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Ökonomie und Management: Aufbaustudium zum wirtschaftlichen Erfolg

TITEL

 
Ökonomie und Management


Aufbaustudium zum wirtschaftlichen Erfolg


Von Christiane Staiger / Viele Apotheker sorgen sich um die Zukunft ihrer Betriebe. Neben pharmazeutischen sind dabei auch betriebswirtschaftliche Entscheidungen zu treffen. Doch das Pharmaziestudium vermittelt dazu nur wenige Kenntnisse. Wirtschaftliche Aufbaustudiengänge erleben daher einen Boom.

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»Für mich hat sich das Aufbaustudium sehr gelohnt« – diese positive Bilanz ziehen viele Absolventen, die Aufbaustudiengänge zu Wirtschafts- und Managementthemen belegt haben. Darunter sind nicht nur selbstständige, sondern auch angestellte Apotheker. Auch sie empfehlen das Studium weiter, denn der gesamte Apothekenbetrieb profitiere von Zusatzkenntnissen und neuen Ideen, die die Praxis bereichern können. Und wenn der Chef die Mitarbeiter bei ihren Anstrengungen unterstützt, können beide Seiten einen Vorteil daraus ziehen.

 

Viele Studieninhalte könnten sofort in der Apotheke umgesetzt werden, berichten Absolventen im Gespräch mit der Pharmazeutischen Zeitung. Und das Netzwerk an Kollegen, das sie im Lauf des mehr­semestrigen Studiums knüpfen konnten, empfanden alle als bleibenden Gewinn.




Lernen ist angesagt: Es gibt zahlreiche Aufbaustudiengänge für Apotheker, auch zu wirtschaftlichen Themen rund um das Gesundheitswesen.

Foto: Fotolia/Robert Kneschke


Überblick im Angebotsdschungel

 

Zahlreiche Universitäten, Fachhochschulen und Akademien im In- und Ausland bieten Zusatzstudiengänge zu wirtschaftlichen Themen rund um das Gesundheitswesen an (1–4). Sie setzen zwar durchaus verschiedene Schwerpunkte, aber Grundwissen zu betriebswirtschaftlichen Fragen vermitteln alle. Die Zusatzausbildung steht in der Regel nicht nur Apothekern, sondern auch Absolventen anderer Erststudiengänge offen. Neben Pharmazie sind dies beispielsweise Medizin, Biologie, Ingenieurwissenschaften, Soziologie, Pädagogik, Wirtschafts- oder Rechtswissenschaften. Einige Aufbaustudiengänge sind auch für Bewerber mit Fachhochschuldiplom oder dem Abschluss eines nicht-akademischen Berufs bei Nachweis einschlägiger mehrjähriger Berufserfahrung geöffnet.

 

Wer sich einen Überblick zu den Studienangeboten verschaffen möchte und das Internet befragt, findet Informationen im Überfluss. Die Pharmazeutische Zeitung hat deshalb eine Auswahl getroffen und dabei auch Studierende und Absolventen nach ihren persönlichen Erfahrungen gefragt. In der PZ-Online finden Interessierte außerdem ausführliche Linklisten zu verschiedenen Aufbaustudiengängen. Nicht nur zu wirtschaftlichen Themen, sondern auch Kurse zu Public Health und andere Zusatzqualifikationen. Ein guter Ausgangspunkt ist die Linksammlung der Pharmazeutischen Zeitung Online. Genaue Informationen zu Zulassungsbedingungen, Ablauf des Studiums, Lehrinhalten und Studienkosten erteilen die jeweiligen Universitäten (Tabelle 1).


Tabelle 1: Internetadressen einiger Hochschulen, die Aufbaustudiengänge zum Themenbereich Ökonomie und Management im Gesundheitswesen anbieten

Hochschule Internetadressen 
Wirtschaftsakademie Deutscher Apotheker www.wda-akademie.de 
European Business School, Oestrich-Winkel www.ebs-hcmi.de 
Fachhochschule Schmalkalden www.fh-schmalkalden.de 
Apollon Hochschule, Bremen www.apollon-hochschule.de 
Rheinische Fachhochschule Köln www.rfh-koeln.de 
Business School, Universität Salzburg www.smbs.at 
Munich Business School www.munich-business-school.de 

WDA für Offizinapotheker

 

Am bekanntesten in der »Apothekenszene« ist der berufsbegleitende Studiengang Praktischer Betriebswirt für die Pharmazie. Er wird von der Wirtschaftsakademie Deutscher Apotheker (WDA) getragen und richtet sich speziell an Offizinapotheker (5). Die Vorlesungen finden an der Universität Bayreuth statt. Die Gesamtstudiendauer einschließlich Prüfungen beträgt neun Wochen, die sich über drei Semester verteilen. Die Studenten müssen also pro Semester drei Präsenzwochen in Bayreuth einplanen.




