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Vitamin D: UV-Licht beschleunigt Arznei-Abbau

PHARMAZIE

 
Vitamin D

UV-Licht beschleunigt Arznei-Abbau


Von Annette Mende / Die Fähigkeit des Körpers, bestimmte Arzneistoffe zu verstoffwechseln, kann mit der Sonnenlicht-Exposition zusammen­hängen und daher im Jahresverlauf variieren. Das haben Wissenschaftler des schwedischen Karolinska-Instituts herausgefunden.

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Arzneistoffe, die über das Enzymsystem Cytochrom P450 (CYP) 3A4 abgebaut werden, haben im Sommer teilweise niedrigere Plasmaspiegel als im Winter. Für die saisonalen Unterschiede könnten Schwankungen des Vitamin-D-Spiegels verantwortlich sein, vermuten die Forscher in »Drug Metabolism & Disposition« (doi 10.1124/dmd.111.038125). Denn Vitamin D reguliere ein Gen hoch, das für CYP 3A4 kodiert. Hohe Vitamin-D-Spiegel würden also zu einer Aktivierung von CYP 3A4 führen und so den Arzneistoff-Abbau beschleunigen. Da Vitamin D unter UV-Einstrahlung in der Haut gebildet wird, sind in europäischen Breiten die Blutspiegel des Vitamins im Winter niedriger als im Sommer.

 

Die Wissenschaftler untersuchten für ihre Studie die Plasmakonzentrationen der drei Immunsuppressiva Tacrolimus, Sirolimus und Ciclosporin anhand der Blutproben von 3570 Patienten. Alle drei Arzneistoffe werden über CYP 3A4 metabolisiert. Als Vergleich dienten die Werte von 530 Patienten, die mit dem Immunsuppressivum Mycophenolsäure behandelt wurden, das kein Subs­trat für CYP 3A4 ist. Die Daten waren in den Monaten Juli bis September beziehungsweise Januar bis März von Patienten aus der Gegend um Stockholm gewonnen worden. Bei mehr als 60 Prozent der Patienten, die mit Tacrolimus oder Sirolimus therapiert wurden, fanden die Wissenschaftler im Sommer niedrigere Plasmaspiegel des jeweiligen Wirkstoffs als im Winter. Für Tacrolimus betrug dieser Unterschied je nach Berechnungsmethode 5 bis 7 Prozent, für Sirolimus 8 bis 17 Prozent. Keine saisonalen Schwankungen zeigten sich erwartungsgemäß in der Höhe der Mycophenolsäure-Spiegel. Dass sie auch bei den Ciclosporin-Spiegeln keine messbaren Unterschiede im Jahresverlauf feststellten, überraschte die Forscher. Sie glauben jedoch, dass dieses Ergebnis auf Messungenauigkeiten beruht und auch die Ciclosporin-Spiegel in Wirklichkeit im Sommer niedriger waren als im Winter.

 

Die Autoren sehen in den Ergebnissen ihrer Studie einen deutlichen Hinweis darauf, dass Vitamin D indirekt den Abbau von Arzneistoffen beeinflussen kann. Auf mögliche Konsequenzen dieser Erkenntnisse für die klinische Praxis gingen sie jedoch nicht ein. Denkbar wäre etwa eine Dosisanpassung der betroffenen Immunsuppressiva, um eine Transplantatabstoßung zu verhindern. / 


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Beitrag erschienen in Ausgabe 11/2011

 

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