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Mückenstiche: Blut für den Nachwuchs

MEDIZIN

 
Mückenstiche

Blut für den Nachwuchs


Von Annette Mende / Sie sind nur wenige Millimeter groß, und doch haben die kleinen Plagegeister schon so manchen Campingurlauber zur Verzweiflung gebracht. Stechmücken und ihre Hinterlassenschaften in Form von juckenden Quaddeln sind lästiges Beiwerk lauer Sommerabende. Die meisten Mückenstiche sind harmlos, doch es gibt Ausnahmen.

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Stechmücken, lateinisch Culicidae, sind auf der ganzen Welt verbreitet. Insgesamt gibt es mehr als 3000 Arten, von denen 105 in Mitteleuropa vorkommen. Der Name Moskito leitet sich aus dem Spanischen her und bedeutet wörtlich »kleine Fliege«. Nur die weiblichen Mücken stechen und saugen das Blut von Säugetieren und Vögeln, aber auch wechselwarmen Tieren. Zu diesem Zweck sind ihre Mundwerkzeuge zu einem langen Stechrüssel (Proboscis) ausgeformt. Männliche Mücken stechen nicht. Sie haben federartige Antennen und ihre Mundwerkzeuge können die Haut nicht durchdringen. Sowohl Männchen als auch Weibchen ernähren sich von Nektar. Das Blut, das die weiblichen Tiere saugen, dient als Proteinquelle für die Eireifung. Dazu reichen sehr kleine Mengen aus: Pro Stich saugt eine Stechmücke nur zwischen 0,001 und 0,01 Milliliter Blut.




Stechmücke der Art Culex quinquefasciatus beim Blutsaugen. Diese Mücken können den Erreger des West-Nil-Virus übertragen.

Foto: CDC/Gathany


Stechmücken legen ihre Eier in stehenden, nährstoffreichen Gewässern ab, wo die Larven innerhalb von 4 bis 14 Tagen heranwachsen, bevor sie sich verpuppen und eine Metamorphose zum ausgewachsenen Moskito durchmachen. Die meisten Stechmücken leben nur zwei bis drei Wochen, einige überwinternde Arten können aber auch bis zu sechs Monate alt werden.

 

»Süßes Blut« gibt es nicht

 

Auf der Suche nach einer Blutquelle orientieren sich Mückenweibchen an dem vom potenziellen Opfer ausgeatmeten Kohlendioxid. Das Gas kann Stechmücken über eine Distanz von bis zu 35 Metern anlocken. Anders als vielfach angenommen, werden Mücken also nicht vom Licht angezogen. Einmal in der Nähe des Opfers angekommen, sind andere Stimuli wichtiger als CO2. So finden Stechmücken bestimmte Körpergerüche attraktiv, etwa die nach Schweiß und Milchsäure, aber auch Wärme und Bewegung. Kurioserweise zieht sowohl der Duft von Limburger Käse Moskitos an als auch der von ungewaschenen Füßen. Letzteres wollen Forscher aus Tansania jetzt zur Bekämpfung von Malariamücken nutzen (siehe Kasten).

 

Der Mythos, dass manche Menschen »süßes Blut« haben und deshalb häufiger von Mücken geplagt werden als andere, hält sich hartnäckig, entbehrt aber einer wissenschaftlichen Grundlage. Allerdings werden Frauen tatsächlich öfter von Mücken gestochen als Männer, was aber weniger an der Süße ihres Blutes liegt als vielmehr an der unterschiedlichen Hormon­ausstattung der Geschlechter. Ein weiterer Irrglaube ist, dass der Verzehr bestimmter Lebensmittel wie Knoblauch oder Vitamin B12 Stechmücken auf Distanz hält. Biertrinken erhöht dagegen die Attraktivität für Moskitos wie auch der Duft mancher Parfums.


Mit stinkenden Socken Malariamücken fangen

Ein nach stinkenden Socken riechendes Gerät soll afrikanische Malariamücken anziehen und vernichten. Der Apparat mit künstlichen Duftstoffen soll künftig neben altbewährten Methoden wie Moskitonetzen und Repellenzien Schutz vor Malaria bieten, teilte die Nichtregierungsorganisation Grand Challenges Canada mit. Bereits seit Längerem ist bekannt, dass weibliche Malariamücken mit Vorliebe in die Füße stechen. Bakterien, die die Füße besiedeln, produzieren verschiedene Geruchsstoffe, die Mücken anziehen. Fredros Okumu vom Ifakara Health Institute in Tansania machte sich diese Erkenntnisse zunutze. Den Geruch stinkender Socken stellten Wissenschaftler des Instituts synthetisch her. Einen damit befüllten Apparat können Familien vor dem Haus aufstellen, um Mücken von den Schlafstätten wegzulocken. (db)


