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Deutscher Apothekertag: Drei Tage Pharmazie und Politik

POLITIK

 
Deutscher Apothekertag

Drei Tage Pharmazie und Politik


Von Daniel Rücker / In rund zwei Wochen beginnt der Deutsche Apothekertag in Düsseldorf. Er steht allen Apothekerinnen und Apothekern offen. Neben der Expopharm, die über neue Produkte und Dienstleistungen informiert, vermitteln die Arbeitskreise der Hauptversammlung ein Bild über die aktuelle politische Lage.

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ABDA-KBV-Konzept, Honorierung der Apotheken, regulatorischer Rahmen der Arzneimittelversorgung – es gibt keine bessere Möglichkeit, sich ein umfassendes Bild darüber zu machen, was den Berufsstand derzeit bewegt und was Politik und Marktpartner davon halten, als den Deutschen Apothekertag. Der findet dieses Jahr vom 6. bis zum 8. Oktober im CCD Süd der Messe Düsseldorf statt. Parallel dazu, aber einen Tag länger, öffnet die größte pharmazeutischen Fachmesse, die Expopharm, ihre Tore. Es werden deutlich mehr als 20 000 Besucher erwartet.




Der Deutsche Apothekertag findet in diesem Jahr vom 6. bis 8. Oktober in Düsseldorf statt, die Expopharm ist bis zum 9. Oktober geöffnet.

Foto: PZ/Müller


Bereits zur Eröffnung des Apothekertags am 6. Oktober um 13 Uhr haben sich namhafte Politiker angesagt. Unter anderem werden die nordrhein-westfälische Gesundheitsministerin Barbara Steffens, die parlamentarische Staatssekretärin im Bundesgesundheitsministerium, Annette Widmann-Mauz (CDU), sowie Vertreter der Bundestagsparteien erwartet.

 

Fester Bestandteil der Eröffnung ist der Bericht zur politischen Lage vom Präsidenten der ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände, Heinz-Günter Wolf. In seiner Rede geht Wolf auf alle wesentlichen Entwicklungen der vergangenen zwölf Monate und auf die Perspektiven für das kommende Jahr ein. Der Lagebericht ist eine gute Gelegenheit, den anwesenden Politikern erstrebenswerte und riskante Entwicklungen in der Gesundheitspolitik zu verdeutlichen. Nach der Eröffnung folgt die Plenarsitzung mit dem Bericht von ABDA-Hauptgeschäftsführer Dr. Sebastian Schmitz.




ABDA-Präsident Heinz-Günther Wolf berichtet über die politischen Entwicklungen.

Eine detaillierte Sicht auf die wichtigsten aktuellen Themen bieten die drei Arbeitskreise des Deutschen Apothekertags. Am Vormittag des 7. Oktober diskutiert ABDA-Geschäftsführer Professor Dr. Martin Schulz mit hochrangigen Vertretern von Apotheker- und Ärzteschaft sowie den Krankenkassen über das wichtigste Zukunftsthema der Arzneimittelversorgung, das Konzept von ABDA und Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV). »In der Arzneimittelversorgung der Zukunft kooperieren Apotheker mit Ärzten eng und kollegial, um die Qualität der Arzneimittelversorgung für die Patienten zu erhöhen. Die kognitiven heilberuflichen Leistungen von Apothekern und Ärzten werden anerkannt und entsprechend honoriert«, beschreibt Schulz der Pharmazeutischen Zeitung das Modell für die Arzneimittelversorgung.

 

Das ABDA-KBV-Konzept haben Ärzte und Apotheker in einem intensiven Dialog ausgearbeitet. Ziel ist es, Arzneimittelrisiken zu verringern, die Therapietreue zu steigern, die Qualität der Arzneimittelversorgung zu verbessern und gleichzeitig Kostendämpfungspotenziale zu erschließen. Die Ankündigung der Koalitionsfraktionen, das Konzept zu erproben und dies im Versorgungsstrukturgesetz festzuschreiben, gibt dem Arbeitskreis zusätzliche Aktualität und Relevanz. Diskutanten sind KBV-Vorstand Dr. Carl-Heinz Müller, die Chefin der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Thüringen, Regina Feldmann, Uwe Deh aus dem Vorstand des Bundesverbands der Allgemeinen Ortskrankenkassen und ABDA-Vizepräsident Friedemann Schmidt.