Ein berufsbegleitendes Aufbaustudium will gut geplant sein, denn Präsenzphasen und Selbststudium müssen sich in den Alltag eingliedern lassen.

Foto: Kai Krueger/Fotolia


Das Ausbildungskonzept der WDA soll den Studierenden ökonomische Kompetenz und kaufmännisches Know-how vermitteln. Ziel ist es, die Arzneimittelversorgung unter pharmazeutischen und unter ökonomischen Gesichtspunkten zu gewährleisten. Die Ausbildung ist bewusst breit angelegt, aber sie geht auch auf die speziellen Anforderungen der Apothekenpraxis ein. Der Studiengang versteht sich laut Universität als wertvolle Ergänzung des Pharmaziestudiums und will zusätzliche Chancen für eine Laufbahn auch außerhalb der öffentlichen Apotheke eröffnen.

 

Apotheker Tilman Hanssum absolvierte das Aufbaustudium vom Herbst 2005 bis Sommer 2007. In seinem Jahrgang kam der überwiegende Teil der Studierenden aus Familien mit Apotheke. Nur etwa zehn Prozent waren schon selbstständig als Inhaber tätig. »Ich finde, eine funktionierende elterliche Apotheke im Hintergrund ist wichtig«, sagt er im Gespräch mit der PZ. »Ein selbstständig arbeitender Inhaber wird kaum so viel Zeit neben dem Tagesgeschäft erübrigen können und wollen. Zudem muss man die zusätzlichen Personalkosten für die Chef-Vertretung berücksichtigen.«

 

Der Lehrplan in Bayreuth umfasst Themen wie Apothekenmanagement, Recht, Personalführung und Finanzwirtschaft (Übersicht in Tabelle 2). Hanssum fand einige Vorlesungen und Seminare jedoch zu theoretisch, besonders im Bereich Marketing oder Einkauf. »Ich hätte mir mehr praxisbezogene Inhalte gewünscht«, resümiert er. Vom Studium hat er dennoch profitiert: »Rückblickend war der Austausch mit vielen jungen Apothekern, die alle in einer ähnlichen beruflichen Situation standen, für mich persönlich das Interessanteste«, sagt er. »Dieses Netzwerk besteht bis heute. Viele haben mittlerweile die elterlichen Apotheken übernommen. Inzwischen hat sich sogar eine kleinere regionale Gruppe von ehemaligen WDA-Absolventen zum gemeinsamen Marketing und Einkauf gebildet.«


Tabelle 2: Übersicht über das Curriculum des Aufbaustudiengangs »Praktischer Betriebswirt für die Pharmazie« an der Universität Bayreuth

Tage Rubrik, Fach 
General Economics  
Basics Betriebswirtschaft, Dienstleistungsmanagement 
Finanzwirtschaft  
Basics Finanzplanung, Finanzwirtschaft 
Kostenrechnung 
Investition 
Buchführung 
Bilanzierung 
Apothekenmanagement, Marketing, Customer Relationship Management  
Basics Marketing 
Apotheken Marketing, Qualitätsmanagement 
Customer Relationship Management 
Case Study, Business Game 
Strategisches Apothekenmanagement  
Filialisierung, Networking, Kooperation 
0,5 Apothekenbewertung 
Supply and Organization, Beschaffungsmanagement  
Einkauf, Warenwirtschaft, Controlling 
Organisation, Personaleinsatz, Category Management 
0,5 Vertragsmanagement 
Health Economics  
Basics Volkswirtschaft, Economics 
Gesundheitsmanagement, Policy, Evaluation 
Law & Taxes  
Zivilrecht 
Arbeitsrecht 
Berufsrecht 
Steuern 
Leadership & Motivation  
Selbst- und Zeitmanagement 
Gesprächsführung, Rhetorik 
Personalführung 

