86 Zytostatika, andere antineoplastische Mittel und Protektiva

 Trabectedin, Yondelis™ (PharmaMar S.A.)

Mit Trabectedin steht seit Mitte Oktober 2007 ein neues Zytostatikum zur Verfügung. Das Mittel ist als Pulver zur Herstellung eines Infusionslösungskonzentrats erhältlich. Eine Durchstechflasche enthält 0,25 beziehungsweise 1 mg Wirkstoff. Trabectedin ist indiziert zur Second-Line-Therapie bei Weichteilsarkomen, wenn die Standardtherapie mit Anthrazyklinen und Ifosfamid versagt beziehungsweise bei Patienten, für die diese Mittel sich nicht eignen. Da es nur wenige Patienten mit Weichteilsarkom gibt, wurde Trabectedin bereits im Mai 2001 als orphan drug eingestuft.
Trabectedin ist die synthetische Version eines Stoffes, den Forscher ursprünglich aus einer Seescheide (Ecteinascidia turbinata), einem zu den Manteltieren zählenden Meerestier, gewonnen haben. Der Wirkstoff bindet im Zellkern an die kleine Furche der DNA, sodass die Helix der großen Furche nachgibt. Diese Bindung triggert eine Kaskade von Ereignissen, die verschiedene Transkriptionsfaktoren, DNA-Bindungsproteine sowie DNA-Reparatur-Reaktionswege betreffen. Darus resultiert eine Störung des Zellzyklus, was zum Absterben der Zelle führt.
Es konnte gezeigt werden, dass der Wirkstoff eine antiproliferative Wirkung gegen eine Reihe humaner Tumorzelllinien und experimentelle Tumoren einschließlich Malignome wie Sarkom besitzt.
Untersucht wurden Wirksamkeit und Sicherheit von Trabectedin in einer randomisierten Studie mit 266 Patienten mit Liposarkom (von Fettzellen ausgehendes Sarkom) oder Leiomyosarkom (von Zellen der glatten beziehungsweise unwillkürlichen Muskulatur ausgehendes Sarkom), deren Erkrankung trotz Behandlung mit Anthrazyklinen und Ifosamid progredient verlief oder rezidivierte. In der Studie wurden zwei Dosierungsschemata verglichen: Eine Gruppe erhielt alle drei Wochen eine 24-stündige intravenöse Infusion in einer Dosis von 1,5 mg pro Quadratmeter Körperoberfläche. Die andere Gruppe erhielt dreimal pro Monat eine dreistündige Infusion mit der Dosis 0,58 mg pro Quadratmeter Körperoberfläche. Die einmalige Gabe alle drei Wochen war dem alternativen Dosierungsschema überlegen und wird demnach als Dosis empfohlen: Während es in der ersten Gruppe bis zur Progression der Erkrankung durchschnittlich 3,7 Monate dauerte, waren es in der zweiten Gruppe nur 2,3 Monate. Im Hinblick auf das mediane Gesamtüberleben (OS) zeigten sich keine signifikanten Unterschiede. Mehr als 60 Prozent der Patienten der ersten Gruppe lebte noch nach einem Jahr. Im Mittel überlebten die Patienten knapp 14 Monate.
Um Erbrechen vorzubeugen und die Leber zu schonen, sollten 30 Minuten vor jeder Trabectedin-Infusion 20 mg Dexamethason infundiert werden.
Bei mehr als 90 Prozent der Patienten ist davon auszugehen, dass Nebenwirkungen auftreten, bei etwas 40 Prozent vom Schweregrad 3 oder 4. Am häufigsten kommt es unter Trabectedin zu Übelkeit, Erbrechen, Fatigue, Appetitlosigkeit, Neutropenie und erhöhtem Spiegel von Leberenzymen.
Bei Patienten mit schweren oder unkontrollierten Infektionen, in der Stillzeit und in Kombination mit der Gelbfiebervakzine darf das Mittel nicht angewendet werden. 

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