Hat die Mücke eine geeignete Stelle zum Blutsaugen gefunden, durchsticht sie mit ihrem Stechrüssel die Haut, injiziert etwas Speichel, punktiert ein Kapillargefäß und pumpt anschließend Blut in ihr Abdomen. Der Speichel der Mückenweibchen enthält einen Cocktail aus verschiedenen Proteinen, die dazu dienen, den Stich selbst und das anschließende Blutsaugen möglichst schnell und vom Opfer unbemerkt geschehen zu lassen. Neben einem Lokalanästhetikum sind das vor allem gerinnungs- und Plättchenaggregations-hemmende sowie vasodilatierende Substanzen. Daneben wurden Lysozyme und andere antibakteriell wirksame Stoffe gefunden. Diese dienen wahrscheinlich dazu, das Bakterienwachstum im zuckerhaltigen Nektar in Schach zu halten, von dem Stechmücken sich ernähren. Die Funktion vieler in Mückenspeichel enthaltener Proteine ist bislang noch unbekannt.

 

Systemische Reaktionen sind selten

 

Mit dem Speichel können bestimmte Stechmücken Krankheitserreger von Tieren oder Menschen auf ihr nächstes Opfer übertragen. Dazu gehören unter anderem der Malaria-Erreger Plasmodium, das Dengue-Virus, das Gelbfieber-Virus und das West-Nil-Virus. Da es nicht gegen alle diese Erreger Impfstoffe gibt, ist der Schutz vor Mückenstichen in entsprechenden Endemiegebieten besonders wichtig. Auch sollten Reisende sich rechtzeitig informieren, wann die Gefahr, von einer potenziell krankheitsübertragenden Mücke gestochen zu werden, am größten ist. So sind beispielsweise die Malaria-übertragenden Anopheles-Mücken dämmerungsaktiv, während Mücken der Gattung Culex, die den Erreger des West-Nil-Fiebers übertragen können, bevorzugt abends und nachts, aber auch tagsüber aktiv sind.




Culex-Mückenlarven hängen kopfüber unter der Wasseroberfläche. Die Larven ernähren sich von Algen, Plankton und Mikroorganismen. Sie atmen über ein langes Atemrohr am Hinterleib.

Foto: CDC/Gathany



Die typischen Symptome eines Mückenstichs wie Juckreiz, Rötung und Schwellung an der Einstichstelle sind Ausdruck einer allergischen Lokalreaktion auf die injizierten Fremdeiweiße. Dabei führt Histamin, das aus Mastzellen freigesetzt wird, zu einer Erweiterung der Blutkapillaren und einer Erhöhung der Kapillarpermea­bilität. Nur in Einzelfällen kommt es nach Mückenstichen zu systemischen Überempfindlichkeitsreaktionen, etwa einem anaphylaktischen Schock. Solche Insektengiftallergien sind nach Stichen von Bienen oder Wespen sehr viel häufiger.

 

Gegen den Juckreiz helfen Cremes oder Gele mit Antihistaminika wie Dimetinden oder Bamipin, die direkt auf den Mückenstich aufgetragen werden können, sofern die Haut intakt ist. Der angenehme Kühleffekt dieser Externa lässt sich verstärken, indem man das Präparat vor dem Auftragen eine Zeit lang in den Kühlschrank legt. Bei besonders starken Beschwerden kommen auch orale Antihist­aminika infrage, beispielsweise Loratadin oder Cetirizin. Gegen eine heftige örtliche Reaktion mit starker Schwellung helfen freiverkäufliche Cremes, Salben oder Gele mit Hydrocortison.

 

Zum Schutz vor Stichen dienen lange Kleidung, Moskitonetze und Repellenzien. Diese sollten rechtzeitig lückenlos auf alle zu schützenden Hautstellen aufgetragen werden, auch unter sehr dünne Kleidung, da diese von Mücken durchstochen werden kann. Werden gleichzeitig Sonnenschutzmittel verwendet, muss das Repellent etwa 15 bis 30 Minuten nach der Sonnencreme aufgetragen werden. Jahrelang galt Diethyltoluamid (DEET, zum Beispiel in Antibrumm® forte, Azaron® before) als Goldstandard der Repellenzien, doch aufgrund seines neurotoxischen und allergenen Potenzials wird es für Kinder unter zwei Jahren und schwangere Frauen nicht empfohlen. DEET greift Kunststoffe an, ein Nachteil, den Icaridin (Bayrepel®, zum Beispiel in Autan® Active, Autan® Family) bei vergleichbarer Wirkstärke nicht hat. Icaridin kann auch während der Schwangerschaft und Stillzeit angewendet werden, für Kinder unter zwei Jahren wird es nicht empfohlen. / 


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Beitrag erschienen in Ausgabe 29/2011

 

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