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Lipidstoffwechsel: Darmflora beeinflusst kardiales Risiko

MEDIZIN

 
Lipidstoffwechsel

Darmflora beeinflusst kardiales Risiko


Von Christina Hohmann / Die Fähigkeit der Darmbakterien, das Nahrungslipid Lecithin zu metabolisieren, könnte das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen beeinflussen. Dies berichten Forscher um Stanley Hazen von der Cleveland Clinic, Ohio, im Fachjournal »Nature« (doi: 10.1038/nature09922).

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Schon lange ist bekannt, dass ungesundes Essen schlecht fürs Herz ist. Doch welche Bestandteile sind besonders schädlich? Gesättigte Fette, zu viele Kohlenhydrate? Um schädliche Substanzen zu identifizieren, untersuchten Hazen und seine Kollegen das Blut von Patienten, die einen Herzinfarkt oder Schlaganfall erlitten hatten, sowie von herzgesunden Probanden. Dann verglichen sie die Ergebnisse.




Im Darm lebende Bakterien bauen Lecithin zu einer Substanz ab, die dem Herz-Kreislauf-System schadet.

Foto: Fotolia/Kaulitzki


Auffällig erhöht waren bei den Patienten die Werte für drei Substanzen: Cholin, Betain und Trimethylamin-N-Oxid (TMAO). Dabei handelt es sich jeweils um Metaboliten von Phosphatidylcholin, auch bekannt als Lecithin. Dieses Lipid ist in fast allen Nahrungsmitteln enthalten; in hohen Mengen zum Beispiel in Fleisch, Leber, Fisch, Eiern und Milchprodukten. Im Darm wird aus Phosphatidylcholin enzymatisch Cholin abgespalten. Dieses metabolisieren Darmbakterien, wobei das gasförmige Trimethylamin (TMA) entsteht. TMA wird in der Leber zu TMAO oxidiert.

 

Die Forscher konnten an Versuchen mit Modellmäusen, die zu Atherosklerose neigen, zeigen, dass eine hohe Lecithin-Aufnahme zu hohen TMAO-Plasmawerten führte und die Plaque-Bildung in den Arterien verstärkte. Die Gabe von Antibiotika verhinderte diesen Effekt, weil die Darmflora Cholin nicht mehr metabolisieren konnte. Ob hohe TMAO-Werte die Atherosklerose wirklich bedingen oder nur ein Marker für ein erhöhtes Herz-Kreislauf-Risiko sind, ist noch nicht abschließend geklärt.

 

Falls sich TMAO als schädlich herausstellt, seien verschiedene neue Möglichkeiten, das kardiovaskuläre Risiko zu senken, denkbar, so die Forscher. Zum einen ließe sich die Lecithin-Aufnahme reduzieren, was allerdings schwierig ist, da das Lipid in fast allen Nahrungsmitteln enthalten ist. Zudem sollte die Aufnahme nicht zu stark eingeschränkt werden, da Cholin in verschiedenen wichtigen Prozessen benötigt wird. Zum anderen könnte die Darmflora durch Antibiotika gehemmt oder durch Probiotika gezielt verändert werden. Welche Bakterien in der Darmflora aber schädlich und welche hilfreich sind, ist noch nicht geklärt. /


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Beitrag erschienen in Ausgabe 15/2011

 

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