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Weltapothekerorganisation: FIP plant Jubiläumskongress

POLITIK

 
Weltapothekerorganisation

FIP plant Jubiläumskongress


Von Daniel Rücker / Die Fédération Internationale Pharmaceutique (FIP) wird in diesem Jahr 100 Jahre alt. Mit einem besonderen Kongress in Amsterdam begeht die Organisation den runden Geburtstag. Die Veranstalter wünschen sich viele Teilnehmer aus der benachbarten Bundesrepublik.

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PZ: Der jährliche Kongress der Weltapothekerorganisation FIP wird sich in diesem Jahr von seinen Vorgängern unterscheiden. Worum geht es bei diesem besonderen Weltkongress der Pharmazie?

 

Schulz: Das Jubiläum ist in der Tat Anlass für ein außergewöhnliches Kongressprogramm vom 3. bis 8. Oktober in Amsterdam. So wird es auch, auf Einladung des holländischen Gesundheitsministeriums, ein Gipfeltreffen zahlreicher Gesundheitsminister geben. Das Fortbildungsprogramm ist deutlich umfangreicher als in den Vorjahren; das Medieninteresse dürfte sehr groß sein. Und natürlich rechnen wir auch mit mehr Teilnehmern: Wir erwarten mehr als 3000 Apothekerinnen und Apotheker aus der ganzen Welt.




Ein Wahrzeichen Amsterdams ist das Schloss. Anfang Oktober findet in der niederländischen Hauptstadt der Jubiläumskongress der Weltapothekerorganisation FIP statt. Die Veranstalter erwarten mehr als 3000 Apotheker aus den FIP-Mitgliedsstaaten.

Foto: picture-alliance


PZ: Welche Aufgaben hat die FIP?

 

Graf: Die FIP sieht ihre Aufgabe darin, die pharmazeutische Wissenschaft und Praxis zu stärken. Sie will vor allem pharmazeutische Dienstleistungen fördern und den Apotheker weltweit als Partner der Ärzte und Krankenschwestern verankern und ihn weniger im Bereich der Logistik angesiedelt sehen. Sie sieht es als ihre Aufgabe an, den Apothekern in der Welt politisch deutlich mehr Gehör zu verschaffen und den Nutzen pharmazeutischer Interventionen sichtbar zu machen. Dazu schafft sie eine Plattform wie den jährlichen Kongress, damit neue Ideen, Trends und Studienergebnisse ausgetauscht werden können und man voneinander lernen kann.

 

PZ: Die Apothekensysteme unterscheiden sich weltweit. Wie kann die FIP unter diesen Bedingungen allen ihren Mitgliedern gerecht werden?

 

Graf: Sie haben recht. Die Apothekensysteme könnten nicht unterschiedlicher sein! Aber die FIP konzentriert sich auf ein modernes Berufsbild. Sie möchte den Apotheker im Zentrum sehen, sei er nun in der Offizin tätig, im Krankenhaus, in Wissenschaft, Industrie, Verwaltung oder im militärischen Sektor. Dazu arbeitet sie eng mit der Weltgesundheitsorganisation zusammen, mit der Welt-Ärzteorganisation »WMA«, die der pharmazeutischen Profession im übrigen deutlich aufgeschlossener gegenübersteht als so manche national organisierte Ärzteschaft und andere Partner im Gesundheitswesen. Sie verabschiedet Standards, Leitlinien, ethische Codices und gemeinsame Resolutionen, die als dringender Appell an die politisch Verantwortlichen verstanden werden sollen. Ich denke, der Benefit der einzelnen Länder in jeder Hinsicht ist ganz beträchtlich!

 

PZ: Ist der Kongress eine wissenschaftliche oder eine berufspolitische Veranstaltung?

 

Schulz: Beides; gerade dies macht die FIP-Kongresse und speziell den Kongress im Oktober zum 100-jährigen Bestehen der FIP in Amsterdam besonders und einzigartig.

 

PZ: An wen wendet sich der Kongress?

