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Atemwege: Husten ohne Erkältung

PHARMAZIE

 
Atemwege

Husten ohne Erkältung


Von Elke Wolf / Meist ist es ein Atemwegsinfekt, der die Patienten husten lässt. Doch dass auch ganz andere Auslöser hinter dem Symptom Husten stecken können, wird oft übersehen.


Definitionsgemäß spricht man von einem chronischen Husten, wenn er länger als acht Wochen dauert. Konsens ist auch, dass ein akuter Husten – ausgelöst durch einen viralen Infekt – zwischen drei und vier Wochen dauern darf. Dazwischen ist zum Teil die Bezeichnung subakuter oder postinfektiöser Husten gängig. Denn viele Patienten husten oft auch dann noch, wenn der Infekt längst vorüber ist. Ganz allgemein sinkt bei akutem trockenen Husten nach Infektionen die Reizschwelle der Hustenrezeptoren. Durch eine starke Entzündung und Schädigung des Atemwegsepithels bis hin zur Basalmembran sind die Rezeptoren überempfindlich. Diese Hyperreagibilität der Rezeptoren in den Bronchien kann noch Wochen anhalten. Das gilt es, im Hinterkopf zu behalten, wenn der Patient schon länger über Husten klagt.




Husten muss nicht zwangsläufig während einer Erkältung auftreten, es kann auch noch danach dazu kommen. Grund dafür ist ein infektionsbedingtes generelles Absinken der Reizschwelle der Hustenrezeptoren.

Foto: Fotolia/Bennicce


Stellt der Patient nach Wochen bis Monaten keine Tendenz zur Besserung fest, sind folgende drei Kandidaten besonders häufig als Auslöser auszumachen: das Post-nasal-drip-Syndrom (PND), ein gastroösophagealer Reflux oder Asthma. Diese drei Faktoren werden auch als die »pathologische Trias des chronischen Hustens« bezeichnet, weil sie zusammengenommen hinter und 80 Prozent der Fälle von Dauerhusten stecken.

 

Reizendes Sekret

 

Ein PND entwickelt sich häufig nach einem vorangegangenen Infekt. Dabei läuft chronisch Sekret aus dem Nasenraum die Rachenhinterwand hinunter in die Luftröhre und reizt dort und in den oberen Bronchien die Hustenrezeptoren. Ein hartnäckiger Reizhusten ist die Folge. Bei diesen Patienten findet sich sehr häufig eine chronische Sinusitis oder eine allergische beziehungsweise nicht allergische Rhinitis. Dabei ist der Husten vermutlich die Folge einer chemischen Reizung durch die im Schleim enthaltenen Entzündungsmediatoren; möglicherweise kommt es auch zu einer mechanischen Reizung.

 

Dass der Husten durch die Entzündung und nicht durch das herabfließende Sekret ausgelöst wird, führte dazu, dass man das PND auch als »Upper Airway Cough Syndrome« bezeichnet. Das macht klar: Diese Art von Husten hat ihren Ursprung nicht in den Bronchien, sondern im Rachen oder Kehlkopf. Ziel der Therapie ist es, die Sekretbildung im Nasen-Rachen-Raum zurückzufahren. In der Regel werden nasal zu applizierende Glucocorticoide verwendet.

 

Husten durch Magensäure

 

Typische Hinweise auf Reflux-assoziierte Atemwegserkrankungen sind Räusperzwang, »Kloß im Hals«, chronischer Husten und nächtliche oder morgendliche Asthmaanfälle. Gastroösophagealer Reflux von Magensäure stimuliert Rezeptoren im oberen Atemwegstrakt und Larynx und fördert die Mikroaspiration. Da der Reflux durch eine liegende Position gefördert wird, klagen die Patienten häufig über nächtlichen Husten.