 

Kontroverse Diskussionen

 

Nach zwei Einführungsreferaten von Müller und Schmidt folgt die Diskussion des Versorgungskonzepts. Die Beteiligung des Auditoriums ist geplant. Schulz erwartet insgesamt eine konstruktive Debatte, aber nicht unbedingt einen schnellen Konsens mit allen Beteiligten: »Alle Innovationen werden zunächst kontrovers diskutiert; dies geschieht aber hoffentlich offen. ABDA und KBV haben ausführlich begründet, dass dies ein bundesweites, kassenübergreifendes Konzept sein muss. Es kann nicht sein, dass Ärzte und Apotheker Patienten abhängig von der Art der Krankenkasse versorgen und behandeln müssen. Wenn man sich das ABDA-KBV-Konzept unvoreingenommen und im Detail ansieht, wird offensichtlich, dass es zu einer Verbesserung der Arzneimittelversorgung bei verminderten Kosten führt. Hiervon werden alle Beteiligten, insbesondere multimorbide Patienten, aber auch alle Krankenkassen, profitieren.«




DAV-Vorsitzender Fritz Becker diskutiert in Düsseldorf mit Politikern.

Fotos: PZ/Müller


ABDA-Geschäftsführer Schulz hält das Thema für extrem wichtig. Im Zentrum stehe die strukturelle Bedeutung der Apotheker im Gesundheitswesen. »Für die Apotheker geht es darum, dass ihre kognitiven Leistungen als Heilberufler anerkannt und natürlich auch honoriert werden. Zudem führt die intensivere Zusammenarbeit zwischen Arzt und Apotheker zu einer verbesserten Kommunikation zwischen den Berufsgruppen, was für die Arzneimitteltherapiesicherheit unerlässlich ist.« Außerdem stehe das Medikationsmanagement für mehr patientenbezogenene pharmazeutische Tätigkeiten in den Apotheken. Dies steigere die Attraktivität des Apothekerberufes. Schulz hofft, dass viele Offizinapotheker an dem Arbeitskreis teilnehmen, sie entschieden über die Zukunft des Vorhabens. Schulz: »Das Konzept in die Praxis umsetzen können nur die Offizinapotheker, zusammen mit den (Haus-)Ärzten. Von der konkreten Umsetzung vor Ort, in der täglichen Praxis wird letztendlich der Erfolg des ABDA-KBV-Konzepts abhängen.«

 

Die Zukunft der Versorgung

 

Am Nachmittag des 7. Oktobers findet der zweite Arbeitskreis statt. In diesem diskutieren die ABDA-Geschäftsführer Dr. Christiane Eckert-Lill und Lutz Tisch ebenfalls über die Zukunft der Arzneimittelversorgung, allerdings mit Blick auf den regulatorischen Rahmen. Dass Apotheker dessen Entwicklung nicht immer als segensreich empfinden, verdeutlicht bereits der Titel des Arbeitskreises: »Die Apotheke zwischen Fortentwicklung und Experiment«. Tisch lässt keinen Zweifel: »Nicht alles, was als Fortentwicklung der Arzneimittelversorgung durch Apotheken auf den Weg gebracht wird und wurde, hat das System gestärkt.« In dem Arbeitskreis wird es deshalb vor allem um die Konsequenzen für die Arzneimittelversorgung früherer und kommender ordnungspolitischer Eingriffe gehen. Eckert-Lill: »Nichts ist so gut, dass es nicht noch besser werden könnte, aber nicht jede Änderung führt auch zu einer Verbesserung. Also wollen wir ein Stück weit klären, welche Mechanismen ein Apothekenwesen zum Wohle des Patienten ausmachen und was wir darauf sinnvoll aufbauend verbessern können.«

 

Diskutieren werden Tisch und Eckert-Lill mit Ministerialdirektor Dr. Erhard Schmidt, Leiter der für das Apothekenwesen im Bundesgesundheitsministerium zuständigen Abteilung für Arzneimittel, Medizinprodukte, Biotechnologie sowie mit Dr. Klaus Kreuschner, der in Sachsen-Anhalt oberster Beamter für das Apothekenwesen im Ministeriums für Arbeit und Soziales ist. Die Sicht der Apotheker werden zwei Frauen vertreten, nämlich Jutta Rewitzer, Vizepräsidentin der Bayerischen Landesapothekerkammer und Erika Fink, Präsidentin der Bundesapothekerkammer und der Hessischen Landesapothekerkammer.