Quelle


Auch für Hannes Hrovat, Apotheker aus Wien, ist das Netzwerk ein wichtiger Pluspunkt des Studiums: »Durch dieses Aufbaustudium haben sich wunderbare Kontakte über die Landesgrenzen hinaus ergeben, die noch bis heute existieren und – da bin ich mir sicher – noch lange erhalten bleiben.« Der Kollege hat den Studiengang »Praktischer Betriebswirt für die Pharmazie« im November 2007 beendet und war bereits selbständig. »Für mich ließ sich das Studium sehr gut mit der Arbeit vereinbaren – die Selbstständigkeit war für mich in puncto Flexibilität ein Vorteil.«

 

Für Hrovat waren die fehlenden betriebswirtschaftlichen Kenntnisse ein Grund für das Aufbaustudium: »Nach meinem Pharmaziestudium erachtete ich es als notwendig, mir neben meiner naturwissenschaftlichen Ausbildung zusätzliches Wissen in der Betriebswirtschaft anzueignen, da im Studium BWL überhaupt nicht vorkam. Nach der Rückkehr von den diversen Blockveranstaltungen begann ich sofort voller Enthusiasmus, einige Dinge in der Apotheke umzusetzen. Nun konnte ich Bilanzen richtig interpretieren und den Hebel an den richtigen Stellen ansetzen. Einen weiteren Vorteil brachten die Marketingmaßnahmen. Begriffe wie Category Management oder USP – Unique selling proposition – waren ab sofort keine Fremdwörter mehr in meinem Unternehmen. Wir haben Waren nun richtig platziert und im wahrsten Sinne des Wortes ins rechte Licht gerückt. Außerdem habe ich apothekeneigene Arzneispezialitäten eingeführt und so die eben erwähnte USP gestärkt.«

 

Seine Bilanz fällt rundum positiv aus: »Die Kosten neben den Studiengebühren für Übernachtungen, individuelle Anreise und Verpflegung sind die Mühe allemal wert. Auch der zusätzliche Arbeitsaufwand vor den Prüfungen, in meinem Fall circa zwei bis vier Stunden pro Tag in den zwei Wochen vor der Prüfungswoche, hat mich nicht gestört. Für mich persönlich hat sich das Studium sehr gelohnt!« So sehr, dass Hrovat »noch schnell« weiterstudiert hat.

 

Aufbauend auf den Studiengang Praktischer Betriebswirt an der WDA können Absolventen nämlich ihre betriebswirtschaftliche Weiterbildung vertiefen und den internationalen Titel MBA Health Care Management erwerben. Ein weiteres Semester ist dafür zu absolvieren.

 

European Business School

 

Nicht nur an Offizinapotheker, sondern an alle Mitarbeiter der Leistungserbringer im Gesundheitswesen richtet sich das Kontaktstudium Gesundheitsökonomie der European Business School (EBS) in Oestrich-Winkel. Ihre Studierenden kommen aus unterschiedlichen Bereichen des Gesundheitswesens, zum Beispiel aus der Medizin, Pharmazie, anderen Naturwissenschaften oder Jura. Seit 1996 können sie im berufsbegleitenden Intensivstudium fundiertes Wissen in General Management und Gesundheitsökonomie erwerben.

 

In den letzten Jahren wurde der Studiengang zu einer zweistufigen Ausbildung ausgebaut. Nach zwei Semestern erhält der Absolvent den Titel Gesundheitsökonom (EBS). Diese erste Studienstufe, gleichbedeutend mit dem Kontaktstudium Gesundheitsökonomie, fokussiert auf Health Care Management. Das bedeutet, dass volkswirtschaftliche Grundlagen zum Verständnis der ökonomischen Zusammenhänge sowie fundierte Kenntnisse über das deutsche Gesundheitssystem vermittelt werden. Schwerpunkte sind Gesundheitsversorgung und Versicherungssysteme sowie das Krankenhaus als betriebswirtschaftliches System.

 

Darauf aufbauend kann man in zwei weiteren Semestern den Abschluss eines MBA in Health Care Management erwerben. In dieser Studienstufe 2 liegt der Schwerpunkt auf General Management, das heißt, es werden die Managementfunktionen mit Blick auf den Gesundheitssektor behandelt. Das Studium dauert einschließlich Masterarbeit insgesamt 24 Monate: zehn Monate für Studienstufe 1 und 14 Monate für Studienstufe 2.

