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Im Norden droht ein Ärzte- und Apothekermangel













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Im Norden droht ein Ärzte- und Apothekermangel
 


Ärzte, Apotheker und Psychotherapeuten sehen die flächendeckende und wohnortnahe Versorgung von Patienten in Norden gefährdet. «Wir werden nicht mehr jede Praxis nachbesetzen können», sagte die Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Schleswig-Holstein (KVSH), Ingeborg Kreuz, am Mittwoch in Kiel. Nach Einschätzung der Interessengemeinschaft der Heilberufe könnte dem Ärzte- ein Apothekermangel folgen. Auch eine Konzentration von Zahnarztpraxen und damit ein Rückgang der Praxen auf dem Land hält sie für wahrscheinlich. Die Ansprüche müssen deshalb nach Ansicht der KVSH reduziert werden. Es wäre schon ein Erfolg, wenn zumindest die hausärztliche Betreuung in der Fläche erhalten werden könne, heißt es in einem Positionspapier.

Grund für den Ärztemangel ist der viel beschriebene demografische Wandel. Die Bevölkerung wird immer älter, wodurch auch die Zahl der altersbedingten Erkrankungen zunimmt. Zum anderen steht bei den Ärzten eine Ruhestandswelle bevor: Fast jeder dritte Hausarzt ist heute über 60, rund 900 werden in Schleswig-Holstein in den nächsten Jahren ihre Arbeit aufgeben. Um dem Herr zu werden, verlangt die KVSH unter anderem, dass im Medizinstudium mehr Wert auf die Tätigkeit als niedergelassener Arzt gelegt wird. Kommunen müssten ihre Standorte attraktiver machen.

Auch die Apothekerkammer sieht einen Fachkräftemangel in einzelnen Regionen. Grund sei die schlechter werdende Ertragslage. Die Kammer verlangte einen Abbau von Bürokratie. Die Psychotherapeuten bemängelten, dass im Norden zwar auf dem Papier eine Überversorgung an Therapeuten bestehe, aber die Wartezeit auf einen Therapieplatz zu lang sei. Das Angebot an Psychotherapeuten müsse am tatsächlichen Bedarf ausgerichtet werden, zumal der Anteil der Menschen mit psychischen Erkrankungen ständig zunehme, verlangte die zuständige Kammer.

Angesichts steigender Kosten bei knappen Kassen machen sich die Kassenärzte dafür stark, dass Patienten zuzahlen, mit einer sozialen Komponente. Außerdem spricht sich die KVSH für eine Priorisierung von Behandlungen aus: Was ist sofort notwendig, und was kann warten? «Wir brauchen eine offene Diskussion, was wir uns in Zukunft leisten können und was nicht», sagte Schleswig-Holsteins Gesundheitsminister Heiner Garg (FDP). Eigenverantwortung heiße aber nicht, dass man «Menschen eigenverantwortlich im Regen stehen lässt.»

22.09.2011 l dpa
Foto: Fotolia/JM Fotografie
 

 

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