 

Schulz: Im Prinzip an alle Apothekerinnen und Apotheker. An erster Stelle stehen sicher die Offizinapotheker, aber auch Krankenhausapotheker, Apotheker aus Industrie, Wissenschaft, Verbänden und Verwaltung, Bundeswehrapotheker sowie Pharmaziehistoriker finden für sie wichtige Themen. Das gilt auch für Pharmazeuten im Praktikum und Pharmaziestudierende.

 

PZ: Sie haben das Programm bereits angesprochen. Welche Themen sind geplant?

 

Schulz: Das Hauptthema des Kongresses lautet: »Improving Health Through Responsible Medicines Use«, also »Verbesserung der Gesundheit durch verantwortungsvollen Arzneimittelgebrauch«. Es geht somit um die zukünftige Rolle der Apotheker. Wir werden mehr Verantwortung übernehmen müssen; dafür, dass die Menschen mit den richtigen Arzneimitteln versorgt werden und sie diese korrekt, das heißt sicher und effektiv anwenden. Dies ist unsere zentrale Zukunftsaufgabe.

 

Es geht beim FIP-Kongress auch um die Zusammenarbeit mit anderen Gesundheitsberufen, denn eine optimale Arzneimitteltherapie ist immer Teamwork. Dabei haben wir Apotheker eine Schlüsselrolle. Wir müssen uns um alle Facetten der Arzneimittelversorgung kümmern: Arzneimittelsicherheit, Lieferkette, wirtschaftliche Aspekte und Arzneimitteltherapiesicherheit inklusive der korrekten Anwendung durch den Patienten. Das vollständige, allerdings noch vorläufige Programm finden Interessierte unter www.fip.org/amsterdam2012/Amsterdam/2041/Programme.

 

PZ: Welche Veranstaltungen sind für Offizinapotheker besonders interessant?

 

Schulz: Fachlich oder unterhaltend?

 

PZ: Beides.

 

Schulz: Bei den Fachsymposien sollten Apotheker vor allem die Themen »Compliance – Patienten helfen, ihre Medikamente richtig einzunehmen« (Adherence – helping patients take their medicines properly) und »Das Gesundheitsteam der Zukunft – (The healthcare team of the future – how can we make an impact) nicht verpassen. In der ersten Session des letztgenannten Themas geht es um die Arzt/Apotheker-Kooperation (Improving patient outcomes through collaborative practice).

 

Genauso wichtig ist das Themen­gebiet »Zukunft der Gesundheitsökonomie« (The future of healthcare economy – will we shape it or will it shape us?). Hier geht es auch um die zukünftige Honorierung der apothekerlichen Leistungen – ein Thema, das derzeit bei den deutschen Apothekern ganz oben auf der Agenda steht. Zusätzlich gibt es spezielle Symposien sowie Kurzvorträge und Posterpräsentationen speziell für die verschiedenen Bereiche Offizin, Krankenhaus, Industrie und so weiter.

 

Zu einem so bedeutenden Kongress gehört auch ein angemessenes Rahmenprogramm. Ich gehe fest davon aus, dass schon die Eröffnungszeremonie am 4. Oktober 2012 im Auditorium des Amsterdamer Kongresszentrums RAI beeindruckend sein wird. Für den 8. Oktober ist dann das »Jahrhundert Gala Dinner« geplant. Das vollständige Rahmenprogramm steht unter der oben genannten Adresse im Internet.

 

PZ: Was hat ein Apotheker von der Kongressteilnahme?

 

Schulz: Unter anderem Antworten auf die Fragen: Welche vielversprechenden Entwicklungen in der Pharmazie gibt es in anderen Ländern? Welchen He­rausforderungen müssen sich Kollegen in den verschiedenen Ländern stellen? Was sind die relevanten Visionen für die öffentliche Apotheke? Wie kann die Apotheke bei der Betreuung von Patienten einen signifikanten Beitrag leisten? Wie werden und wie sollten Apotheken honoriert werden? Hervorzuheben ist die wirklich einmalige Gelegenheit, sich auch zu diesen Fragen mit Kolleginnen und Kollegen nicht nur am Rande der Vorträge sondern vor allem in der Posterausstellung intensiv auszutauschen. Erfahrungen aus anderen Ländern sind nicht immer eins zu eins auf Deutschland zu übertragen, weil sich die Systeme der Arzneimittelversorgung von Land zu Land unterscheiden. Es sind aber immer Anregungen, über die es sich lohnt nachzudenken, ob und wie sie auf das eigene Land, die eigene Praxis zu übertragen sind. Das ist extrem spannend. Für Erstteilnehmer und junge Pharmazeuten unter 35 Jahren gibt es zudem eine Reihe von speziellen Angeboten. Informationen dazu gibt es unter www.fip.org/amsterdam2012/Amsterdam/2241/SPECIAL!_First_Timers_and_Young_Pharmacists.