 

Apothekerin Dr. Gabriele Haas hat von 2008 bis 2009 die erste Studienstufe absolviert und Gesundheitsökonomie in Oestrich-Winkel studiert. »Ich habe mich für die EBS entschieden, weil die Universität einen guten Ruf hat und das Curriculum sehr umfassend ist. Außerdem fand ich vorteilhaft, dass man schon nach einem Jahr einen Titel erhält und den MBA optional anschließen kann«, nennt Haas ihre Gründe zur Studienauswahl. Allerdings gehöre die EBS nicht gerade zu den günstigen Anbietern. »Die Kosten belaufen sich auf derzeit 8900 Euro zuzüglich Mehrwertsteuer. Wer nicht vor Ort wohnt, muss noch die Anreise sowie die Übernachtungen mit einkalkulieren.«

 

Das zweisemestrige Studium besteht aus einer Blockwoche und Wochenendphasen. Die Präsenzzeit beträgt 260 Wochenstunden. »Mein damaliger Arbeitgeber hat mich sehr unterstützt, in dem er mir Bildungsurlaub gewährte«, sagt Haas gegenüber der PZ. »Ansonsten muss man seinen privaten Urlaub verwenden. Zu berücksichtigen ist jedoch, dass man sich auf die Abschlussklausuren am Ende der Semester vorbereiten muss und eine Hausarbeit zu schreiben ist. Ich habe dafür zum Teil Urlaub genommen, da ich abends nach der Arbeit nicht mehr den rechten Elan aufbringen konnte. Ein so intensives berufsbegleitendes Studium ist auf jeden Fall eine Doppelbelastung.«




Lernen, wann und wo man will: Dies ist ein großer Vorteil des Fernstudiums.

Foto: TK


Die Kollegin ist sich aber sicher, dass die Studieninhalte diese Mühen wert waren. »Mich haben Volkswirtschaft und die diversen Themen zum Verständnis des Gesundheitssystems am meisten interessiert.« Dazu gehören zum Beispiel Finanzierung der einzelnen Sektoren (stationäre sowie ambulante ärztliche Versorgung, Rehabilitation, Arzneimittelerstattung), der Aufbau und die Funktionsweise der Institutionen, zum Beispiel des Gemeinsamen Bundesausschusses. Haas: »Ohne diese Kenntnisse wird einem das Gesundheitssystem immer wie ein Mysterium erscheinen. Weniger interessiert hat mich persönlich die Betriebswirtschaft sowie Kostenrechnung – obwohl es eigentlich auch interessant ist und gut vermittelt wurde.«

 

Und was macht man mit dem Aufbaustudium als Apothekerin? »Ich arbeite für einen Informationsdienstleister, der innovative Ideen nicht nur verkaufen, sondern als Datenlieferant auch aktiv begleiten will. Innovative Produkte lassen sich nur entwickeln, wenn man das System, in dem das Produkt gelebt werden soll, auch verstanden hat. Ich bin für meinen Arbeitgeber insofern sehr wertvoll, weil ich das Gesundheitssystem in vielen Bereichen jetzt sehr gut verstehe und entsprechende Kenntnisse in die tägliche Arbeit einbringe, aber auch neue Ideen entwickeln kann.«

 

Das Fazit ist für Haas in jedem Fall positiv: »Das Investment hat sich für mich gelohnt. Zum einen finanziell, da sich die Kosten durch Jobwechsel oder Beförderung schnell amortisieren können. Zum anderen aber auch privat: Ich empfinde es als sehr befriedigend, wenn man den Bereich, in dem man arbeitet, auch wirklich versteht – und das ist im Wirtschaftsbereich Gesundheit gar nicht so einfach.« Die Kollegin würde das Studium jedem empfehlen, der sich im Gesundheitssystem weiterentwickeln möchte. Bei der Tätigkeit bei einer gesetzlichen Krankenkasse sei es besonders hilfreich, aber auch bei einem Leistungserbringer, einem Dienstleister oder im Marketing sowie in der Abteilung Gesundheitspolitik in der Pharmaindustrie.

