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Vergütung: »Unser Honorar ist nicht akzeptabel«

POLITIK

 
Vergütung

»Unser Honorar ist nicht akzeptabel«


Von Daniel Rücker / Seit einigen Jahren verschlechtert sich die Rentabilität der Apotheken. Mit dem Arzneimittelmarkt- Neuordnungsgesetz (AMNOG) hat sich diese Entwicklung noch beschleunigt. Vielen Apotheken geht es schlecht. Der ABDA- Gesamtvorstand fordert deshalb von der Regierung, eine bessere Honorierung der Apotheker. ABDA-Präsident Heinz-Günter Wolf denkt dabei nicht nur an die Packungspauschale.

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PZ: Der ABDA-Gesamtvorstand hat beschlossen, bei der Bundesregierung für eine Anpassung der Apothekenvergütung zu werben. Warum kommt dieser Schritt jetzt und nicht schon früher?

 

Wolf: Die Forderung nach einer adäquaten Honorierung unserer Leistungen ist ohne Wenn und Aber richtig. Das AMNOG trifft uns in der von uns vorhergesagten Härte. Der Großhandel reicht seine Belastung an uns weiter. Außerdem haben wir immer noch keine Rechtssicherheit beim Apothekenabschlag für 2009 und 2010. Viele Kolleginnen und Kollegen sind deshalb bereits in einer schwierigen Lage. Noch länger warten konnten wir nicht. An der aktuellen Situation gemessen war es für den Beschluss des ABDA-Gesamtvorstandes höchste Zeit. Auf der anderen Seite brauchen wir aber belastbare Zahlen, mit denen wir unseren Forderungen Nachdruck verleihen können. Berechnungen über die Auswirkungen des AMNOG gibt es zwar schon seit einigen Monaten, doch waren dies Projektionen der ersten Monate 2011 auf das Gesamtjahr. Mittlerweile können wir die Konsequenzen des AMNOG auf die Apotheken jedoch gut belegen. Der Rohertrag in den Apotheken ist 2011 deutlich zurückgegangen. Rund 400 Apotheken werden in diesem Jahr schließen müssen. Unser Honorar ist nicht mehr akzeptabel.




Ebbe in der Kasse, Die ABDA will gegen die AMNOG-bedingte finanzielle Misere der Apotheker vorgehen.

Fotos: PZ/Archiv


Die Politik hatte von uns verlässliche Zahlen gefordert, jetzt liegen sie auf dem Tisch. Wir wollen ein dickes Brett bohren, das geht nicht ohne solide Vorbereitung. Jetzt werden wir darüber mit der Regierung diskutieren.

 

PZ: An welchen Stellen soll die Honorierung geändert werden? Wofür sollen die Apotheker in Zukunft mehr Geld erhalten?

 

Wolf: An erster Stelle steht die Forderung nach einer Dynamisierung der fixen Vergütung von 8,10 Euro. In der GKV-Versorgung ist unser Stückrohertrag aus dem Fixum seit 2004 konstant. Gleichzeitig steigen aber unsere Sach- und Personalkosten. Das kann kein Betrieb langfristig aushalten.

 

Das Modell der packungsabhängigen Vergütung ist richtig. Es kann aber nicht langfristig funktionieren, wenn die Vergütung statisch ist. Wir brauchen eine flexible und intelligente Lösung. Die Honorierung muss nach festen Kriterien unter Berücksichtigung der Kostensteigerungen angepasst werden.

 

Handlungsbedarf gibt es auch bei der Vergütung unserer Gemeinwohlpflichten. Nacht- und Notdienst sind für die Apotheken ein Zuschussgeschäft, dasselbe gilt für Rezepturen und die Dokumentation bei Betäubungsmitteln (BTM). Heute werden Apotheker dafür bestraft, wenn sie diese Leistungen erbringen. Das darf so nicht bleiben. Wir fordern zumindest Kostendeckung bei den Gemeinwohl­pflichten.

 

Und schließlich muss die Bundesregierung die Belastungen des AMNOG für die Apotheken zum Jahresende auslaufen lassen. Wir haben bereits in einem Jahr so viel Ertrag verloren wie die Bundesregierung für zwei Jahre eingeplant hatte. Ab Anfang 2012 muss der Apothekenabschlag wieder von Deutschen Apothekerverband und GKV-Spitzenverband verhandelt werden. Dabei fordern wir eine gesetzlich fixierte Ausgangsbasis von 1,75 Euro.

 

PZ: Für die Umsetzung des Zukunftskonzeptes von ABDA und KBV haben Apotheker und Ärzte ebenfalls ein Honorar veranschlagt. Ist dies Teil ihrer aktuellen Forderungen oder eine andere Baustelle?




»Wir müssen Verständnis für unser Anliegen vermitteln.«

Wolf: Das Zukunftskonzept ist nicht Teil der derzeitigen Versorgung, auf diese bezieht sich aber unsere Forderung nach einer angemessenen Honorierung. Richtig ist aber auch, dass wir in unserem zukunftweisenden Konzept neue, komplexe, personalintensive Dienstleistungen anbieten, die die Gesetzliche Krankenversicherung spürbar entlasten werden. Ärzte und Apotheker haben für diese zusätzlichen Leistungen Anspruch auf ein Honorar. Das lässt sich über einen Teil der zu erwartenden Einsparungen bezahlen.

 

PZ: Wie hoch muss das zusätzliche Honorar insgesamt sein, um die Branche zu stabilisieren?

