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Generikamarkt: Steigender Absatz, sinkender Umsatz

WIRTSCHAFT UND HANDEL

 
Generikamarkt

Steigender Absatz, sinkender Umsatz

Von Bettina Sauer, Berlin

 

Die Generikahersteller verzeichnen trotz einer Zunahme der verkauften Packungen Umsatzrückgänge. Das belegen Marktdaten, die der Branchenverband Pro Generika am Montag in Berlin vorstellte. Was die gesetzlichen Kassen entlastet, bringt womöglich die Hersteller in Bedrängnis.

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Das Arzneimittelversorgungs-Wirtschaftlichkeitsgesetz (AVWG) und das GKV-Wettbewerbs-Stärkungsgesetz (GKV-WSG) hinterlassen ihre Spuren im deutschen Generikamarkt. Das geht aus den Marktdaten 2006/2007 hervor, die der Branchenverband Pro Generika am Montag in Berlin vorstellte. So sanken im ersten Halbjahr 2007 die Umsätze der Generikahersteller verglichen mit dem Vorjahr um 5,4 Prozent. Und dass, obwohl sich in diesem Zeitraum der Absatz um 8,1 Prozent auf 183 Millionen Packungseinheiten erhöhte und die Generikaquote entsprechend um weitere drei Prozent auf einen neuen Höchstwert von 56,7 Prozent im GKV-Gesamtmarkt kletterte. »Die Unternehmen haben deutlich mehr in den Markt gegeben als zurück bekommen«, kommentierte Pro Generika-Geschäftsführer Hermann Hofmann.

 

Diesen Widerspruch führte er vor allem auf den doppelten Druck zurück, der auf ihnen laste: Einerseits fördere der Gesetzgeber dezentrale Wettbewerbsinstrumente wie Rabattverträge. Andererseits halte er gleichzeitig an zentralen Regulierungsmechanismen wie Festbeträgen, Zwangsrabatten, Importförderungen oder Bonus-Malus-Reglungen für Ärzte fest. »Die deutsche Generikaindustrie wird in einen Schraubstock aus dirigistischen Rege-lungen und wettbewerblichen Zwängen gepresst, der den ohnehin harten Preiswettbewerb künstlich überhitzt«, befand Hofmann.

 

So belegte eine im vergangenen Juni veröffentlichte Studie der IMS-Health, dass die Preise der verschreibungspflichtigen Generika durchschnittlich um knapp ein Drittel gesunken seien. Vor allem bei den umsatzstarken Wirkstoffen zur Therapie der chronischen Volkskrankheiten, wie etwa Omeprazol, Simvastatin, Metoprolol oder Enalapril wurde kräftig gespart. »Die Studie hat auch einen Vergleich mit den wichtigen europäischen Generika-Märkten Großbritannien, Frankreich, Italien, Spanien angestellt«, sagte Hofmann. »Demnach ist Deutschland mit Abstand am günstigsten.«

 

Entlastung für die Kassen

 

Insgesamt habe die Verordnung von Generika die Krankenkassen im ersten Halbjahr 2007 um etwa 2,4 Milliarden Eu-ro entlastet. Peter Schmidt, ebenfalls Geschäftsführer von Pro Generika, sagte: »Damit federn Generika den anhaltenden Ausgabendruck ab, der von den patentgeschützten Arzneimitteln und den patentfreien Erstanbieterprodukten ohne Generikakonkurrenz ausgeht.« In diesen beiden Bereichen haben die gesetzlichen Krankenkassen einer weiteren Analyse von IMS zufolge bislang 17, beziehungsweise 18 Prozent mehr ausgegeben als im Vergleichszeitraum 2006. Entsprechend sind laut IMS-Analyse die Gesamtausgaben der Krankenkassen um 4,8 Prozent gestiegen.

 

Einseitiges Sparen bei Generika

 

Deshalb forderte Hofmann, die Kosten-Nutzen-Bewertung patentgeschützter Arzneimittel voranzutreiben: »Wer denkt, dass der absehbare Ausgabenzuwachs in diesem Segment durch Einsparungen bei den Generika ausgeglichen werden könnte, betreibt pure Augenwischerei.« Vor allem aber müsse der Gesetzgeber das teils kontraproduktive »Neben-, Mit- und Gegeneinander« von Festbeträgen, Zwangsrabatten, Bonus-Malus-Regelungen, Importförderung und anderen Maßnahmen beseitigen, die vor allem die Generikahersteller unter Druck setzten. »Wir bestreiten nicht den guten Willen, der hinter all diesen Maßnahmen steckt«, sagte Schmidt. »Dennoch fordern wir eine Entrümpelung des Wirrwarrs, das die letzten Gesundheitsreformen angerichtet haben.«

 

Ansonsten werde sich der Preiswettbewerb noch weiter verstärken. Schon jetzt gebe es Fälle, dass der Herstellerabgabepreis unter den Produktionskosten liege. »Das entlastet zwar die Kassen«, sagte Schmidt, »bringt die Unternehmen aber in Bedrängnis.« Besonders für die kleinen mit einem schmalen Produktportfolio, die keine Möglichkeiten zur Querfinanzierung hätten, gestalte sich der Preiskampf zu hart. »Die Hersteller werden ihre Konsequenzen ziehen«, drohte Hofmann: »Womöglich mit einem Stellenabbau oder gar der Verlagerung von Produktionsstätten in Niedriglohnländer. Der Genrikastandort Deutschland steht auf dem Spiel.«


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Beitrag erschienen in Ausgabe 38/2007

 

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