 

Studieren in Schmalkalden

 

Näher am Tätigkeitsfeld der öffentlichen Apotheke ist das weiterbildende Studium »Apothekenbetriebswirt/-in (FH)«. Die Fachhochschule Schmalkalden will dort wissenschaftliches Know-how mit Anwendungsbezug für das professionelle Management von Apotheken vermitteln (6). Die Studierenden sollen sich mit Fragen der Betriebswirtschaft vertraut machen, um praxisnahe, individuell umsetzbare Lösungen für den eigenen Apothekenbetrieb erarbeiten zu können.

 

Das berufsbegleitende Studium dauert zwei Semester, die Studiengebühren betragen 3300 Euro pro Semester. Jeweils zum Sommersemester kann man mit dem Studium beginnen, das neben Selbststudienphasen auch Präsenzveranstaltungen in Schmalkalden beinhaltet. So sind fünf neuntägige Seminare zu absolvieren. Im ersten Semester stehen die Themenblöcke Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, Unternehmensführung und Organisation, Apothekenmarketing, betriebliches Finanzwesen und Apothekenrecht auf dem Lehrplan. Im zweiten Semester umfasst der Studienplan die Themen Apothekenmarketing, Beschaffung und Warenwirtschaft, betriebliche Informationsverarbeitung, betriebliches Finanzwesen und Gesundheitsökonomie. Außerdem bietet die Hochschule in Schmalkalden den zweisemestrigen berufsbegleitenden Studiengang Pharmazieökonomie an. Christiane Floren ist im Außendienst tätig und studiert seit März 2010. Für die pharmazeutisch-technische Assistentin sind die Möglichkeiten zur externen fachbezogenen Weiterbildung begrenzt. Gerne hat sie deshalb die Chance ergriffen, an der FH Schmalkalden berufsbegleitend zu studieren. »In der pharmazeutischen Industrie finden für uns Mitarbeiter ständig berufsbezogene Fortbildungen statt, die stets einen direkten Bezug zur täglichen Arbeit haben. Ich interessierte mich aber auch für die wissenschaftlichen Hintergründe«, erklärt sie ihre Motivation.

 

Nun reist die PTA zu insgesamt fünf Präsenzphasen jeweils rund 400 km nach Thüringen. Für das Studium muss sie bisher durchschnittlich fünf Stunden pro Woche investieren. »Der zeitliche Aufwand variiert je nach Vorkenntnissen und Lehrgebiet: Angegeben wird er mit fünf bis zehn Stunden pro Woche. Der finanzielle Aufwand setzt sich zusammen aus den Studiengebühren von 1950 Euro pro Semester, den individuellen Fahrtkosten, der Unterbringung – pro Übernachtung mit Frühstück derzeit durchschnittlich 25 Euro – und der individuellen zusätzlichen Verpflegung«, resümiert sie. Die Studienmaterialien wie Skripte und Bücher würden kostenfrei gestellt; weiterführende Recherchen seien in der Hochschulbibliothek mit Computerarbeitsplätzen oder jederzeit mit einem eigenen E-Mail-Account möglich.

 

Teile der Betriebswirtschaftslehre, das Fach Beschaffung und Warenwirtschaft in der öffentlichen Apotheke sowie Category Management sind für Floren neu und lehrreich. In den Lehrgebieten Marketing und Verkauf, Gesundheitsökonomie, EDV und Informationsmanagement sowie Recht und Normen in der Pharmazie hat sie neue Aspekte kennengelernt. Dabei komme es ganz auf die Vorkenntnisse und das derzeitige Arbeitsfeld an. »Die Studenten, die in der öffentlichen Apotheke arbeiten, sind mit den Lehrgebieten Beschaffung und Warenwirtschaft stärker vertraut als ich, denn ich arbeite seit mehr als 17 Jahren im pharmazeutischen Außendienst. Für mich dagegen sind Marketing und Verkauf oder Gesundheitsökonomie Themen, mit denen ich tagtäglich umgehe.«

 

Christiane Floren profitiert von den Studieninhalten in ihrer Berufstätigkeit deutlich. »Die Aufgaben im pharmazeutischen Außendienst haben sich in den letzten Jahren stark verändert. Wir besprechen auf Augenhöhe mit unseren Kunden betriebswirtschaftliche Aspekte und unterstützen sie im Marketing. Diese Bereiche kann ich durch das weiterbildende Studium noch besser ausfüllen.«