 

Wolf: Wir rechnen dies gerade aus. Die Ergebnisse werden wir dann der Politik präsentieren. Es ist zu früh, jetzt mit genauen Zahlen an die Öffentlichkeit zu gehen. Da die Fakten bekannt sind, ist aber die Größenordnung absehbar: Die AMNOG-Belastungen sind doppelt so hoch wie geplant. Bei den Gemeinwohlpflichten haben wir eine Unterdeckung im dreistelligen Millionenbereich und eine leistungsgerechte Vergütung sollte die Kostensteigerungen berücksichtigen. Diese berechtigten Forderungen sollten beglichen werden.

 

PZ: Sie machen gleich eine ganze Reihe von Vorschlägen für eine angemessene Honorierung. Warum ist es sinnvoll, nicht alles auf eine Änderung der Honorierung, etwa die Dynamisierung der 8,10 Euro, zu setzen?

 

Wolf: Die Dynamisierung von 8,10 Euro ist Teil unserer Forderungen. Es wäre aber falsch, uns allein darauf zu konzentrieren. Apotheken unterscheiden sich in ihrem Angebot und in ihrer Umsatzstruktur. Eine Apotheke, die sehr viele Rezepturen anfertigt, würde benachteiligt, wenn wir uns nur auf die Dynamisierung des Packungszuschlags beschränken. Es gibt auf dem Land Apotheken, die überdurchschnittlich viele Notdienste machen. Es gibt Apotheken, in denen besonders viele Betäubungsmittelrezepte eingelöst werden. Wenn wir es ernst meinen damit, dass Gemeinwohlpflichten kostendeckend angeboten werden, dann müssen wir einen differenzierten Vorschlag machen.

 

PZ: Gibt es Leistungen, bei denen eine zusätzliche Honorierung besonders wichtig wäre?

 

Wolf: Ich werde keine Rangfolge aufstellen. Das wird der Sache nicht gerecht. Nacht- und Notdienst, Rezepturen, BTM sind alles Gemeinwohlpflichten und Gemeinwohlpflichten sind grundsätzlich wichtig und unverzichtbar, sonst wären es keine.

 

PZ: Ist es Ihr Ziel, das zusätzliche Honorar gleichmäßig auf alle Apotheken zu verteilen oder sollten besondere Apothekentypen, wie Landapotheken oder Vorstadtapotheken, besonders gefördert werden?

 

Wolf: Eine Differenzierung nach Apothekentypen streben wir nicht an. Es geht uns darum, dass Apotheker für ihre Leistungen endlich wieder angemessen vergütet werden. Das ist unabhängig davon, wo eine Apotheke liegt oder wie groß sie ist. Ganz klar ist: Wer Gemeinwohlpflichten erbringt, sollte dafür entsprechend honoriert werden!

 

PZ: Bislang wurden Nacht- und Notdienst als Teil des Versorgungsauftrages der Apotheken auch über das Honorar für die Arzneimittelversorgung abgegolten. Warum funktioniert dies heute nicht mehr?

 

Wolf: Wie wollen Sie Gemeinwohlpflichten heute noch über eine Mischkalkulation finanzieren? Wir fordern ja eine Dynamisierung der 8,10 Euro, weil dieser Betrag schon nicht mehr für die normale Arzneimittelversorgung allein ausreicht. Da bleibt kein Cent übrig, Notdienste oder Rezepturen zu finanzieren.

 

Außerdem hat sich die pharmazeutische Welt verändert. Seit 2004 gibt es eine Art von Apotheken, die keine oder nur sehr wenige Gemeinwohlpflichten leisten: die Versandapotheken. Es kann nicht sein, dass große Versender schnelles Geld machen, indem sie Arzneimittel in Päckchen packen und – in der Regel ohne Beratung – an ihre Kunden schicken, sich aber am unattraktiven Nacht- und Notdienst nicht beteiligen und natürlich auch keine Rezepturen anfertigen. Das ist zutiefst ungerecht. Wer dieses System unterstützt, der muss sich fragen lassen, wie er in Zukunft die flächendeckende Versorgung noch sicherstellen will.

 

PZ: Wie steht die Bundesregierung zu ihren Forderungen?

 

Wolf: Wir stehen noch am Anfang des Dialogs. Natürlich weiß die Politik, dass wir uns ernsthafte Sorgen um die Wirtschaftlichkeit unserer Apotheken machen. Wir werden jetzt Termine vereinbaren für Gespräche auf höchster Ebene im Bundesgesundheitsministerium, im für die Arzneimittelpreisverordnung zuständigen Bundeswirtschaftsministerium und in den Bundestagsfraktionen. Ich habe schon gesagt, wir bohren dicke Bretter. Wenn wir Erfolg haben wollen, dann müssen wir überzeugende Zahlen präsentieren können. Wir müssen aber auch Verständnis für unser Anliegen vermitteln. Das geht nur im persönlichen Gespräch.

 

PZ: Was wäre die Konsequenz, wenn Sie ihre Forderungen nicht durchsetzen können?

 

Wolf: Ich bin Optimist und Realist, aber kein Pessimist. Die Politik sollte aus­reichenden Weitblick haben, die flächendeckende Arzneimittelversorgung durch öffentliche Apotheken zu erhalten. Wenn dies so ist, dann wird sie unsere guten Argumente nicht vom Tisch wischen können. Es steht viel auf dem Spiel: Neben der Versorgung der Patienten auch die Zukunft einer mittelständischen Branche und zahlreiche Arbeitsplätze. Das Versorgungsstrukturgesetz bietet der Regierung eine gute Gelegenheit, die richtigen Schritte einzuleiten. / 


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Beitrag erschienen in Ausgabe 40/2011

 

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