Die Zeitschrift der deutschen Apotheker

 

Pharmazeutische Zeitung

 

PTA-Forum

 

PZ-Akademie

 

DAC/NRF

Kinderarzt: Junge Eltern haben keine Ahnung

NACHRICHTEN

 
Kinderarzt: Junge Eltern haben keine Ahnung
 


Immer öfter führen kleinste Anlässe junge Eltern mit ihren Kindern in die Notaufnahme. «Wir sehen einen wachsenden Beratungsbedarf besorgter Eltern», sagte Professor Dr. Johannes Otte von der Kinderklinik Bethel der Nachrichtenagentur dpa. Otte ist Tagungspräsident des Kongresses der Kinder- und Jugendmediziner, der an diesem Donnerstag in Bielefeld beginnt.

«Das fängt damit an, dass der Arzt den Eltern in der Notaufnahme zeigt, wie man ein Fieberzäpfchen einführt. Wir können nämlich nicht davon ausgehen, dass die Eltern das wissen», so Otte. Oder die Frage, was kann man tun, um die Verdauung eines Babys anzuregen? «Über dieses Wissen verfügen junge Eltern heute häufig nicht.»

Es gehe aber auch zunehmend um eine Schulung der Eltern im Umgang mit schweren und chronischen Erkrankungen ihrer Kinder. Als Beispiele nannte Otte Epilepsie, Asthma, Neurodermitis, Diabetes, Krebs oder das Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitäts-Syndrom (ADHS). «Ziel der Beratung ist, dass die Eltern ihren Kinder zu Hause bei der Bewältigung und dem Umgang mit der Krankheit helfen können.» Früher hätten Kinder mit Leukämie ein halbes oder ein dreiviertel Jahr durchgehend im Krankenhaus verbringen müssen. «Heute machen wir das im Wechsel: Vier, fünf Tage im Krankenhaus, zwei Wochen zu Hause. Das geht aber nur, wenn alle Beteiligten entsprechend geschult sind.»

Die professionelle Beratung solle auch Kosten dämpfen, sagte Otte. «Zum Beispiel ein Fieberkrampf ist ein erschreckendes Erlebnis für Eltern und fast immer wird der Notarzt eingeschaltet. Das ist sehr teuer. Bei einer stationären Aufnahme geht das leicht in die Tausende.» Dabei sei der Fieberkrampf an sich eine relativ häufige und harmlose Erscheinung bei Kindern. «Meist folgt später ein zweiter Fieberkrampf. Sind die Eltern gut geschult, können sie dann ein krampflösendes Zäpfchen verabreichen und so viele Kosten sparen.»

Die positiven Auswirkungen der Beratung und Schulung seien schon deutlich spürbar, sagte Otte. «Es kommt immer seltener etwa zu akuten Entgleisungen von chronischen Krankheiten wie Asthma oder Neurodermitis mit teuren Krankenhausaufenthalten. Anders als vor wenigen Jahren sehen wir heute Kinder mit ganz schlimmer Neurodermitis praktisch gar nicht mehr.» Zudem könnten die Kinder viel häufiger in ihrem gewohnten Lebensumfeld bleiben.

21.09.2011 l PZ/dpa
Foto: Fotolia/Kurhan
 

 

Das könnte Sie auch interessieren

 

 

Weitere Nachrichten

 


Nebenwirkung: Statine schützen vor Thrombose

Statine senken nicht nur die Cholesterol-Werte. Britische Forscher fanden nun eine weitere Wirkung der Präparate: Sie helfen,...



Onkologen: Daumen hoch für Biosimilars

Die European Society for Medical Oncology (ESMO) hebt in ihrem aktuellen Positionspapier die Bedeutung von Biosimilars hervor. Wie die...



USA: Neues Peptid gegen chronische Verstopfung zugelassen

Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat ein neues Medikament zur Behandlung der chronischen idiopathischen Obstipation bei Erwachsenen...



Rx-Versandverbot: EU-Kommissar zeigt sich offen

Bei seinem Gesprächsbesuch am Donnerstag im Gesundheitsausschuss des Bundestags äußerte sich der litauische EU-Kommissar

 
 

Chemotherapie: Kühler Kopf vermindert Haarausfall
Kopfhautkühlung und Kompressionstherapie: Diese beiden einfachen und wirksamen Supportiv-Maßnahmen für Krebspatienten stellte Professor Dr....

Selbstverwaltung: Kassen kritisieren Gröhe-Vorstoß
Die gesetzlichen Krankenkassen haben die von Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) geplanten Eingriffe in das Selbstverwaltungsrecht im...

Tschechien gibt grünes Licht für striktes Rauchverbot
Das Aus für eine der letzten Raucheroasen Europas ist beschlossene Sache: Das tschechische Parlament hat nach jahrelangen Debatten ein...