 

Sie empfiehlt das Studium für PTA, die sich weiterentwickeln und hinter die Kulissen schauen möchten: »Sie sind nach dem Studium besser in der Lage, die Situation in der öffentlichen Apotheke, aber auch in anderen möglichen Arbeitsfeldern realistisch einzuschätzen, ihre Vorgesetzen zielgerichtet zu unterstützen und Verantwortung zu übernehmen. Man ist einfach breiter aufgestellt und kompetenter bei der täglichen Arbeit.«

 

Gesundheitsökonomie in Bremen

 

Nicht jeder kann ein berufsbegleitendes Studium zeitlich und organisatorisch mit Beruf und Familie vereinbaren. Aber deshalb muss man den Kopf nicht in den Sand stecken, denn es gibt auch Angebote zum Fernstudium.

 

Die Apollon Hochschule der Gesundheitswirtschaft in Bremen zum Beispiel hat sich auf Fernstudien spezialisiert (7). Ziel ist die maximale Flexibilität für die Studierenden. Diese können jederzeit beginnen und studieren, ohne den Arbeitsplatz oder Wohnort aufzugeben. Drei Bachelor-Fernstudiengänge – Gesundheitsökonomie, Gesundheitslogistik und Gesundheitstourismus – stehen zur Auswahl. Daneben bietet die Hochschule drei Master-Fernstudiengänge (Gesundheitsökonomie, Health Management, Health Economics) und mehrere Hochschulzertifikate an. Die Studiengebühren betragen zwischen 307 bis 540 Euro pro Monat bei einer Studiendauer von 18 bis 60 Monaten.




Foto: Fotolia/Haertle


Die Hochschule sendet alle Materialien, die für ein erfolgreiches Studium benötigt werden, an die Studierenden. Alle drei Monate erhalten sie weitere Unterlagen wie Studienhefte, CDs und Nachschlagewerke, die den gesamten prüfungsrelevanten Lernstoff enthalten. Man bearbeitet die Studienhefte im eigenen zeitlichen Rhythmus. Mithilfe von Übungsaufgaben kann man den Lernfortschritt selbst fortlaufend überprüfen. Tutoren der Hochschule korrigieren die Aufgaben und geben eine individuelle Rückmeldung zum Lernfortschritt.

 

Alle Studienmodule werden mit Prüfungen abgeschlossen; dafür werden Credit-Points vergeben. Die gesammelten Punkte ersetzen eine Abschlussprüfung am Ende des Studiums. Das Curriculum umfasst zwei in der Regel zweitägige Präsenzseminare pro Studienjahr. Tutoren und Dozenten behandeln in diesen Tagen aktuelle und zentrale Themen der betreffenden Studiengänge.

 

Im berufsbegleitenden Fernstudium Health Economics werden die fachlichen, strategischen und sozialen Kernkompetenzen für die spezifischen Aufgaben einer Führungskraft im Gesundheitsmarkt vermittelt. Beispielsweise erhalten die Teilnehmer praxisnahes Wissen über Gesundheitspolitik, rechtliche Rahmenbedingungen im Gesundheitswesen, Public Health und Medical Writing. Bei erfolgreichem Abschluss erwerben die Studierenden den international anerkannten Master of Health Economics (MaHE) im Fachbereich Gesundheitsökonomie. Das Studienprogramm ist für Akademiker aller Fachrichtungen geeignet, dauert 24 Monate und ist mit 120 Credits bewertet.

 

Inhaltlich verwandt mit dem Aufbaustudium Gesundheitsökonomie ist der Studiengang »Medizinökonomie« der Rheinischen Fachhochschule Köln. Er vermittelt betriebswirtschaftliche, juristische und medizinisch-pharmazeutische Kenntnisse für Absolventen, die Managementaufgaben in Unternehmen der Gesundheitswirtschaft wahrnehmen wollen. Angeboten werden Themen aus der Theoretischen Medizin, Pharmakologie, Betriebswirtschaftslehre, Rechtswissenschaft und Unternehmensführung. Hinzu kommen verschiedene Fremdsprachen. Außerdem können sich die Studierenden in Praxisprojekten engagieren und unter der Anleitung eines Dozenten sogar selbst die Projektverantwortung übernehmen. Auf der Internetseite www.rfh-koeln.de/studium/studiengaenge/medizinoekonomie/medizin-oekonomie sind neben weiteren Informationen zum Studium Videos eingestellt, in denen Studierende ihre Motive zur Studienwahl schildern und über ihre Erfahrungen berichten.

