flavon- und Triterpenglykoside sind im Spezialextrakt enthalten, der als ergänzende bilanzierte Diät vertrieben wird (Allvent®, in Österreich Lectranal®). Eine Kapsel enthält 80 mg Extrakt.

 

Vorbeugend einnehmen

 

Dieser soll in den allergischen Prozess eingreifen, indem er die überschießende TH2-Immunantwort zugunsten der TH1-Helferzellen in Schach hält. Damit steigt die Produktion von Immunglobulin G, während die Freisetzung von Histamin sinkt. Dass dies die Symptome der allergischen Rhinitis mildert, zeigte eine sechswöchige placebokon­trollierte Studie mit 48 Patienten. Bei neun von zehn Personen gingen die Nasenbeschwerden deutlich zurück.

 

Der Extrakt sollte schon vorbeugend eingesetzt werden, empfahl Dr. Hartmut Dorstewitz, Dozent für Biologische Medizin an der Universität Mailand. Vier bis sechs Wochen vor dem vermutlichen Beginn der Allergiebeschwerden soll der Betroffene mit der Einnahme beginnen (zweimal täglich eine Kapsel) und dies während der Pollenflugzeit beibehalten. Treten Symptome auf, soll die Verzehrsmenge verdoppelt werden, riet der Arzt. / 


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Beitrag erschienen in Ausgabe 10/2012

 

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