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Apotheker als Erfinder: Die Geschichte von Coca-Cola & Co.

MAGAZIN

 
Apotheker als Erfinder

Die Geschichte von Coca-Cola & Co.


Von Daniela Biermann / Coca-Cola, Pepsi und Dr Pepper: Drei der meistgetrunkenen Erfrischungsgetränke sind Erfindungen von Apothekern. Aus ihren kleinen Drug Stores wurden im Laufe der Zeit Weltkonzerne.

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Ein exotischer Duft muss in der Luft gelegen haben. In den Häfen von Savannah im US-Bundesstaat Georgia sucht der experimentierfreudige Arzt und Apotheker John Stith Pemberton (1831 bis 1888) aus Atlanta regelmäßig nach frischen Zutaten und Gewürzen (1).




Er arbeitete an der Rezeptur für ein »Stärkungsgetränk«. Im amerikanischen Bürgerkrieg hatte er eine schwere Beinverletzung erlitten, und die Schmerzen trieben ihn vermutlich in die Morphin-Sucht. Einem Journalisten soll er gesagt haben: »Ich bin überzeugt von aktuellen Experimenten, dass Coca das beste Substitutionsmittel für Opium ist, für eine Opium-abhängige Person, das jemals entdeckt wurde.« (2)

 

Pemberton entwickelte zunächst einen medizinischen Wein – »Pemberton's French Wine Coca« – nach dem Vorbild des Coca-haltigen französischen Produkts »Vin Mariani«. Der Zeitung »Atlanta Journal« verriet Pemberton die Rezeptur: »Es ist zusammengesetzt aus einem Extrakt aus den Blättern Peruanischer Coca, dem feinsten Wein und der Kolanuss. Es ist das exzellenteste aller Stärkungsmittel, unterstützt die Verdauung, vermittelt Energie an die Atemorgane und stärkt die Muskeln und das Nervensystem.« (3)




Fotos: The Coca-Cola-Company


Doch 1886 trat in Atlanta die Prohibition in Kraft. Alkohol jeglicher Art war verboten. Den Grundsirup versetzte Pemberton nun mit Sodawasser – die Geburtsstunde von Coca-Cola. Laut offizieller Firmengeschichte verkaufte Pemberton anfangs in »Jacobs Pharmacy« täglich durchschnittlich neun Gläser zu je 5 US-Cent. Die Indikation: Kopfschmerzen und Müdigkeit (4).

 

Die K-Frage

 

Pembertons Buchhalter, Frank M. Robinson, erfindet den Namen Coca-Cola (4). Trotz des eindeutigen Hinweises auf die Inhaltsstoffe schreibt »Coca-Cola Deutschland« der Pharmazeutischen Zeitung auf Nachfrage: »Coca-Cola enthält kein Kokain oder andere illegale Zusatzstoffe. Sie wurden auch in der Vergangenheit nicht zugesetzt.« Allerdings war Kokain zu Pembertons Zeiten vollkommen legal und nicht einmal verschreibungspflichtig – und streng genommen nicht zugesetzt, wenn man den Coca-Extrakt als Grundzutat sieht. Dies streitet das Unternehmen jedoch ab. »Bis heute wird Coca-Cola immer noch so hergestellt, wie Dr. Pemberton es vorsah«, schreibt die Firma auf ihrer Website www.geheimerezeptur.de (1). Anderen Quellen zufolge war Kokain bis zu einer Gesetzesänderung von 1906 in dem Tonikum enthalten (2).

 

Weiter schreibt Coca-Cola Deutschland: »Seit 1886 enthält Coca-Cola nur natürliche Aromen und keine zugesetzten Konservierungsstoffe.« Tatsächlich ist die Deklaration auf den Flaschen kurz gehalten: Wasser, Kohlensäure, Farbstoff E 150d (Zuckerkulör), Phosphorsäure (E338), natürliches Aroma und Aroma Koffein. Ein »koffeinhaltiges Erfrischungsgetränk mit Pflanzenextrakten«, so der Aufdruck auf dem Etikett. Glaubt man verschiedenen Medienberichten und dem Journalisten Mark Pendergrast in seinem Buch »Für Gott, Vaterland und Coca-Cola« (2, 5), könnte das Originalrezept aus Coca- Fluidextrakt, Zitronensäure, Coffein, Zucker, Wasser, Limonensaft, Vanille, Karamel, Alkohol, Orangenöl, Zitronenöl, Muskatnussöl, Korianderöl, Orangenblütenöl (Neroli-Öl) und Zimtöl bestanden haben. Das Unternehmen jedoch gibt sich geheimnisvoll und nährt damit den Mythos.