 

Viele Wege zum MBA

 

Exemplarisch für zahlreiche weitere Möglichkeiten, postgradual den Master of Business Administration (MBA) mit Schwerpunkt im Gesundheitssektor zu erlangen, steht der Executive MBA Health Care Management-Studiengang der Business School der Universität Salzburg (SMBS). Die Managementausbildung für Führungskräfte im Gesundheitswesen ist international ausgerichtet: Vier Länder und zwei Kontinente sind integriert. So können zum Beispiel Module in Washington D.C. und Lausanne oder Brüssel absolviert werden.

 

Das berufsbegleitende Studium dauert vier Semester und gliedert sich in acht Module zu je acht oder zehn Tagen. Insgesamt umfasst dieses MBA-Studium 67 ECTS-Punkte (European Credit Transfer and Accumulation System; siehe Kasten). Als Gütesiegel für die Qualität der Ausbildung steht die FIBAA-Akkreditierung (Founda­tion for International Business Administration Accreditation). Die Kosten sind allerdings erheblich: Zur Studiengebühr von rund 25 000 Euro, die Kurs- und Prüfungsgebühren sowie Sonderleistungen einschließt, kommen noch Anreise, Unterkunft und Verpflegung.

 

Der erste Abschnitt (Grundstudium) des Salzburger Studiengangs umfasst vier Module und beinhaltet Fächer und Lehrveranstaltungen zum General Management: Unternehmensführung, Wertschöpfungsmanagement, Marketing und Per­sonalwirtschaft sowie Rechnungswesen, Controlling and Finance. Der zweite Abschnitt, der ebenfalls vier Module umfasst, ermöglicht eine Spezialisierung und zielt auf die Vermittlung von branchenspezifischen Inhalten ab. Hier geht es um Gesundheitswesen, Instrumente des Health Care Managements, Management von Gesundheitseinrichtungen sowie Gesundheitsmarkt und Entwicklung.


FIBAA-Qualitätssiegel

 

Hierbei handelt es sich um ein Qualitätssiegel für Hochschulen. Die FIBAA (Foundation for International Business Administration Accreditation, Internationale Agentur zur Qualitätssicherung im Hochschulbereich) ist eine schweizerische Non-Profit-Agentur zur Qualitätssicherung im Bildungsmarkt mit operativen Niederlassungen in Bonn (Deutschland; www.fibaa.de) und Zürich (Schweiz). Die FIBAA überprüft und fördert öffentliche und private Bildungsinstitutionen und will Transparenz auf dem Bildungsmarkt schaffen.

 

Seit 2002 verleiht die FIBAA für Akkreditierungen von Studiengängen im wirtschaftswissenschaftlichen Bereich das Siegel des deutschen Akkreditierungsrates. Die Berechtigung zur Vergabe dieses Qualitätssiegels wurde im Februar 2007 vom deutschen Akkreditierungsrat für weitere fünf Jahre verlängert und auf den rechts- und sozialwissenschaftlichen Bereich ausgeweitet.

 

ECTS-System

 

Das »European Credit Transfer and Accumulation System«, kurz ECTS, ist ein europaweit anerkanntes System zur Anrechnung, Übertragung und Akkumulierung von Studienleistungen. Es ist auf die Studierenden ausgerichtet und basiert auf dem Arbeitspensum, das diese absolvieren müssen, um die Ziele eines Studiengangs zu erreichen. Das Arbeitspensum wird in Kreditpunkten oder Credits ausgedrückt: 1 Kreditpunkt entspricht einem studentischen Arbeitsaufwand von 25 bis 30 Stunden. 60 Kreditpunkte werden für ein Studienjahr vergeben. 180 Kreditpunkte sind für das Bachelor-Diplom und 90 bis 120 Punkte für das Master-Diplom nötig.


