Die Zeitschrift der deutschen Apotheker

 

Pharmazeutische Zeitung

 

PTA-Forum

 

PZ-Akademie

 

DAC/NRF

 

 

 

Multiple Sklerose: Kein Cladribin in Europa

NACHRICHTEN

 
Multiple Sklerose: Kein Cladribin in Europa
 


Das wissenschaftliche Komitee (CHMP) der europäischen Zulassungsbehörde hat seine bisherige Entscheidung bestätigt und den Antrag auf Marktzulassung für den oralen Multiple-Sklerose-Wirkstoff Cladribin endgültig negativ beschieden. Das meldet Hersteller Merck Serono. «Die Messen sind vorerst gesungen», kommentierte Privatdozent Dr. Sigbert Jahn, Medizinischer Direktor bei Merck Serono in Darmstadt, auf einer Presseveranstaltung in Frankfurt am Main.

Mit Spannung erwarte man nun Ende Februar die Entscheidung der US-amerikanischen Zulassungsbehörde. In Russland und Australien ist Cladribin bereits zugelassen und wird unter dem Namen Movectro® vertrieben. Das Nucleosidanalogon Cladribin ist bereits seit 1997 in Deutschland unter dem Namen Leustatin® zur Behandlung der Haarzell-Leukämie erhältlich.

Offenbar hat sich Merck Serono noch nicht vollständig von dem Gedanken verabschiedet, Cladribin auch in Europa in der Indikation Multiple Sklerose (MS) auf Markt zu bringen. Bei der Veranstaltung hieß es, dass das Unternehmen (in Absprache mit den Behörden) das klinische Programm mit Cladribin weiterführen wird. Die Studien sollen zusätzliche Informationen zur Wirksamkeit und Sicherheit von Cladribin bei MS liefern.

Der Leiter der weltweiten Forschung und Entwicklung bei Merck Serono, Dr. Bernhard Kirschbaum, erklärt in einer Pressemitteilung: «Wir werden die uns zur Verfügung stehenden Möglichkeiten prüfen, wie wir diese therapeutische Option zukünftig auch Patienten in Europa, die davon profitieren könnten, bereit stellen können.»

Cladribin wäre (ähnlich wie das zur Zulassung empfohlene Fingolimod von Novartis Pharma) eine weitere Therapieoption bei Multipler Sklerose. Es reduziert die Lymphozytenzahl. «Ich hätte es gerne als Alternative in der Hinterhand gehabt», sagte Privatdozent Dr. Mathias Mäurer, Chefarzt der Klinik für Neurologie am Caritas-Krankenhaus in Bad Mergentheim. Denn bei einigen Patienten sei der Einsatz immunmodulatorischer Basistherapeutika nicht ausreichend, um den Krankheitsverlauf effizient zu kontrollieren. (ss)

Lesen Sie dazu auch
Multiple Sklerose: Neue Ansätze, mehr Lebensqualität

26.01.2011 l PZ
Foto: Fotolia/Scusi
 

 

Das könnte Sie auch interessieren

 

 

Weitere Nachrichten

 


Pharmacon Meran: Mehr junge Besucher

Die Veranstalter des Pharmacon in Meran haben nach dem Abschluss des Kongresses eine positive Bilanz gezogen. Es seien noch einmal mehr...



Hautkrebsschutz: Besser bedecken als eincremen

Sonnencreme schützt beim Sonnenbaden nicht vor Hautkrebs. Das betonte Teresa Amaral vom Zentrum für Dermatoonkologie der...



Impfberatung: Kitas müssen Verweigerer künftig melden

Die Bundesregierung will konsequenter gegen Eltern vorgehen, die sich einer Impfberatung verweigern. Das geht aus dem Entwurf eines...



Drug targeting: Von adressierten Päckchen und Schleusentoren

Ein Drug Targeting, also die zielgenaue Anreicherung eines Arzneistoffs am Wirkort nach systemischer Gabe, ist für viele Arzneistoffe...

 
 

Reisedurchfall: Trinken und Paracetamol
Wer im Urlaub Durchfall bekommt und ein Schmerzmittel nehmen möchte, sollte am besten Paracetamol wählen. Darauf wies Professor Thomas...

Ramadan: Gläubige sollten Medikamente trotzdem nehmen
Muslime sollten auch während der Fastenzeit weiter ihre Medikamente nehmen. Darauf hat die ABDA – Bundesvereinigung Deutscher...

Obama sieht Gesundheitsversorgung «insgesamt bedroht»
Der frühere US-Präsident Barack Obama hat eindringlich dafür geworben, die von ihm eingeleitete Reform des amerikanischen Gesundheitswesens...

Knochenmarkspende: Gemeinsam gegen Blutkrebs
In Deutschland sind mit gut 7,4 Millionen Menschen so viele Knochenmarkspender registriert wie noch nie zuvor. Das geht aus Zahlen des...

Tabakanbau: Warum Rauchen auch der Umwelt schadet
Die Deutsche Krebshilfe führt Rauchern nicht nur die gesundheitlichen, sondern auch die ökologischen Folgen des Rauchens vor Augen. «Die...

Stratifizierte Medizin: Es gibt noch Luft nach oben
Sogenannte Präzisionsarzneimittel, die nur bei Patienten mit bestimmten Eigenschaften wirken, werden momentan noch nicht optimal genutzt....

Digitale Gesundheitsdienste: Zwischen Skepsis und Vertrauen
Rund die Hälfte der Deutschen steht digitalen Gesundheitsdiensten skeptisch gegenüber. Das geht aus einer Studie hervor, die der Verein...

In der Pipeline: MAB für die kranke Haut
Was haben Avelumab, Dupilumab und Brodalumab gemeinsam? Drei Gemeinsamkeiten und viele Details stellte Professor Dr. Manfred...

Neue Arzneimittel: 2016 war ein gutes Jahr
Insgesamt 32 neue Wirkstoffe kamen im Jahr 2016 in Deutschland neu auf den Markt – der Großteil davon Sprung- oder Schrittinnovationen....

Verstopfung: Besser beraten in der Apotheke
Wer an chronischer Verstopfung leidet, kann sich in der Apotheke diskret und persönlich beraten lassen. Darauf wies der Apotheker Christian...

FIP: Arzneimittelentwicklung besser einbetten
Bei der Entdeckung und Entwicklung neuer Arzneimittel sollen künftig nicht mehr einzelne Krankheiten isoliert betrachtet werden....

CRISPR/Cas9: Tatsächliche und zukünftige Anwendungen
Das als Genschere bekannt gewordene CRISPR/Cas9-System ermöglicht eine ganze Reihe von neuen medizinischen Optionen. Was bereits angewandt...

Noch mehr Meldungen...

PHARMAZEUTISCHE ZEITUNG ONLINE IST EINE MARKE DER

 












DIREKT ZU