 

Warum gerade diese Mischung auf dem Podium Garant für eine spannende und inhaltsstarke Diskussion ist, erklärt Eckert-Lill: »Sieht man einmal von der politischen Ebene ab, die vielfältige und nicht immer kompatible Vorstellungen zur Entwicklung des Apothekenwesens vertritt, so stehen uns mit den erfahrenen Vertretern der Ministerien wesentliche Berater der Politiker auf Bundes- und Landesebene zur Verfügung. Ihr Grundverständnis von der Zukunft der Apotheken ist deshalb interessant und wichtig. Unter ihrer Verantwortung wird nicht zuletzt auch der mehrheitlich gebildete politische Wille in die Praxis umgesetzt, den unsere stellvertretend für die Berufspraxis diskutierenden Apothekerinnen ebenso umzusetzen haben, wie die Delegierten und Gäste der Hauptversammlung.«

 

Ausreichend Raum wird in dem Arbeitskreis auch die Beantwortung der Frage bekommen, wie viel Markt das Gesundheitswesen verträgt. Tisch sieht gerade in diesem Kontext einige Beispiele für weniger gelungene Änderungen am regulatorischen Rahmen: »Entgegen der freiberuflichen Grundkonzeption des Heilberufs Apotheker wurden und werden zunehmend ökonomische Wettbewerbsparameter gestärkt, die Leitmotive für die Berufsausübung beeinflussen. Preiswettbewerb, konkurrierende Regelversorgungskonzepte wie der Versandhandel mit allen seinen Auswüchsen und zunehmender Kostendruck überlagern mehr und mehr den pharmazeutischen Auftrag.« Eine sichere und qualitativ hochwertige Arzneimittelversorgung könne nur dann Zweck des Apothekenwesens bleiben, wenn die Pharmazie eine tragende Bedeutung behalte und die Pharmazeuten in den Apotheken ausreichend Luft zum Atmen hätten.

 

Keine Frage, dass auch dieser Arbeitskreis keine geschlossene Veranstaltung der Apothekertagsdelegierten bleiben sollte, denn hier werden Themen diskutiert, die für die Zukunft der Apotheken elementar sind. Tisch: »Apothekerinnen und Apotheker haben diesen Beruf in der Erwartung gewählt, darin Herausforderung, Erfüllung und Existenzgrundlage zu finden. Inwieweit dies auch morgen noch gelingt, hängt von den Entscheidungen ab, die heute getroffen werden. Wie sie ausfallen, hängt vom Bewusstsein eines jeden Verantwortlichen in Politik, Verwaltung und in den Apotheken ab. Dieses wird geprägt durch meinungsbildende Diskussionen für die gerade ein Apothekertag eine hervorragende Kulisse bietet.«

 

Gesundheitspolitik aktuell

 

Der dritte Arbeitskreis des Apothekertags trifft sich am Samstag. Der Vorsitzende des Deutschen Apothekerverbands (DAV), Fritz Becker, und das Mitglied des geschäftsführenden ABDA-Vorstandes, Karin Graf, werden mit Politikern der im Bundestag vertretenen Parteien diskutieren. Bereits zugesagt haben Jens Spahn (CDU), Heinz Lanfermann (FDP) und Kathrin Vogler (Die Linke). Die gesundheitspolitische Lage dürfte als Basis für eine intensive und kontroverse Debatte ausreichen.

 

Der Deutsche Apothekertag ist eine berufsöffentliche Veranstaltung. Die kostenlose Teilnahme an der Hauptversammlung steht allen Apothekerinnen und Apothekern offen.  /



Beitrag erschienen in Ausgabe 38/2011

 

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