Die Zeitschrift der deutschen Apotheker

 

Pharmazeutische Zeitung

 

PTA-Forum

 

PZ-Akademie

 

DAC/NRF

 

Aktive Demenz-Prävention: Erstaunliche Erfolge

NACHRICHTEN

 
Aktive Demenz-Prävention: Erstaunliche Erfolge
 


Der Ausbruch und Verlauf der Alzheimer-Krankheit lässt sich verzögern, wenn sich die Betroffenen intensiv geistig und körperlich im Alltag betätigen. «Wir müssen wegkommen vom Defizitmodell der Demenz und vorhandene Kompetenzen fördern und erhalten», forderte Professor Dr. Elmar Gräßel von der Psychiatrischen und Psychotherapeutischen Klinik der Universität Erlangen bei einem Symposium des BKK-Landesverbands Bayern am Donnerstag in München. Bereits vor Jahren hatten Studien gezeigt, dass regelmäßige geistige und körperliche Aktivität im Alltag das Auftreten von demenziellen Symptomen signifikant verzögern kann.

Wie groß der Nutzen einer multimodalen, nicht medikamentösen Therapie zur Sekundärprävention sein kann, habe die multizentrische randomisiert-kontrollierte MAKS-Studie gezeigt. Die Abkürzung «MAKS aktiv» steht für «motorische, alltagspraktische, kognitive und spirituelle Aktivierungstherapie für Menschen in Pflegeheimen, die von Gedächtnisstörungen betroffen sind». Zwölf Monate lang trainierten Menschen mit leichter bis mittelschwerer Alzheimer-Demenz sechsmal wöchentlich jeweils zwei Stunden in Kleingruppen zu je zehn Personen. Dabei standen beispielsweise Kegeln, Basteln und Handwerken ebenso auf dem Programm wie Singen und Erfahrungsaustausch, Essen herrichten und kognitives Training. Die Kombination aller Komponenten, regelmäßige Abwechslung und die individuelle Förderung an der jeweiligen Leistungsgrenze seien die besonderen Elemente des MAKS-Trainings, erklärte Gräßel. 

Der Erfolg war erstaunlich: «In der Therapiegruppe blieben die kognitiven und alltagspraktischen Fähigkeiten über zwölf Monate stabil, während sie in der Kontrollgruppe abnahmen.» Die Gesamtsymptomatik sei signifikant zurückgegangen, berichtete der Arzt. Zudem zeigte sich ein Trend zu weniger Stürzen. Wurde nur eine Therapiekomponente, zum Beispiel die Beschäftigungstherapie, angeboten, war die Wirksamkeit deutlich geringer. Im Klartext: Weniger sei besser als nichts, aber «ein wenig könnte zu wenig sein.» Regelmäßigkeit, Intensität und Multimodalität seien notwendig, damit die Prävention den größtmöglichen Nutzen hat.

Primärpräventiv ist es ebenso nützlich, die «großen Vier» zu vermeiden: Bluthochdruck, Diabetes mellitus, Fettstoffwechselstörungen und Rauchen. Diese seien Risikofaktoren nicht nur für vaskuläre, sondern auch für degenerative Demenzformen, betonte der Arzt. (bmg)

17.02.2012 l PZ
Foto: Fotolia/Monkey Business
 

 

Das könnte Sie auch interessieren

 

 

Weitere Nachrichten

 


Werben um Versicherte: Der Kassenkampf tobt

Krankenkassen gehen mit Apothekern nicht zimperlich um. Das wird keinen Apotheker verwundern. Die Apotheker sollten die Ruppigkeit der...



Gesundheitsminister für mehr Amts- und Hausärzte

Mit einer gezielten Nachwuchsgewinnung soll nach dem Willen der Gesundheitsminister von Bund und Ländern der öffentliche Gesundheitsdienst...



Plastikmüll: Apotheker rufen zum Verzicht auf Tüten auf

Deutschlands Apotheker wollen Kunststofftragetaschen nicht mehr kostenlos abgeben und ihre Kunden zum Verzicht aufrufen, wie die ABDA –...



Zika-Virus: Zwei Impfstoffe im Tierversuch erfolgreich

Einer effektiven Impfung gegen das Zika-Virus sind US-amerikanische Forscher einen Schritt näher gekommen. Eine einzelne Dosis von zwei...

 
 

Abnehmen: Energiedichte entscheidet
Wer abnehmen will, sollte auf die Energiedichte seiner Ernährung achten. Professor Dr. Johannes Erdmann von der Hochschule...

ABDA: Hans-Meyer-Medaille geht an drei Apotheker
Die höchste Auszeichnung der deutschen Apothekerschaft haben heute Heinz-Günter Wolf, Monika Koch und Peter Homann (Foto, v.l.) erhalten....

Studie: Zika nicht allein durch Schädelfehlbildung erkennbar
Das mysteriöse Zika-Virus lässt sich bei Neugeborenen nicht allein durch Schädelfehlbildungen erkennen. Das ist das Ergebnis einer...

Kammer Brandenburg kürzt ABDA-Beitrag
Die Kammerversammlung der Apothekerkammer Brandenburg hat heute beschlossen, ihren Beitrag zur ABDA – Bundesvereinigung Deutscher...

TK-Gesundheitsreport 2016: Kinder halten gesund
Menschen der sogenannten Sandwichgeneration zwischen 30 und 44 Jahren müssen Karriere, Kinder, Hausbau und oft auch die Pflege der Eltern...

Urteil: Pharmagroßhändler sind beim Preisnachlass beschränkt
Arzneimittel-Großhändler dürfen sich nach einem Urteil des Oberlandesgerichts Bamberg nur begrenzt gegenseitig im Preisnachlass überbieten....

Glyphosat: EU-Kommission verlängert Zulassung
Die EU-Kommission verlängert die Zulassung des umstrittenen Unkrautvernichtungsmittels Glyphosat in Europa um bis zu 18 Monate. Das teilte...

Monsanto pokert weiter mit Bayer
Der von Bayer umworbene US-Saatgutspezialist Monsanto lässt sich bei der Milliarden-Offerte des Konkurrenten nicht in die Karten schauen....

Tätowierungen: Minister will Risiken minimieren
Tätowierungen in Deutschland sollen sicherer werden. Der für den gesundheitlichen Verbraucherschutz zuständige Bundesminister Christian...

Steigende Haftpflicht: Hebammen fordern dauerhafte Lösung
Die Hebammen in Deutschland sehen sich nach wie vor von steigenden Haftpflichtprämien in ihrer Existenz bedroht. Sie fordern dauerhaft...

Glyphosat: Gnadenfrist erzürnt Umweltschützer und Industrie
Umweltschützer und Pestizid-Hersteller haben den Kompromiss bei der Zulassung des Unkrautkillers Glyphosat kritisiert. Beide Seiten...

Keine Panik wegen Rx-Boni: Preisverordnung bleibt
«Nach den jüngsten Entwicklungen am Europäischen Gerichtshof gilt es, Augenmaß und Sachverstand an den Tag zu legen. Panikmache ist nicht...

Noch mehr Meldungen...












DIREKT ZU