100. Sitzung: G-BA zieht positive Bilanz

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) kann mit seiner in den vergangenen Jahren geleisteten Arbeit zufrieden sein. Das sagte der...

NEM: Verbraucherschützer fordern Zulassungspflicht
Täglich eine Magnesiumtablette, ein paar extra Vitamine und etwas Zink soll ja auch nicht schaden: Die Einnahme von...

Cannabis auf Rezept: Bundestag stimmt zu
Menschen mit schweren Krankheiten können medizinisches Cannabis künftig auf Kassenrezept bekommen. Das hat der Bundestag heute beschlossen....

Bei Erkältung Vitamin C und Zink
Vor allem in der Erkältungssaison haben Präparate mit der Kombination Vitamin C und Zink Hochkonjunktur. Ob sie tatsächlich etwas bringen,...

Brustkrebs: Schlafstörungen vermindern Überlebenszeit
Schlafstörungen können die Lebensqualität, aber auch die Prognose von Frauen mit metastasiertem Brustkrebs beeinträchtigen und sollten...

Magnesium-Präparate: Oft viel zu hoch dosiert
Einer Stichprobe der Verbraucherzentralen zufolge sind 6 von 10 Magnesium-haltige Nahrungsergänzungsmittel überdosiert. Das teilte der...

Lunge: Feinstaub aktiviert latente Herpes-Infektion
Nanopartikel aus Autoabgasen können ruhende Herpes-Viren in der Lunge aufwecken und so einen Ausbruch der Infektion auslösen. Forscher des...

Grippewelle: Schutzimpfung für Ältere dringend empfohlen
Angesichts der starken Grippewelle in Deutschland hat der Präsident des Berliner Robert-Koch-Instituts (RKI) Menschen über 60 Jahren zur...

Jede zweite Frau und jeder vierte Mann werden älter als 85
Knapp die Hälfte aller Frauen, die 2015 in Deutschland starben, waren über 85 Jahre alt. Nur ein Viertel der verstorbenen Männer wurde so...

Therapieallergene: Endlich evidenzbasiert
Allergiker erhalten häufig eine spezifische Immuntherapie, auch Hyposensibilisierung genannt. Die dafür benötigten Therapieallergene wurden...

Wirkstoffpflaster: Vor Anwendung beraten lassen
Wer statt Tabletten zu schlucken seine Medikamente lieber per Wirkstoffpflaster zu sich nimmt, sollte sich vor der Anwendung beraten...

Stiftungen und Regierungen bilden Allianz gegen Epidemien
Zum Kampf gegen Epidemien wie Ebola oder Sars hat Microsoft-Gründer Bill Gates mit der Wellcome-Stiftung und auch der Bundesregierung eine...

Insulin plus GLP-1-Agonist: Kombipräparat zugelassen
Die EU-Kommission hat mit Suliqua® ein neues Kombinationspräparat für Typ-2-Diabetiker zugelassen. Es enthält das Basalinsulin...

Creutzfeldt-Jakob-Krankheit: Neue Variante nachgewiesen
Mehr als 20 Jahre nach dem Auftreten erster Fälle der Creutzfeldt-Jakob-Variante vCJK haben Mediziner eine neue Form der Erkrankung...

Mittelohrentzündung: Analgetika statt Antibiotika
Eine akute Entzündung des Mittelohrs ist im Kindesalter der häufigste Grund für Ohrenschmerzen. Die Erkrankung verläuft in der Regel...

Gesundheitsausschuss: EU-Kommissar beantwortet Fragen
Der EU-Kommissar für Gesundheit, Vytenis Andriukaitis (Foto), kommt am 19. Januar im Rahmen seines Berlinbesuchs auch zum Gespräch in den...

Studie: 83 Prozent glauben, dass andere sie schön finden
Viele Menschen hierzulande glauben, dass ihre Bekannten sie als attraktiv einschätzen würden. Allerdings gibt es eine große Diskrepanz...

Bindehautentzündung: Besser keine Therapie in Eigenregie
Eine Bindehautentzündung (Konjunktivitis) sollten Betroffene nicht in Eigenregie behandeln. Wie die Apothekerkammer Niedersachsen mitteilt,...

Pneumokokken: Unzureichende Impfrate
Pneumokokken-Infektionen sind keine banalen Erkrankungen. Dennoch lassen sich immer noch viel zu wenige Menschen gegen diese Erkrankungen...

Nurofen-Fiebersaft: Falsche Deklaration auf einigen Flaschen
Seit März 2016 darf Nurofen® Junior Fieber- und Schmerzsaft (40 mg/ml Suspesion zum Einnehmen) auch bei Kindern ab einem...

Noch mehr Meldungen...


PHARMAZEUTISCHE ZEITUNG ONLINE IST EINE MARKE DER

 












DIREKT ZU