 

Expansion nach Europa

 

Zu Weltruhm brachte es Coca-Cola aber nicht unter Pemberton, sondern dem Drogisten Asa G. Candler (4). Er erwirbt 1888 für 2300 US-Dollar die Rechte an dem Getränk, gründet 1892 »The Coca-Cola Company« und lässt die Marke ein Jahr später beim Patentamt eintragen. 1894 beginnt die Flaschenabfüllung, die eine weite Verbreitung erst möglich macht. Ab 1899 vergibt die Firma Rechte zur Abfüllung an selbstständige Unternehmen. 1919 ist das Unternehmen bereits 25 Millionen US-Dollar wert. Candler verkauft es an eine Investorengruppe, die die Vermarktung in Europa beginnt. 1928 unterstützt Coca-Cola erstmals die Olympischen Spiele, 1929 wird die erste Flasche Coca-Cola in Deutschland abgefüllt. Als im Zweiten Weltkrieg die Rohstoffe knapp werden, erfindet die deutsche Niederlassung in Essen ein Getränk auf Molkebasis: Fanta. Ab 1949 gibt es wieder Coca-Cola, allerdings nur für Westdeutschland.




In »Jacobs Pharmacy« verkaufte der Arzt und Apotheker John Pemberton die erste Coca-Cola gegen Kopfschmerzen und Müdigkeit.

1985 ändert die Firma erstmals und bisher einmalig offiziell ihr Rezept. Die sogenannte »New Coke« für den US-amerikanischen Markt kommt allerdings nicht gut an. Das Unternehmen stellt aufgrund massiver Proteste bereits nach drei Monaten die Produktion wieder auf die alte Rezeptur um (6). Das Nachrichtenmagazin »Spiegel« mutmaßte damals, dass Coca-Cola Angst hatte, als Nummer eins unter den Erfrischungsgetränken von der Konkurrenz verdrängt zu werden: Pepsi-Cola. (7)

 

Auch hier war ein Apotheker der Erfinder: Caleb Bradham (1867 bis 1934) wollte seine Apotheke in New Bern, North Carolina, zu einem sozialen Treffpunkt machen. Dabei sollte ein Sodabrunnen mit eigenen Limonaden-Kreationen helfen. Laut Unternehmensbroschüre von PepsiCo war Bradhams beliebtester Mix »Brad’s Drink« aus kohlensäurehaltigem Wasser, Kolanüssen, Vanille und seltenen Ölen, erstmals ausgeschenkt 1898 (8). Ursprünglich enthielt das Getränk vermutlich auch das Verdauungsenzym Pepsin, daher der Name Pepsi.

 

Pleite für Pepsi

 

Zunächst mischte Bradham den Sirup als Ausgangsbasis in seiner Apotheke und verkaufte ihn fässerweise an andere Drug Stores. 1902 gründete er dann die »Pepsi Cola Company« und erhielt ein Jahr später ein Patent für die Marke. Das Geschäft lief sofort erfolgreich. 1910 war Pepsi-Cola bereits in 24 US-Bundesstaaten bei Franchise-Unternehmen erhältlich. Die jährliche Produktion von Sirup betrug 100 000 Gallonen (rund 380 000 Liter). Im Ersten Weltkrieg stiegen jedoch die Zuckerpreise rapide an, sodass die Firma 1923 bankrott anmelden musste. Bradham verkaufte das Unternehmen an die Craven’s Holding Corporation und widmete sich wieder seiner Apotheke. (8) 1931 ging das Unternehmen erneut pleite. Erst der Süßwarenhersteller Charles G. Guth brachte die Marke durch geschicktes Marketing zurück auf Erfolgskurs – in direkter Konkurrenz zur bereits international erfolgreichen Coca-Cola. In Deutschland kam Pepsi-Cola jedoch erst in den 1960er-Jahren auf den Markt. In den 1970er- und 1980er-Jahren führte das Unternehmen die sogenannten »Cola-Kriege« gegen den großen Konkurrenten mit einer aggressiven Marketing-Kampagne. Verblindete Verkostungstests sollten die Überlegenheit im Geschmack gegenüber Coca-Cola belegen. Laut Pepsi ein Grund, warum der Weltmarktführer Coca-Cola 1985 kurzfristig seine Rezeptur änderte. (8)

