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Versorgungsforschung: Experten fordern mehr Geld

POLITIK

 
Versorgungsforschung

Experten fordern mehr Geld


Von Maria Pues, Köln / Sicherstellen, dass das Richtige auch richtig getan wird – so fassen Experten das Ziel der Versorgungsforschung zusammen. Rationalisierung und Priorisierung in der Medizin sollen auf diese Weise überflüssig werden. Für zusätzliche Forschung wünschen sich die Experten mehr Geld.

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Das Ziel der Versorgungsforschung bestehe darin, die »unselige Trias von Über, Unter- und Fehlversorgung« zu beseitigen, sagte der Gesundheitsexperte Professor Dr. Gerd Glaeske von der Universität Bremen auf einer Pressekonferenz am Rande des 10. Deutschen Kongresses für Versorgungsforschung in Köln. So erhielten Patienten beispielsweise die meisten Antibiotika bis zum Erreichen ihres 18. Lebensjahres und diese häufig gegen Erkrankungen die zum allergrößten Teil viral bedingt seien, erläuterte Glaeske weiter. Das verursache nicht nur unnötige Kosten. Man müsse auch mit langfristigen Folgen wie etwa Antibiotikaresistenzen rechnen.

 

Oft spielen nicht nur medizinische Gründe, sondern auch Erwartungen der Patienten in der Therapie eine entscheidende Rolle. Dies zeige sich auch in der Versorgungsforschung, so Kongresspräsident Professor Dr. Holger Pfaff von der Universität Köln und Erster Vorsitzender des Deutschen Netzwerks Versorgungsforschung (DNVF). Er betonte die Notwendigkeit interdisziplinären Vorgehens, um das Zusammenspiel medizinischer, sozialer, organisatorischer und psychologischer Faktoren beurteilen zu können.

 

Patienten wollen Mitsprache

 

Dass Patienten häufig ein Mitspracherecht und umfassende Informationen forderten, berichtete auch Professor Dr. Edmund Neugebauer, Zweiter DNVF-Vorsitzender. Darauf müsse die Medizin reagieren, zum Beispiel mit evidenzbasierten Entscheidungshilfen für Patienten.

 

Behandlungsleitlinien können dem Arzt als Richtschnur in der Therapie dienen. Allerdings sind auch ihre Möglichkeiten begrenzt. Dr. Sebastian Harder, Professor an der Universität Frankfurt am Main und Erster Vorsitzender der Gesellschaft Arzneimittelanwendungsforschung und Arzneimittelepidemiologie, zitierte eine Studie, der zufolge sich Kenntnis oder Unkenntnis von Leitlinien durch den behandelnden Arzt praktisch nicht in Form unterschiedlicher Behandlungen der Patienten niederschlagen.

 

Hinzu kommt: Würden Patienten mit mehreren Erkrankungen konsequent leitliniengerecht behandelt, wäre eine ausgeprägte Polymedikation mit entsprechenden Neben- und Wechselwirkungen die Folge. Nicht die Frage, welchem Patienten welche Leistung »zustehe«, sondern die, welche seiner Erkrankungen aus medizinischen Gründen vorrangig zu behandeln sei, stelle sich hier, so Harder.

 

Da Arzneimittel nicht nur in der Therapie, sondern auch bei den Kosten einen erheblichen Anteil haben, hatten die Veranstalter gleich zwei Gründe, Arzneimittel in das Zentrum des diesjährigen Kongresses zu rücken. Die Gesetzliche Krankenversicherung gebe für Arzneimittel mit 30 Milliarden Euro mehr Geld aus als für Arzthonorare, sagte Harder. Diese betrügen rund 28 Milliarden Euro.

 

1 Euro pro Patient und Jahr wünschen sich die Experten für zusätzliche Forschung. Dabei rechnen die Versorgungsforscher mit einer guten Rendite: Jeder Euro, der in die Versorgungsforschung fließe, helfe vier Euro einzusparen, so die Experten. /


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Beitrag erschienen in Ausgabe 43/2011

 

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