Nicht nur in Salzburg, auch in München kann man berufsbegleitend einen MBA erwerben. Der 24-monatige Execu­tive MBA-Studiengang Health Care Management wendet sich an Mitarbeiter und Führungskräfte aus allen Bereichen des Gesundheitswesens. Die Teilnehmer sollen lernen, Managemententscheidungen fachlich fundiert zu treffen und umzusetzen. Sie absolvieren hierzu an der Munich Business School (MBS) eine breite praxisorientierte betriebswirtschaftliche Ausbildung, die spezifisch auf die Besonderheiten des Gesundheitssektors zugeschnitten ist.

 

Nach erfolgreichem Abschluss erhalten sie den akademischen Grad »Master of Business Administration« (MBA). Der Münchner MBA in Health Care Management ist ebenfalls von der FIBAA akkreditiert und wird mit 90 ECTS Credits bewertet.

 

Daneben gibt es zahlreiche weitere Möglichkeiten, einen »Master of Business Administration« zu erwerben. Neben deutschen Universitäten bieten viele Business Schools im Ausland den Erwerb dieses Abschlusses an. Dazu gehören auch die großen renommierten Universitäten in den USA oder Großbritannien, wie Harvard, Stanford oder London. Einen ersten Überblick kann man sich unter www.mba.de verschaffen. Dort wird auch auf internationale Seiten verwiesen.

 

Anstrengend, aber lohnend

 

Für Apotheker bestehen vielfältige postgraduale Studienmöglichkeiten zu wirtschaftlichen Themen. Ob ein Aufbau- oder Zusatzstudium sinnvoll ist, sollte jeder für sich unter Berücksichtigung der Berufsziele und Berufsaussichten, aber auch unter Kosten-Nutzen-Aspekten abwägen. Die zeitliche und private Belastung kann sehr hoch sein; daneben müssen Interessenten auch mit (zum Teil erheblichen) Studiengebühren rechnen. Die von der PZ befragten Kollegen berichten jedoch übereinstimmend, dass sich die Mühen lohnen und eine Zusatzqualifikation die Eintrittskarte für viele spannende Tätigkeitsfelder in der Pharmazie darstellen kann. /


Literatur

  1. Staiger, C., Zusatz-, Ergänzungs- und Aufbaustudiengänge für Apotheker. Pharm. Ztg. 142 (1997) 2347-2355.
  2. Schierhorn, D., Vom Betriebswirt bis zum Master of Science. Studiengänge für Apotheker. Pharm. Ztg. 150 (2005) 1325-1328.
  3. Siebenand, S., Der Weg zum Master. Zusatzqualifikation. Pharm. Ztg. 151 (2006) 556-557.
  4. Schierhorn, D., Umsteigen und aufsteigen mit wissenschaftlicher Weiterbildung. Aufbaustudiengänge für Apotheker. Pharm. Ztg. 154 (2009) 852-856.
  5. N.N., 15. Studienjahrgang erfolgreich verabschiedet. Dtsch. Apoth. Ztg. 150 (2010) 5838.
  6. Oelsner, T., 2. Schmalkaldener Apothekenbetriebswirtetage. Pharm. Ztg. 153 (2008) 1080.
  7. N. N., Zwei neue Masterstudiengänge für die Gesundheitswirtschaft. Pharm. Ztg. 152 (2007) 2532.

Die Autorin

Christiane Staiger studierte Pharmazie an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz und wurde an der Philipps-Universität Marburg promoviert. Sie absolvierte drei berufsbegleitende Aufbaustudiengänge, darunter einen in BWL. Nach beruflichen Stationen in der öffentlichen Apotheke und der ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände ist sie heute in der Pharmaindustrie tätig. Sie ist Fachapothekerin für Arzneimittelinformation, Dozentin an verschiedenen Universitäten und im praxisbegleitenden Unterricht. Weiterhin engagiert sie sich in der Fachgruppe WIV-Apotheker und als stellvertretende Vorsitzende der Fachgruppe Industriepharmazie der DPhG, die gemeinsam die Broschüre »Pharmazeutische Tätigkeitsfelder außerhalb der Apotheke« herausgeben.

 

Die Autorin dankt  ihren Interviewpartnern Christiane Floren, Dr. Gabriele Haas, Tilman Hanssum und Hannes Hrovat für die Informationen.

 

Dr. Christiane Staiger, Jean-Philipp-Anlage 24, 63263 Neu-Isenburg, E-Mail: ch.staiger@gmx.de


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Beitrag erschienen in Ausgabe 13/2011

 

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