Die Zeitschrift der deutschen Apotheker

 

Pharmazeutische Zeitung

 

PTA-Forum

 

PZ-Akademie

 

DAC/NRF

 

Vorhofflimmern: Schonend zurück in den Takt

NACHRICHTEN

 
Vorhofflimmern: Schonend zurück in den Takt
 


Eine neue Methode, Herzflimmern schonend und schmerzfrei zu behandeln, hat ein internationales Forscherteam entwickelt. Eine Abfolge von fünf niedrig-energetischer elektrischer Pulse kann das Vorhofflimmern erfolgreich beenden. Dabei kommt die sogenannte Niedrig-Energie-Defibrillation mit etwa 84 Prozent weniger Energie aus als die herkömmliche Defibrillation, berichten Forscher um Stefan Luther vom Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation in Göttingen und Kollegen der Cornell University in Ithaca, USA, im Fachjournal «Nature».

Patienten mit Vorhofflimmern werden häufig mit einem Defibrillator behandelt: Ein starker elektrischer Puls mit bis zu 1000 Volt Spannung, der schmerzhaft ist und umliegendes Gewebe schädigen kann, bringt das Herz zurück in den Takt. Eine sanftere Methode haben Luther und seine Kollegen in Tierexperimenten erarbeitet: Mithilfe eines Herzkatheters erzeugten die Forscher eine Abfolge von fünf schwachen elektrischen Pulsen im Herzen. «Wenige Sekunden später schlägt das Herz wieder regelmäßig», so Luther. Die benötigte Elektrizität liege dabei auf beziehungsweise unterhalb der Schmerzgrenze.

Obwohl beide Verfahren auf den ersten Blick ähnlich funktionieren, lösen sie innerhalb des Herzens völlig verschiedene Prozesse aus. «Der klassische Defibrillator legt auf einen Schlag alle Zellen des Organs gleichzeitig lahm», erklärt Robert Gilmour von der Cornell University. Für einen kurzen Moment können sie keinerlei elektrische Signale weiterleiten; die lebensbedrohlichen, chaotischen Wellen werden unterbunden.

Das neue Verfahren beendet die chaotischen Wellen im Herzen hingegen Schritt für Schritt. Dabei helfen natürliche Inhomogenitäten im Herzen wie etwa Fettgewebe, Blutgefäße oder Bindegewebe. In Experimenten und Simulationen konnten die Forscher zeigen, dass diese Inhomogenitäten Ausgangspunkte für geordnete Wellen sein können. Schwache elektrische Signale reichen aus, um die Zellen an diesen Stellen anzuregen, wieder «normale» Wellen auszusenden.

Grundsätzlich lassen sich die Ergebnisse auch auf die Defibrillation von Kammerflimmern übertragen. Noch ist die Methode nur in Tierexperimenten und In-vitro-Untersuchungen an isolierten Herzgewebe untersucht. Die Forscher arbeiten daran, die neue Technik so schnell wie möglich zur Behandlung von Patienten einsetzen zu können. 

Für den Einsatz in Notsituationen wird auch nötig sein, die Impulse nicht über einen Herzkatheter, sondern über extern platzierte Elektroden zu übermitteln. «Unsere bisherigen Experimente legen nahe, dass das Verfahren auch mit externen Elektroden in der Notfallmedizin eingesetzt werden könnte», erklärt Luther gegenüber der Pharmazeutischen Zeitung. «Hierzu sind allerdings weitere Experimente notwendig, die im Laufe des Jahres durchgeführt werden sollen.» Bis sich die Methode in der Klinik etablieren kann, wird es noch einige Zeit dauern.  (ch)

doi: 10.1038/nature10216

14.07.2011 l PZ
Foto: Fotolia/Spectral-Design
 

 

Das könnte Sie auch interessieren

 

 

Weitere Nachrichten

 


UV-Strahlung: Auch die Augen brauchen Schutz

Zu viel Sonnenlicht greift nicht nur die Haut an, sondern auch die Augen. Langfristig schädigen UV-Strahlen die Netzhaut und können zu...



Bauchspeicheldrüsenkrebs: Neue Therapie vor Zulassung

Der Ausschuss für Humanarzneimittel der europäischen Arzneimittel-Agentur EMA empfiehlt für Onivyde® die Marktzulassung für die...



