Die Zeitschrift der deutschen Apotheker

 

Pharmazeutische Zeitung

 

PTA-Forum

 

PZ-Akademie

 

DAC/NRF

 

Kinder: Weiterhin zu wenig geprüfte Medikamente

NACHRICHTEN

 
Kinder: Weiterhin zu wenig geprüfte Medikamente
 


Die Entwicklung spezieller Medikamente für Kinder liegt nach Meinung von Experten weiter im Argen. Weniger als die Hälfte der in Deutschland zugelassenen Medikamente sind laut Bundesinstitut für Arzneimittel und  Medizinprodukte auch für Kinder geprüft. Zwar sieht die EU-Arzneimittelverordnung seit 2007 vor, dass Pharmakonzerne jedes neue Medikament auch in Studien mit Kindern testen müssen. Die Zahl dieser Studien sei bisher aber nicht signifikant gestiegen, sagte der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ), Professor Dr. Fred Zepp, im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa.

Nur an etwa 5 Prozent aller Studien sind nach Angaben der DGKJ Kinder und Jugendliche zwischen 12 und 17 Jahren beteiligt, Neugeborene und Kinder bis zwei Jahre sogar nur an höchstens 2 Prozent der Studien. «Jetzt in 2011 hätten wir uns als Kinder- und Jugendärzte gewünscht, dass schon mehr passiert wäre», sagte Zepp, der auch Direktor des Zentrums für Kinder- und Jugendmedizin an der Mainzer Uniklinik ist.

«Fälschlicherweise wird häufig angenommen, dass der Organismus von Kindern eine verkleinerte Version des Organismus von Erwachsenen ist», sagte der Mediziner. Viele Organe wie Nieren, Leber oder Darm seien aber sensibler und weniger belastbar als bei Erwachsenen. Einige Wirkstoffe, die für Erwachsene ungefährlich seien, können bei Kindern schwere Erkrankungen auslösen. Acetylsalicylsäure etwa kann bei Kindern zu Leberversagen führen, Cortison das Wachstum negativ beeinflussen.

Warum es für Kinder und Jugendliche nur wenige zugelassene Medikamente gibt, liegt für Zepp auf der Hand: «Die Unternehmen orientieren sich am Machbaren, am Rentablen.» Die Altersgruppe der Menschen bis 18 Jahre mache in Deutschland nur rund 15 bis 18 Prozent der Bevölkerung aus. In dieser Gruppe gebe es weniger chronisch Kranke, der Genesungszeitraum sei normalerweise kurz. Der Aufwand für eine Studie mit Kindern sei hinsichtlich Planung, Durchführung und Kontrolle viel höher und auch unter medizinisch- ethischen Aspekten genau zu prüfen, erklärte Zepp. Aber auch auch Kinder hätten «ein Recht auf Fortschritt».

28.01.2011 l PZ/dpa
Foto: Fotolia/Yantra
 

 

Das könnte Sie auch interessieren

 

 

Weitere Nachrichten

 


Neue Arzneistoffe: ein ziemlich guter Jahrgang

36 neue Wirkstoffe, davon zehn Sprung- und 17 Schrittinnovationen: Der Jahrgang 2015 war in puncto neue Arzneimittel «ziemlich gut»,...



Opioide: Obstipation im Fokus

«Opioide sind die potentesten Analgetika, die wir kennen», sagte der Präsident der Deutschen Schmerzliga, Privatdozent Dr. Michael Überall...



Neuropathischer Schmerz: Eine Herausforderung

Nervenläsionen, diabetische Neuropathie oder Trigeminusneuralgie: Die Behandlung von Patienten mit neuropathischen Schmerzen stellt...



Entlassmanagement: ABDA kritisiert Rahmenvertragsentwurf

Die Apothekerschaft hält einige Punkte der im März in Kraft getretenen Änderung der Arzneimittelrichtlinie ohnehin für praxisfern. Nun...

