Die Zeitschrift der deutschen Apotheker

 

Pharmazeutische Zeitung

 

PTA-Forum

 

PZ-Akademie

 

DAC/NRF

 













DIREKT ZU

 


NACHRICHTEN

 
ABDA-KBV-Konzept: Modellregionen im Wettbewerb
 
ABDA-KBV-Konzept: Modellregionen im WettbewerbDie Bemühungen von Union und FDP, das ABDA-KBV-Konzept noch in die laufende Gesetzgebung zu integrieren, gehen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) nicht weit genug. KBV-Vorstand Carl-Heinz Müller freut sich zwar darüber, dass die Bundesregierung die von Ärzten und Apothekern entwickelte Arzneimittelversorgung in einem Modellvorhaben testen will. Einen Test hält er aber für zu wenig. Ärzte und Apothekern wollten ihr Modell möglichst schnell in die Regelversorgung übernehmen. Müller wünscht sich deshalb einen Wettbewerb mehrerer Modellregionen. So könnten die notwendigen Erkenntnisse schneller gewonnen werden und die Verbesserung der Arzneimittel­therapiesicherheit müsse nicht auf Jahre hinausgeschoben werden.

Der KBV-Vorstand machte deutlich, dass sich die Ärzte vom ABDA-KBV-Modell auch das Ende der Richtgrößenprüfung und eine Ende der Regresse versprechen. Das sei bislang nicht umsetzbar. Zwar sehe der Änderungsantrag der Koalition die Ablösung vor, dem stehe aber das Sozialgesetzbuch V entgegen. Solange die Regierung dieses Problem nicht löse, werde sie ihr Ziel, mit dem Versorgungsstrukturgesetz den Arztberuf wieder attraktiver zu machen, nicht erreichen.

Unterdessen bringen sich Generikahersteller und der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) gegen das ABDA-KBV-Konzept in Stellung. Beim Kassenverband begreift man es schon als Ungeheuerlichkeit, dass ein Modell getestet werden soll, bei dem die Kassen nicht federführend sind. Vorstand Johann-Magnus von Stackelberg: «Es ist geradezu absurd, dass über ein für die Kassen verpflichtendes Modellvorhaben die wirtschaftliche Wirkstoffverordnung  und -abgabe getestet werden soll.» Der Änderungsantrag sei «ein Geschenk für Ärzte und Apotheker, das nur darauf abstellt, die Einnahmen beider Berufsgruppen zu maximieren». 

Der Gesetzgeber sollte Ärzte und Apotheker lieber dazu verpflichten, die bereits vorhandenen Instrumente zu einer wirtschaftlichen Arzneimittelversorgung zu nutzen, anstatt ihnen neue Einkommensmöglichkeiten zu erschließen. In Zeiten, in denen Krankenkassen Zusatzbeiträge erheben müssten, seien solche Geschenke an Leistungserbringer inakzeptabel.

Pro-Generika-Geschäftsführer Bork Bretthauer verbeißt sich bei seiner Stellungnahme in den Medikationskatalog, den er mit Listenmedizin gleichsetzt. Für eine individuelle Behandlung der Patieten brauche es ärztliche Therapiefreiheit anstelle «pauschaler Listenmedizi«, sagt Bretthauer, ohne zu konkretisieren, inwieweit das ABDA-KBV-Modell die Auswahlmöglichkeiten stärker einschränkt, als dies heute ohnehin der Fall ist. Tatsächlich dürfte der Industrie vor allem die Wirkstoffverordnung ein Dorn im Auge sein, die ihre bisherigen Marketingstrategie konterkarriert. (dr)

Lesen Sie dazu auch
Grünen-Sprecherin für Medikationskatalog, Meldung vom 12.09.2011
ABDA-KBV-Konzept: Industrie gegen «Kochbuchmedizin», Meldung vom 12.09.2011

13.09.2011 l PZ
Foto: Fotolia/victoria p
 

 

Das könnte Sie auch interessieren

 

 

Weitere Nachrichten

 

Herceptin: Fälschung entfacht Diskussion um Sicherheit

Der Chef der Initiative Securpharm, Martin Bergen, fordert, noch mehr für den Schutz der legalen Arzneimittel-Lieferwege zu tun. «Fälscher...

Herceptin-Fälschungen auch in Deutschland

Auch in Deutschland sind Fälschungen des Krebsmedikaments Herceptin in den Handel gekommen. Darüber informiert das Paul-Ehrlich-Institut...

Verfassungsgericht: Pflege ist nicht gleich Pflege

Wer ein Familienmitglied zu Hause pflegt, hat keinen Anspruch auf die gleich hohe Leistung wie sie externen Pflegehilfen gewährt wird. «Der...

Fälschungen: Auch Alimta und Humatrope betroffen

Nach dem Medikamenten-Diebstahl in Italien sind offenbar nicht nur gefälschte Herceptin®-Verpackungen in Verkehr gekommen,...

 
 

Turoctocog-alfa: IQWiG senkt Daumen, Hersteller widerspricht
Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat dem neuen rekombinanten Blutgerinnungsfaktor VIII...

Crystal Meth: Konsum weiter gestiegen
Der Konsum der stark süchtig machenden Modedroge Crystal Meth ist in Deutschland im achten Jahr in Folge gestiegen. Das geht aus neuen...

BfArM ruft MCP zurück
Metoclopramid-Tropfen (MCP) mit einem Wirkstoffgehalt von mehr als 1 mg/ml sind ab sofort nicht mehr verkehrsfähig. Das Bundesinstitut für...

Qualität im Fokus: Bund und Länder starten Klinikreform
Bund und Länder wollen die Krankenhäuser in Deutschland zu höherer Qualität drängen und mit mehr Geld für das Personal unterstützen. Das...

Stressstudie: Viele Manager fühlen sich abgearbeitet
Leitende Angestellte haben einer neuen Studie zufolge den höchsten Stressfaktor. Acht von zehn Managern fühlen sich gestresst, drei von...

EMA warnt vor gefälschtem Herceptin
Die europäische Arzneimittelbehörde EMA warnt in einer Pressemitteilung vor Fälschungen des Krebsmedikaments Herceptin®, die in...

Schmerztherapie: Antidepressiva nicht vergessen!
Nicht jeder Patient, der mit einem Rezept über ein Antidepressivum in die Apotheke kommt, leidet an einer Depression. Antidepressiva haben...

Forschung: Wie Babys Denken lernen
Mit ausgeklügelten Tests erkunden Entwicklungspsychologen aus Greifswald in einem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten...

Biotech: Steuerbefreiung für Investitionen gefordert
Nach dem Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI) haben nun weitere Biotechnologie-Experten Steuer­erleichte­rungen bei...

EU: Neue Regeln zu Medikamententests beschlossen
Pharma-Firmen sollen künftig leichter grenzüberschreitende Medikamententests in Europa machen können. Entsprechende Regeln beschlossen die...

Feinstaub: Hohe Belastung in Ostdeutschland
Das Umweltbundesamt (UBA) warnt vor hoher Feinstaub-Belastung in deutschen Städten. Schon jetzt zeichnet sich ab, dass die Grenzwerte an...

Nachtdienstverbot ist kein Kündigungsgrund
Angestellten darf nicht gekündigt werden, weil sie aus gesundheitlichen Gründen keinen Nachtdienst leisten können. Das hat das...

Noch mehr Meldungen...