Ständig erreichbar: Schädlich für Gesundheit und Beziehung

Berufstätige, die auch außerhalb ihrer Arbeitszeiten ständig dienstlich erreichbar sind, schaden ihrer Gesundheit und Leistungsfähigkeit....



«Nationale Kohorte»: Gesundheitsstudie irritiert Probanden

Deutschlands größte Gesundheitsstudie nimmt nach Startschwierigkeiten Fahrt auf. Zwei Jahre nach Beginn wurden bundesweit bislang 65.000...

 
 

Doc Morris: Rechtswidrige Praxis bei Zuzahlungsbelegen
Das Ausstellen von Quittungen über Zuzahlungen, die gar nicht geleistet wurden, ist rechtswidrig. Was sich banal liest, musste dem...

TAS-102: neue Option bei fortgeschrittenem Darmkrebs
In Kürze soll ein neues Zytostatikum zur Behandlung des metastasierten kolorektalen Karzinoms (mCRC) auf den deutschen Markt kommen. Die...

Stiftung Warentest: Leitungs- und Mineralwasser gleichwertig
Wer Kisten schleppt, ist selber schuld. Auf diesen Nenner lässt sich das Ergebnis einer Untersuchung der Stiftung Warentest zur Qualität...

Psoriasis: Neuer Sprühschaum wirkt rasch
Seit Kurzem gibt es einen neuartigen Sprühschaum für Patienten mit Psoriasis vulgaris in Deutschland. Das Präparat Enstilar®...

Neues Antibiotikum: Immer der Nase nach
Auf der Suche nach neuen Antibiotika gegen resistente Keime sind Wissenschaftler der Universität Tübingen in der menschlichen Nase fündig...

Frische Luft und Bewegung: TK sieht «Pokémon Go» positiv
Die virtuelle Monsterjagd an der frischen Luft bringt nach Ansicht der Techniker Krankenkasse (TK) in Bayern faule Stubenhocker in...

Mineralöl in Lebensmitteln: Foodwatch fordert mehr Schutz
Jedes vierte entsprechend geprüfte Lebensmittel hat nach Angaben der Organisation Foodwatch bedenkliche Spuren aromatischer Mineralöle...

Adipositas: Bariatrische Operationen bergen Risiken
Operationen zur Gewichtsreduktion sollten bei adipösen Menschen nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Analyse erfolgen. Das betonte der...

Terror: Reißerische Berichte können zur Nachahmung anregen
Der Hamburger Psychiater Michael Schulte-Markwort plädiert nach den Gewalttaten in München, Würzburg und Ansbach für einen...

Prostatakrebs: Kampagne für mehr Offenheit
Männer reden nicht gerne über Krankheiten – schon gar nicht, wenn es um urologische Probleme geht. Wie eine internationale Befragung...

Hepatitis: Übertragungskette muss unterbrochen werden
Das Europäischen Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) hat größere Anstrengungen im Kampf gegen von Viren...

Bayer: Gewinnsprung durch blühendes Pharmageschäft
Gut laufende Geschäfte mit neuen Medikamenten haben dem Pharma- und Pflanzenschutzkonzern Bayer im zweiten Quartal einen kräftigen...

Zoll: Illegale Doping- und Potenzmittel weiterhin gefragt
Der Handel mit illegalen Doping- und Potenzmitteln blüht. «Es ist kein Einbruch festzustellen», sagt der Sprecher der Zollfahndung...

Metformin könnte Frühgeburten verhindern
Das orale Antidiabetikum Metformin kann bei einem erhöhten Frühgeburtsrisiko eine zu frühe Entbindung verhindern – zumindest bei Mäusen. Im...

Versicherungstarife der Kassen: Belohnung oder Bedrohung?
Im Rahmen von Bonuszahlungen belohnen Kassen das gesundheitsbewusste Verhalten ihrer Versicherten. Die Grünen sehen dadurch das...

Körpergröße: Menschen waren vor 100 Jahren erheblich kleiner
Die größten Frauen leben in Lettland, die größten Männer in den Niederlanden. Das hat eine Studie des Imperial College in London ergeben....

ABDA: Entwurf zum Pharmagesetz setzt richtige Impulse
Neben dem Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI) hat sich nun auch die ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände zum...

Noch mehr Meldungen...












DIREKT ZU