 

Ebenfalls eine Erfindung eines Apothekers ist vermutlich das Softgetränk Dr Pepper (9). Erstmals bot es Morrison's Old Corner Drug Store in Waco, Texas im Jahr 1885 an, also ein Jahr vor Coca-Colas offiziellem Verkaufsstart. In Wade Morrisons Apotheke arbeitete der junge Pharmazeut Charles Alderton. Seine Aufgabe bestand in der Herstellung von Arzneimitteln, doch experimentierte er auch mit Getränken für den Sodabrunnen. Laut Dr Pepper Museum mochte er den Geruch der verschiedenen Fruchtsirupe und suchte nach der perfekten Mischung. Seinem Arbeitgeber Morrison und der Kundschaft gefiel das Getränk so gut, dass es auch andere Apotheken in Waco bei Morrison bestellten.

 

Unter den Kunden war auch ein junger Chemiker, Robert S. Lazenby. Da Alderton lieber weiter als Apotheker und nicht als Getränkeentwickler arbeiten wollte, schlug er vor, dass Morrison und Lazenby die Vermarktung übernehmen sollten. 1891 gründeten sie die Firma Artesian Mfg. & Bottling Company, die später zur Dr Pepper Company werden sollte (heute Dr Pepper Snapple Group). 1904 stellte das Unternehmen sein Getränk auf der Weltausstellung in St. Louis vor – zwischen neuen Spezialitäten wie Hamburgern und Frankfurtern im Brötchen oder Eis in der Waffel. Woher der Name »Dr Pepper« stammt, ist laut Firma unklar. Eine Vermutung ist, dass Alderton ursprünglich wie Bradham bei Pepsi das Enzym Pepsin verwendet hat.

 

Von 1910 bis 1914 warb das Unternehmen mit dem Titel »König der Getränke«. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts vermarktete es Dr Pepper als Energiegetränk gegen physiologische Zuckertiefs am Tag – gewissermaßen zum »Aufpeppen«. »Drink a bit to eat at 10, 2, and 4«, lautete die Werbebotschaft.

 

In den 1970er-Jahren hieß es, wohl in Abgrenzung zur großen Konkurrenz, Dr Pepper sei »das ursprünglichste Softgetränk auf der ganzen weiten Welt, das es jemals gab«. Zur Zusammensetzung verrät die Firmen-Website nur, dass der Geschmack auf 23 Fruchtaromen zurückgeht. Die offizielle Deklaration ist ansonsten mit der von Coca-Cola und Pepsi-Cola nahezu identisch. Die genauen Rezepturen werden wohl Firmengeheimnisse bleiben – der Rest ist Geschmackssache. /


Quellen

  1. www.geheimerezeptur.de
  2. Mark Pendergrast: For God, Country & Coca-Cola – The definitive history of the great American soft drink and the company that makes it. Basic Books. 2. Auflage 2000
  3. Monroe Martin King: Dr. John S. Pemberton – Originator of Coca-Cola. Pharmacy in History. Vol. 29 (1987) No. 2
  4. www.coca-cola-gmbh.de/pdf/cc_coke_­story.pdf
  5. www.thisamericanlife.org/radio-archives/episode/427/original-recipe/recipe
  6. E-Mail von Coca-Cola Deutschland auf Nachfrage der PZ
  7. www.spiegel.de/spiegel/print/­d-13514169.html
  8. www.pepsi.com/PepsiLegacy_Book.pdf
  9. www.drpeppermuseum.com/About-Us/History-Of-Dr-Pepper.aspx

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Beitrag erschienen in Ausgabe 18/2011

 

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