 
 

Erdnüsse schützen nachhaltig vor Erdnussallergie
Wenn Kinder mit einem Risiko für Lebensmittelallergien regelmäßig in ihrer frühesten Kindheit Erdnüsse zu sich nehmen, senkt dies das...

Ärzte: Arzneimittelpreise überfordern Gesundheitssystem
Deutschlands Ärzte haben die Bundesregierung aufgefordert, gegen steigende Arzneimittelpreise vorzugehen. Dringender Verbesserungsbedarf...

PZ-Innovationspreis 2016: Nivolumab ausgezeichnet
Ein Immuntherapeutikum gegen Hautkrebs hat den 22. Innovationspreis der Pharmazeutischen Zeitung (PZ) gewonnen: der Antikörper Nivolumab...

Essen im Hellen erhöht Insulinresistenz
Ein romantisches Candlelight-Dinner hat gegenüber der Nahrungsaufnahme in einer grell erleuchteten Kantine viele Vorteile. Einer davon ist,...

Gesundheitsministerium bezuschusst Antibiotika-Forschung
Das Bundesgesundheitsministerium (BMG) unterstützt mit 500.000 Euro die neu gegründete Globale Partnerschaft für Antibiotika-Forschung und...

Herzinsuffizienz: Entresto in Leitlinie aufgenommen
Das Arzneimittel Entresto® haben Experten in die aktualisierte Leitlinie zur Diagnose und Therapie der chronischen...

Nikotinvergiftung: Kinderarbeiter auf Tabakplantagen gefährdet
Tausenden Kindern droht Menschenrechtlern zufolge bei der Arbeit auf Tabakplantagen in Indonesien eine Vergiftung durch Nikotin und...

Schutz bei Atomunfall: NRW kauft Iod auf eigene Rechnung
Um die Bevölkerung bei einem Atomunfall besser schützen zu können, will Nordrhein-Westfalen Iodtabletten für alle Schwangeren und...

Depression: Screening mit Zwei-Fragen-Test
Bei älteren und alten Menschen zeigt sich eine Depression oft unspezifisch mit vielen Symptomen. Professor Dr. Gerhard W. Eschweiler (Foto)...

Pandemien schneller bekämpfen: G7 wollen WHO unterstützen
Die sieben reichen Industrienationen (G7) wollen die internationale Reaktion auf den Ausbruch von Pandemien verbessern und beschleunigen....

Milliarden-Angebot abgelehnt: Monsanto lässt Bayer auflaufen
Bayer muss bei seiner geplanten Milliardenübernahme des umstrittenen US-Agrarchemiekonzern Monsanto nachbessern. Monsanto lehnt das...

HAV öffnet sich der digitalen Revolution in der Apotheke
Maschinen verfügen zunehmend über Kompetenzen, die bislang Menschen vorbehalten waren – bis hin zur medizinischen Beratung von Patienten....

Nullretax bei Formfehlern: Heilung in Sicht
Apotheker dürfen Formfehler künftig heilen. Das geht aus dem geänderten Rahmenvertrag hervor, auf den sich Apotheker und Kassen im...

Pflegeheimbewohner: Stärkerer Fokus auf die Nieren
Patienten in Alten- und Pflegeheimen sind prädisponiert für unerwünschte Arzneimittelwirkungen (UAW). Beim Fortbildungskongress Pharmacon...

Elektronische Arztbriefe: Uniklinik startet Pilotprojekt
In der Rostocker Universitätsklinik hat ein Pilotprojekt zur sogenannten vernetzten Medizin begonnen. Erstmals wurden testweise Arztbriefe...

Kein Hokuspokus: Placebo ist Teil der Therapie
Nein, ein Placebo ist kein unwirksames Präparat. Placebo hat in vielen Fällen eine nicht unerhebliche Wirkung, sagt Professor Dr. Christian...

Noch mehr Meldungen...













DIREKT ZU