Die Zeitschrift der deutschen Apotheker

 

Pharmazeutische Zeitung

 

PTA-Forum

 

PZ-Akademie

 

DAC/NRF

 

Tumoren: Neue Indikationen für Everolimus

NACHRICHTEN

 
Tumoren: Neue Indikationen für Everolimus
 


Die europäische Arzneimittelbehörde hat die Zulassung für das Krebstherapeutikum Everolimus erweitert. Das Präparat Afinitor® kommt in Zukunft auch bei pankreatischen neuroendokrinen Tumoren zum Einsatz, einer Sonderform von Bauchspeicheldrüsenkrebs. Unter dem Namen Votubia® stellt es zudem künftig die erste medikamentöse Alternative zu einer Hirnoperation bei einem subependymalen Riesenzellastrozytom dar.

Neuroendokrine Tumoren mit Ursprung in der Bauchspeicheldrüse, auch Inselzelltumoren genannt, gelten als selten. Afinitor konnte in einer Phase-III-Studie die Zeit ohne Tumorwachstum im Vergleich zu Placebo von 4,6 auf 11,0 Monate mehr als verdoppeln. Das Progressionsrisiko sank um 65 Prozent.

Das subependymale Riesenzellastrozytom (SEGA) ist ein gutartiger Tumor, der fast nur bei Patienten mit tuberöser Sklerose auftritt. 1 bis 2 Millionen Menschen weltweit sind von dieser Erbkrankheit betroffen. In Europa tritt sie bei etwa 9 von 100 000 Einwohnern auf. Jeder fünfte Patient entwickelt ein subependymales Riesenzellastrozytom Trotz seiner Gutartigkeit kann der Tumor zu lebensgefährlichen Hirnschwellungen führen. Votubia ist zugelassen für Erwachsene und Kinder ab 3 Jahren mit SEGA, bei denen eine Operation nicht in Frage kommt. In einer Phase-II-Studie mit 28 Patienten konnte der Arzneistoff bei rund 80 Prozent der Probanden die Tumorgröße um mehr als 30 Prozent reduzieren. Ob auch andere Krankheitssymptome positiv beeinflusst werden, wurde bislang nicht untersucht.

Everolimus zielt auf das Protein mTOR. mTOR ist an der Regulation der Tumorzellteilung, am Wachstum von Blutgefäßen und am Zellmetabolismus beteiligt. Bei Patienten mit tuberöser Sklerose ist aufgrund eines genetischen Defekts die mTOR-Aktivität erhöht. Everolimus steuert hier gegen. Auch andere Krebsarten stehen in Zusammenhang mit einer gesteigerten mTOR-Aktivität.

Afinitor ist in der EU bislang zugelassen zur Behandlung von Patienten mit fortgeschrittenem Nierenzellkarzinom, wenn bestimmte andere Therapien fehlgeschlagen sind. Everolimus ist außerdem als Certican® zur Verhinderung von Abstoßungsreaktionen nach Organtransplantionen auf dem Markt. (db)

Mehr zum Thema Everolimus (Rubrik Arzneistoffe)

14.09.2011 l PZ
Foto: Fotolia/Andrea Danti
 

 

Das könnte Sie auch interessieren

 

 

Weitere Nachrichten

 


Hitzewelle: DLRG warnt vor Sprung ins kalte Wasser

Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) rechnet wegen der Hitzewelle mit einem Anstieg der Einsätze zur Rettung Ertrinkender....



E-Health: Kassenärzte in Sorge um Datensicherheit

Heute befasst sich der Bundestag in erster Lesung mit dem sogenannten E-Health-Gesetz. Dies ist Anlass für die Kassenärzte, erneut die...



Sport: Zu viel trinken schadet

Wer beim Sport zu viel trinkt, läuft Gefahr, eine unter Umständen lebensbedrohliche Hyponatriämie zu entwickeln. Zu dieser Erkenntnis kam...



Viagra: Behörde warnt vor Fälschungen

Gefälschtes Viagra (Sildenafil) ist möglicherweise in die legale Vertriebskette gelangt. Davor warnt das Bundesinstitut für Arzneimittel...

 
 

Mukoviszidose: Neues Kombipräparat in den USA
Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat ein neues orales Kombinationspräparat zur Behandlung von Patienten mit Mukoviszidose zugelassen. Das...

Intensivstation: Uniklinik Münster testet neues Raumkonzept
Die Universitätsklinik Münster will mit einem neuen Raumkonzept Intensiv-Patienten vor zu vielen Eindrücken von außen schützen. In einem...

Mukoviszidose: Gentherapie mit moderatem Erfolg
Einen neuen, gentherapeutischen Ansatz zur Behandlung von Patienten mit Mukoviszidose haben britische Forscher in einer Phase-II-Studie...

Arzneimittel-Informationen: Vorlese-Service für Blinde
Die vier großen Pharmaverbände VFA, Pro Generika, BAH und BPI bieten für blinde und sehbehinderte Patienten einen neuen Service an: Für sie...

Asylbewerber: Parteien streiten um Krankenversicherung
In der Diskussion um den Krankenversicherungsschutz für Asylbewerber sind sich die politischen Parteien uneins. Momentan können...

Skandal um Brustimplantate: TÜV muss doch nicht zahlen
Der TÜV Rheinland muss im Skandal um minderwertige Brustimplantate in Frankreich doch nicht haften. Ein französisches Berufungsgericht hat...

Gebildete Mütter stillen öfter
Jedes dritte Baby in Deutschland wird mindestens vier Monate lang voll gestillt – doch von diesem Startvorteil profitieren vor allem Kinder...

Schweinegrippe-Impfung kann Narkolepsie auslösen
Dutzende zusätzliche Narkolepsie-Fälle vor allem bei Kindern und Jugendlichen wurden nach der Schweinegrippe-Impfung mit Pandemrix...

Hitzschlag und Sonnenstich: Fallzahlen schwanken stark
Ein heißer Sommer kann die Zahl der Patienten mit Hitzschlag oder Sonnenstich in deutschen Krankenhäusern schnell verdoppeln. Wurden im...

E-Health-Gesetz: Bundesrat will Apotheker einbinden
Der Bundesrat drängt auf eine stärkere Einbindung der Apotheker in das geplante E-Health-Gesetz. Die in der Novelle vorgesehenen...

Ambrosia-Pollen: Adenosin verstärkt Allergie
Das bisher bekannte Hauptallergen des Beifußblättrigen Traubenkrauts (Ambrosia artemisiifolia) wirkt nur in Kombination mit Adenosin stark...

Tresiba: Ab Oktober nur noch als Import
Apotheker können das Basalinsulin Insulin degludec (Tresiba®) von Novo Nordisk ab Oktober nur noch als Import beziehen. Das hat...

Fasten im Ramadan: Vorsicht bei Kindern und Jugendlichen
Nach Ansicht des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte sollte ganztägiger Verzicht auf Essen und Trinken bei Heranwachsenden tabu...

Rückschlag in Liberia: Wieder neue Ebola-Fälle
Wenige Tage nach Bekanntwerden eines neuen Ebola-Falls in Liberia sind in dem westafrikanischen Land zwei weitere Menschen an dem Virus...

ABDA zieht in die Nähe des Hauptbahnhofs
Die ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände wird ihre Geschäftsstelle in die unmittelbare Nähe des Berliner Hauptbahnhofs...

Muttermilch nicht über das Internet beziehen
Experten haben vor dem Bezug fremder Muttermilch über Internet-Kontaktbörsen gewarnt. Das gesundheitliche Risiko für den Säugling sei zu...

Noch mehr Meldungen...