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Altersgerechte Technik: Digitale Diener für Senioren

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Altersgerechte Technik

Digitale Diener für Senioren


Von Ina Brzoska, Berlin / Smartphones, die den Blutdruck messen, sprechende Tablettenboxen, die an die Einnahme der Medikamente erinnern, oder Roboter, die die Küche wischen: Es gibt viele Ideen und Projekte, die Patienten künftig ermöglichen, länger selbstbestimmt leben zu können. In Berlin zeigten Forscher und Unternehmen, wie sie sich die Zukunft vorstellen.

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Weg vom Knopfdruck, hin zur sensorgesteuerten, digital vernetzten Hilfe, lautet in diesem Jahr der Trend. 800 Experten aus Forschung, Wissenschaft, Politik und Wirtschaft trafen sich in Berlin zum fünften AAL-Kongress. Veranstalter waren das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und der Verband der Elektrotechnik (VDE). AAL, Ambient Assistent Living, heißen technische Lösungen, welche vor allem älteren, aber auch behinderten Menschen im Alltag helfen sollen. Von barrierefreien Wohnungen über Hausnotruf bis zum virtuellen Kaffeekränzchen wurden viele Konzepte präsentiert, die das Leben im Alter leichter machen sollen.

 

Wachstumsmarkt in Europa und den USA

 

AAL ist ein Wachstumsmarkt. Schätzungen des Marktforschungsinstituts von Datamonitor zufolge soll das Marktvolumen in Europa und den USA von derzeit rund drei Milliarden US-Dollar in zwei Jahren auf 7,7 Milliarden US-Dollar steigen. Deutschland, so heißt es aus dem VDE, sei führend im Bereich Telemedizin und E-Health.




Die Sturzsensormatte SensFloor unterscheidet einen Sturz vom normalen Betreten – ein Beispiel für intelligente Technik, die mehr Sicherheit im Alter bringt.

Foto: Future-Shape GmbH


Profitieren könnte die Zielgruppe der Über-60-Jährigen, die hierzulande ständig wächst, denn die ist im Alter auf Hilfe angewiesen. Verglichen mit dem Jahr 2000 soll sich die Anzahl der Demenzkranken bis 2040 um 70 Prozent, die der Pflegebedürftigen um 90 Prozent erhöhen.

 

Deshalb investiert auch die Bundesregierung in AAL, denn der demografische Wandel verlangt vor allem von der Politik Antworten, besonders bei der Pflege älterer Menschen. Mit 45 Millionen Euro bezuschusst das BMBF Forschungsinstitute der Fraunhofer Gesellschaft oder Universitäten, die Projekte mit mittelständischen Unternehmen, AAL-Produkte und Dienstleistungen entwickeln. »Technik kann den Wunsch vieler älterer Menschen nach einem möglichst langen, selbstständigen Leben unterstützen – egal ob im Beruf, zu Hause oder unterwegs«, sagte Thomas Rachel (CDU), Parlamentarischer Staatssekretär im BMBF. Allein in diesem Jahr starten 20 Projekte, die teilweise in Berlin präsentiert wurden.

 

Ein Schwerpunkt sind Heime. Barrierefreies Wohnen allein reicht nicht mehr, Senioren werden diverse Sicherheitskonzepte angeboten: fernbedienbare Türen, automatische Wasserstopps oder Alarm bei angelassener Herdplatte. AAL-Musterwohnungen integrieren sogar Sensoren im Fußboden, sodass schnell Hilfe kommt, wenn ein Bewohner längere Zeit regungslos am Boden liegen. »Die Menschen wollen so lange wie möglich in den eigenen vier Wänden leben, machbar ist das heute bis zur Pflegestufe II«, sagte Axel Viehwegger vom Verband Sächsischer Wohnungsgenossenschaften.

 

»AAL-Konzepte sind dann erfolgreich, wenn sie Bedürfnisse, Wünsche und Anforderungen potenzieller Nutzer berücksichtigen«, sagte Kongressteilnehmerin Sibylle Meyer vom Institut für Sozialforschung und Projektberatung (SIBIS). In den vergangenen Jahren führte SIBIS diverse Studien zur Akzeptanz von AAL durch. Spätestens beim Roboter diskutieren Wissenschaftler und Unternehmer. Kann eine Maschine die Betreuung, ja gar die Pflege von Demenzkranken oder älteren Patienten übernehmen? IT-Lösungen allein, da sind Experten sich einig, sind noch keine Antwort auf den demografischen Wandel. Gesucht und erprobt werden deshalb zunehmend Konzepte, die neue Technologien und ein soziales Umfeld miteinander verbinden. Telemedizinische Systeme, die Pflegern oder Medizinern helfen, dem Patienten besser gerecht zu werden.

 

»Virtueller Kontakt zum Apotheker nimmt zu«

 

Doch auch außerhalb des Wohnbereichs wird nach Innovationen gesucht. »Die Apotheke ist eine wichtige Anlaufstelle für Patienten, die ist aber besonders in ländlichen Regionen schwer erreichbar«, sagte Meyer. Der virtuelle Kontakt zu Arzt oder Apotheker, prognostizierte die Forscherin, werde künftig zunehmen. Modellprojekte zeigen, wie Mediziner und Apotheker sich vernetzen und damit Patienten helfen können. Bestellungen werden automatisch ausgelöst, die Lieferung des Medikaments erfolgt per Kurier. Doch es gilt hier, Barrieren zu überwinden. Datenschutz ist ein großes Thema, denn mit dem Trend zu Sensorsystemen und digitaler Vernetzung müssen sensible Informationen der Patienten auch vor Missbrauch geschützt werden. /


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Beitrag erschienen in Ausgabe 06/2012

 

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