 

Neben der Mikroaspiration gehen die Symptome auch auf über den Nervus vagus vermittelte Reflexbögen zurück. Denn die Säure am falschen Ort, also in der Speiseröhre, führt zu Kontraktionen der glatten Muskulatur im unteren Drittel. Über eine Fehlschaltung im Rückenmark wird deren Krampfbereitschaft auf die Bronchialmuskulatur sowie auf die der Herzkranzgefäße weitergeleitet. Dies erklärt, warum ein Teil der Patienten über anfallsartig auftretende retrostenale Schmerzen klagt, die primär an eine koronare Herzerkrankung oder Angina Pectoris denken lassen. Dieser nicht kardiale Thoraxschmerz sowie die anderen oben genannten Beschwerden sprechen gut auf Protonenpumpenblocker an.

 

Der gastroösophageale Reflux wird heute noch immer zu selten als Hustenursache bedacht. Dabei sind die Zusammenhänge seit rund zehn Jahren bekannt.

 

Eine chronische Entzündung der Atemwege liegt dem Asthma bronchiale zugrunde. Keuchen und anfallsartige Atemnot bestimmen in der Regel die Symptomatik. Doch es gibt auch eine Asthmavariante, die sich vorwiegend durch Husten äußert (»cough variant asthma«). Das ist überdurchschnittlich häufig bei Kindern und Jugendlichen der Fall. Die Betroffenen husten besonders nachts, meist zwischen zwei und vier Uhr. Manchmal geht glasiger-zäher Schleim ab. Durch eine Therapie mit peroralen und inhalativen Steroiden sowie Leukotrienantagonisten sistiert die Hustensymptomatik in den meisten Fällen.

 

Eine chronische Entzündung der Atemwege liegt auch der chronisch obstruktiven Bronchitis (COPD) zugrunde, der häufigsten chronischen Lungenerkrankung überhaupt. In 80 Prozent der Fälle hat Zigarettenrauch die Bronchien zerfressen und die Entzündung gesetzt. Die COPD ist durch eine nicht reversible Verminderung des Atemflusses charakterisiert. Bewiesen ist: Das Voranschreiten der Atemwegsobstruktion geht Hand in Hand mit der täglich konsumierten Zigarettenzahl, dem Zeitpunkt des Rauchbeginns und der Tiefe der Inhalation.

 

Der Raucherhusten und die folgende chronische Bronchitis gehen typischerweise mit morgendlichem, meist produktivem Husten einher. Doch da sich der Husten allmählich über einen längeren Zeitraum entwickelt, stuft der Patient ihn als »normal« und akzeptabel ein. Da das Krankheitsbewusstsein meist fehlt, gehen diese Betroffenen eher selten zum Arzt. Neben Rauchverzicht besteht die Therapie in atemwegserweiternden Substanzen und inhalativen Steroiden. Dennoch schreitet die COPD in den meisten Fällen unaufhörlich voran.

 

Medikamente als Auslöser

 

Bei unerklärlichem chronischen Husten ist auch an eine Medikamentennebenwirkung zu denken, allen voran durch ACE-Hemmer ausgelöst. Bis zu 15 Prozent der damit Behandelten können Reizhusten bekommen. Warum es doppelt so viele Frauen wie Männer sind, ist unklar. Asthmatiker sind nicht häufiger betroffen. ACE-Hemmer inhibieren die Kininase II, die für den Abbau des Bradykinins verantwortlich ist. Bradykinin staut sich an und stimuliert vermutlich afferente C-Fasern des Bronchialsystems, die für den Hustenreiz verantwortlich sind.

 

Eine Dosis-Wirkungs-Beziehung besteht nicht. Der Husten beginnt innerhalb von einer oder zwei Wochen, kann aber auch erst bis sechs Monate nach Einleiten der Therapie auftreten. Nach Absetzen des Hemmers verschwindet der Husten innerhalb von einer bis vier Wochen. In den meisten Fällen löst ein Wechsel auf einen Angiotensin-II-Blocker das Problem. Auch andere Arzneistoffe können Husten mit sich bringen, so Zytostatika wie Methotrexat, Betablocker und Amiodaron. Ebenso ist bei inhalativen Glucocorticoiden daran zu denken, dass sie sich im Kehlkopfbereich ablagern und deshalb für Heiserkeit und Hustenattacken sorgen können.  /


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Beitrag erschienen in Ausgabe 41/2011

 

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