 

PZ: Frau Graf, als Mitglied der Sektion der Offizinapotheker CPS nehmen sie regelmäßig an den FIP-Kongressen teil. Inwieweit nützt Ihnen die Veranstaltung auch für die Arbeit in der Apotheke?

 

Graf: Wie schon gesagt: Von den Best-practice-Beispielen aus anderen Ländern kann man viel lernen. Die Posterpräsentation zur Pharmazeutischen Betreuung aus allen Ländern ist zum Beispiel so ein Höhepunkt. Hier werden kurz und zum Teil sehr praxisnah kleinere Projekte aus Apotheken und Krankenhausapotheken beschrieben. Dazu stehen die Autoren auch noch Rede und Antwort. Das inspiriert sehr und hilft Ihnen im täglichen Alltag, neue Konzepte der Kundenbindung in ihre Apotheke zu implementieren, ohne ganz von vorne beginnen zu müssen.

 

PZ: Der FIP-Kongress ist ein internationaler Kongress. Wie gut sollte man als Teilnehmer Englisch können?

 

Schulz: Man sollte schon ein gutes Hörverständnis haben. Das Fachenglisch ist aber auch ohne intensive Vorkenntnisse zu bewältigen. Ob eine Simultanübersetzung ins Deutsche angeboten wird, hängt von der Anzahl der Teilnehmer aus Deutschland ab und steht daher derzeit noch nicht fest.

 

PZ: Bis wann sollten sich Apotheker, die sich für die Teilnahmen am FIP-Kongress interessieren, anmelden?

 

Schulz: Am besten vor dem 15. Juni. Nichtmitglieder der FIP können dies unter www.eventure-online.com/eventure/personalData.do tun.

 

PZ: Was kostet die Teilnahme?

 

Schulz: Bis zum 15. Juni zahlen FIP-Mitglieder 714 Euro und Nicht-Mitglieder 1011,50 Euro für die gesamte Veranstaltung, jeweils inklusive 19 Prozent Mehrwertsteuer. Danach oder vor Ort liegen die Preise höher. Studenten und Begleitpersonen bekommen Ermäßigung.

 

PZ: Die ABDA ist eine wichtige Mitgliedsorganisation der FIP. Welche Rolle spielt sie bei dem Kongress?

 

Schulz: Im höchsten Entscheidungsgremium der FIP, dem Council, ist die ABDA eine der weltweit fünf größten Mitgliedsorganisationen. Stimmberechtigter Vertreter dort für die ABDA-ist der Präsident, Heinz-Günter Wolf. Karin Graf ist Vorstandsmitglied der Sektion der Offizinapotheker (CPS). Ich hatte und habe die Ehre als Co-Vorsitzender des FIP Centennial Programme Committee (CPC) den Kongress inhaltlich mitgestalten zu dürfen. Der Kongress ist übrigens von der Bundesapothekerkammer (BAK) als Fortbildung akkreditiert. /


Zu den Personen

Karin Graf ist Vertreterin der Angestellten Apotheker im Geschäftsführenden Vorstand der ABDA Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände, Vizepräsidentin der Landesapothekerkammer Baden-Württemberg und Vorstandsmitglied der FIP-Sektion für Offizinapotheker.

 

Professor Dr. Martin Schulz ist Geschäftsführer Arzneimittel bei der ABDA, Leiter der Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheker, Geschäftsführer des Deutschen Arzneiprüfungsinstitutes und Leiter Zentrums für Arzneimmitelinforma­tion und pharmazeutische Praxis.


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Beitrag erschienen in Ausgabe 09/2012

 

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