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Psychische Erkrankungen: Lange Wartezeit bei Therapeuten

POLITIK

 
Psychische Erkrankungen

Lange Wartezeit bei Therapeuten


Von Stephanie Schersch, Berlin / Psychisch erkrankte Menschen müssen häufig viele Monate auf einen Therapieplatz warten. Die Psychotherapeuten schlagen nun Alarm und fordern eine bessere Versorgung.

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In Deutschland leiden immer mehr Menschen an psychischen Erkrankungen. Gleichzeitig finden viele von ihnen keinen Psychotherapeuten, der sie sofort behandeln kann. Im Schnitt warten Patienten drei Monate auf ein erstes Gespräch. Zu diesem Ergebnis kommt eine Umfrage der Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) unter rund 9000 niedergelassenen Therapeuten. Zwischen Erstgespräch und dem Beginn der eigentlichen Therapie liegen demnach noch einmal rund 12 Wochen. »Die Behandlung beginnt also im Schnitt erst knapp sechs Monate nach der ersten Anfrage«, sagte BPtK-Präsident Professor Dr. Rainer Richter in Berlin.




Immer mehr Menschen leiden unter psychischen Erkrankungen wie Depressionen. Auf eine Behandlung müssen Patienten im Schnitt sechs Monate warten.

Foto: Fotolia/dundanim


Der Grund sei schlichtweg eine zu geringe Zahl an Psychotherapeuten. Der Studie zufolge gibt es deutliche Unterschiede zwischen Stadt und Land. Während Menschen in Städten durchschnittlich rund 9 Wochen auf ein Erstgespräch warten, müssen sich Patienten in ländlichen Regionen im Schnitt mehr als 15 Wochen gedulden. Besonders schlecht ist die Versorgung mit mehr als vier Monaten Wartezeit in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen.

 

Richter forderte mehr ambulant tätige Psychotherapeuten in Deutschland. Der Bedarf an Behandlungsplätzen steige. Eine Auswertung von Krankenkassendaten habe ergeben, dass im Jahr 2010 psychische Erkrankungen der Grund für rund 12 Prozent aller Fehltage von Arbeitnehmern waren. Patienten dürften dabei nicht länger als drei Wochen auf ein Erstgespräch beim Psychotherapeuten warten müssen, sagte Richter. »Es ist ein Irrtum zu glauben, dass psychisch kranke Menschen auf eine Behandlung warten können.« Lange Wartezeiten erhöhten das Risiko, dass sich eine Erkrankung noch verschlimmere.

 

6000 Praxen in Gefahr

 

Kritik übte Richter in diesem Zusammenhang an dem geplanten Versorgungsgesetz. Rund 6000 Psychotherapie-Praxen seien dadurch in Gefahr. Viele Regionen würden trotz langer Wartezeiten auf einen Therapieplatz als überversorgt eingestuft. Nach den Regeln des neuen Gesetzes würden Praxissitze in diesen Gebieten weiter abgebaut. / 


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Beitrag erschienen in Ausgabe 26/2011

 

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