Die Zeitschrift der deutschen Apotheker

 

Pharmazeutische Zeitung

 

PTA-Forum

 

PZ-Akademie

 

DAC/NRF

 

Verfalldatum: Mehr als nur eine Empfehlung












DIREKT ZU

 


NACHRICHTEN

 
Verfalldatum: Mehr als nur eine Empfehlung
 


Die Einnahme von Medikamenten nach Überschreiten ihres Verfalldatums kann riskant sein. Unwirksamkeit oder schädliche Nebenwirkungen sind möglich. Das gilt für alle Medikamente. Denn Qualitätsmängel sind nicht in allen Fällen äußerlich erkennbar. Der Sender SAT.1 nimmt es dagegen nicht so genau und riet in einem Bericht am Dienstagabend, «Verfalldaten als Empfehlung zu betrachten». Zwar solle man den Zustand der Medikamente im Auge behalten, keine Silbe aber dazu, dass über zerbröckelte Tabletten und gerissene Drageeüberzüge hinaus Qualitätsmängel möglich sind. Was ist zum Beispiel mit der mikrobiologischen Unbedenklichkeit, etwa von Ophthalmika, fragt man sich und wundert sich auch über die Bestätigung der Aussagen durch den Apotheker Professor Dr. Gerd Glaeske von der Universität Bremen. Jedoch sind bei Weitem nicht alle Kollegen einer Meinung mit ihm.

Apotheker Professor Dr. Theo Dingermann von der Universität Frankfurt am Main sagt zum Beispiel: «Eine Haltbarkeitsangabe zu einem Arzneimittel ist keineswegs eine Kennzeichnung, die auf eine Verpackung aufgedruckt wurde, weil dort noch Platz war. Im Gegenteil: Diese Angabe ist Teil der Zulassung des Arzneimittels, und sie basiert auf umfangreichen experimentellen Daten. Die Relevanz und Verbindlichkeit dieser Angabe ist daran erkennbar, dass nach dem Arzneimittelgesetz ein Arzneimittel die Verkehrsfähigkeit unter anderem dann verliert, wenn das Verfalldatum überschritten ist.» Somit sei ein Geschäftsmodell, wie es unter dem Etikett «Nobody is perfect» für Designer realisiert ist, bei Arzneimitteln aus gutem Grund nicht möglich. Zweite-Wahl-Arzneimittel gebe es nicht und dürfe es auch nicht geben. «Wenn ein von den Medien stark nachgefragter Arzneimittelexperte die Relevanz des Verfalldatums relativiert, wird dies von vielen Menschen so verstanden, dass man diese Angabe tatsächlich auch ignorieren kann. Aus pharmazeutischer Sicht ist dies völlig inakzeptabel und aus rechtlicher Sicht derzeit auch nicht haltbar», sagt Dingermann. (ss)

09.09.2011 l PZ
Foto: Fotolia/by-studio
 

 

Das könnte Sie auch interessieren

 

 

Weitere Nachrichten

 


Betriebsärzte: Prävention statt Frühverrentung

Mit Blick auf den Fachkräftemangel und immer älter werdende Arbeitnehmer fordern Betriebsärzte mehr Vorbeugung in den Unternehmen. «Leider...



Diclofenac: Kanada senkt maximale Tagesdosis

Die kanadische Gesundheitsbehörde (Health Canada) hat die empfohlene Maximaldosis aller systemischen Diclofenac-Darreichungsformen von 150...



dm: Plus beim Umsatz, Minus bei Pick-up

Die Drogeriemarktkette dm hat auch das Geschäftsjahr 2013/2014 mit positiven Zahlen abgeschlossen. In Deutschland setzte das Unternehmen...



Deutschland: Maximal 10 Ebola-Fälle gleichzeitig behandelbar

In Deutschland können weniger Ebola-Patienten aufgenommen werden als gedacht. Zwar gibt es nach Angaben des Robert-Koch-Instituts sieben...

 
 

Tröster und Zuhörer: Tiere als Therapeuten
Tiere haben positive Auswirkungen auf die Gesundheit. Um diese Aussage wissenschaftlich zu belegen, begleitet die Medizinische Hochschule...

Studie in Bayern: «Gesund leben in der Schwangerschaft»
Übergewicht in der Schwangerschaft vermeiden und die Gesundheit von Mutter und Kind stärken: Dies sind Ziele des Kooperationsprojekts...

Prognose bestätigt: Zusatzbeitrag beträgt 0,9 Prozent
Obwohl der allgemeine Beitragssatz in der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) im Januar von derzeit 15,5 Prozent auf dann 14,6 Prozent...

Zusätzliche fünf Millionen für Ebola-Forschung
Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) stellt weitere Mittel in Höhe von mehr als fünf Millionen Euro für die...

EU: Litauer ist neuer Gesundheitskommissar
Vytenis Andriukaitis (Foto) ist neuer EU-Kommissar für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit. Das Europäische Parlament in Straßburg...

Ebola: Bald erste Impfstoff-Tests auch in Hamburg
Zwei Impfstoffe gegen Ebola werden bereits an Menschen getestet. In Tierversuchen hätten beide einen hundertprozentigen Schutz gezeigt,...

Adipositas: Expertin sieht Politik in der Pflicht
Einen energischeren Kurs der Politik gegen die wachsende Fettleibigkeit der Deutschen hat die Expertin Professor Martina de Zwaan...

WHO: Zahl der Tuberkulose-Toten nicht akzeptabel
Etwa 1,5 Millionen Menschen sind nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) im vergangenen Jahr trotz aller medizinischen...

GlaxoSmithKline: Gewinn-Plus durch Sparkurs
Der britische Pharmakonzern GlaxoSmithKline (GSK) hat im dritten Quartal vor allem dank seines strikten Sparkurses mehr verdient als ein...

Nutzenbewertung: Linke für Nachbesserung des AMNOG
Die Linkspartei hakt bei der Bundesregierung wegen einer eventuellen Nachbesserung am Arzneimittelmarkt-Neuordnungsgesetz (AMNOG) nach....

DRK: Zahl der Ebola-Helfer reicht nicht aus
Nach Angaben des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) haben sich für den freiwilligen Einsatz in den Ebola-Gebieten bislang nur wenige Helfer...

Union will Sport auf Rezept
Als Alternative zu Medikamenten will die Union künftig auch Sportkurse auf Rezept verschreiben lassen. «Es muss nicht immer ein...

Münster: Uniklinik jetzt mit Musikerambulanz
Bei Versagen der Stimme, Hörschäden oder Lampenfieber bietet die Uniklinik Münster für Musiker jetzt eine Ambulanz an. Das Angebot richtet...

Deutsche sind von Zeitumstellung genervt
Wenn am kommenden Sonntag das jährliche Zurückdrehen der Uhren ansteht, werden viele Bundesbürger dieser Pflicht nur widerwillig...

Krankenhäuser: Ersatzkassen verlangen umfassende Reform
Die Ersatzkassen haben eine umfassende Reform der Krankenhausstruktur gefordert. Qualität und Erreichbarkeit müssten im Mittelpunkt einer...

E-Zigaretten: Oft getestet, doch kaum einer bleibt dabei
Obwohl fast jeder Deutsche E-Zigaretten kennt und immer mehr diese testen, werden sie von fast niemandem dauerhaft verwendet. Zu diesem...

Noch mehr Meldungen...