Die Zeitschrift der deutschen Apotheker

 

Pharmazeutische Zeitung

 

PTA-Forum

 

PZ-Akademie

 

DAC/NRF

 

USA: Europäischer Lieferboykott für Hinrichtungsgift












DIREKT ZU

 


NACHRICHTEN

 
USA: Europäischer Lieferboykott für Hinrichtungsgift
 


In den USA verzögern sich derzeit Exekutionen, da ein Bestandteil der Hinrichtungs-Medikamente nicht lieferbar ist. Bereits seit August 2009 stellt der Natrium-Thiopental-Hersteller Hospira das Medikament in den USA nicht mehr her. Eigentlich sollte das Mittel in Italien weiter produziert und in die USA geliefert werden. Italien hat die Ausfuhr jedoch aus ethischen Gründen verboten. Hospira hatte daraufhin entschieden, das Mittel vom Markt zu nehmen. Eine britische Firma, die im Oktober das Mittel einmalig dem Bundesstaat Arizona zur Verfügung gestellt hatte, will wegen der EU-Vorschriften nicht mehr in die USA liefern.

Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler appellierte nun in einem Brief an die deutschen Pharmafirmen, dass Mittel nicht zu Exekutionszwecken in die USA zu liefern, so ein Bericht der «Süddeutschen Zeitung». «Soweit Ihre Firma Thiopental-Natrium enthaltende Arzneimittel in Verkehr bringt, möchte ich Sie eindringlich bitten, solchen Lieferungsersuchen nicht zu entsprechen», heißt es dem Zeitungsbericht zufolge in dem Schreiben. Der Verband forschender Arzneimittelhersteller sprach heute in Berlin von einer ethischen Verpflichtung. «Sollten entsprechende Lieferanfragen hier eintreffen, werden sie abgelehnt», erklärte Verbandssprecherin Susan E. Knoll.

Auch die deutsche Ärzteschaft unterstützt diesen Lieferboykott. «Die deutsche Pharmaindustrie kann zeigen, dass sie ethisch handelt, wenn sie sich hier beteiligt», sagte der Vizepräsident der Bundesärztekammer, Frank Ulrich Montgomery, der «Passauer Neuen Presse». Es gebe Beschlüsse der American Medical Association ebenso wie deutscher Ärzte, nicht an Todesstrafen mitzuwirken.

Bereits im vergangenen Jahr hatten die Nachschubprobleme dazu geführt, dass etwa in Kentucky oder Kalifornien Exekutionen verschoben wurden. Vielerorts sind zwar noch Rationen vorhanden, allerdings läuft deren Haltbarkeitsdatum bald ab, wenn es nicht schon überschritten ist. Oklahoma setzte als Ersatz mehrmalig ein an Menschen unerprobtes Tierarzneimittel ein, was im Land große Proteste auslöste. Die Suche nach Ersatzstoffen und deren Zulassung für Exekutionen könnte Monate oder gar länger dauern. Nur noch wenige Hinrichtungen können derzeit wie geplant durchgeführt werden.

Die Todesstrafe wird in 35 US-Bundesstaaten verhängt. Fast alle davon richten ihre Häftlinge mit der Giftspritze hin. Dabei wird zunächst Natrium-Thiopental verabreicht, um den Todeskandidaten bewusstlos zu machen. Zwei danach verwendete Mittel führen zur Lähmung und schließlich zum Herzstillstand.

24.01.2011 l PZ/dpa
Foto: Fotolia/Klementiev (Symbolbild)
 

 

Das könnte Sie auch interessieren

 

 

Weitere Nachrichten

 


Pharmaunternehmen kritisieren gesetzliche Frauenquote

Die von der großen Koalition geplante gesetzliche Frauenquote in Aufsichtsräten stößt in der Wirtschaft auf Kritik. Schwarz-Rot hatte sich...



Übergewicht sorgt jährlich für eine halbe Million Krebsfälle

Weltweit gehen schätzungsweise 481.000 neue Krebserkrankungen pro Jahr auf das Konto von Übergewicht und sind damit im Prinzip vermeidbar,...



Hamburg: Hilfsmittelversorgung alltagstauglich machen

Der Hamburger Apothekerverband steht aktuell wieder in äußerst komplizierten Verhandlungen mit der AOK Rheinland/Hamburg zur...



Generika: Patienten zahlen so häufig zu wie noch nie

Gesetzlich Krankenversicherte mussten noch nie so oft in der Apotheke Zuzahlungen für Generika leisten wie heute. Dies stellte der Verband...

 
 

Pille danach: SPD drängt auf Freigabe
Die SPD drängt Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) zu einer schnellen Freigabe der Pille danach. «Wir müssen Frauen nach...

EU: Mehrere neue Arzneimittel zugelassen
Die EU-Kommission hat zwei neue Kombinationspräparate, ein Diagnostikum und ein Orphan Drug zugelassen. Das HIV-Mittel Rezolsta®...

Hebammen: Versorgungslücken in der Geburtshilfe
Der Deutsche Hebammenverband (DHV) sieht die Geburtshilfe in Deutschland massiv gefährdet. «Eine flächendeckende Versorgung bei...

EU: Jeder Vierte stirbt an Krebs
Jeder vierte Todesfall in der Europäischen Union geht auf Krebs zurück. Das berichtete die europäische Statistikbehörde Eurostat in...

Prävention: Impfchecks und Diabetes-Screening in Apotheken
Die ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände drängt auf eine stärkere Einbindung der Apotheker in das geplante...

Valproinsäure: Strengere Warnhinweise für Frauen
Da das Antiepileptikum Valproinsäure zu Fehlbildungen und Entwicklungsproblemen bei Babys führen kann, will die EU die Warnhinweise für...

Rote-Hand-Brief: Rückruf Fenistil-Injektionslösung
Hersteller Novartis ruft in einem Rote-Hand-Brief zwei Chargen seiner Fenistil 1 mg/ml Injektionslösung zurück. Der Grund: Die Ampullen...

Hydrocodon: Galenik gegen Missbrauch
Die US-amerikanische Arzneimittelbehörde FDA hat das Hydro­codon-haltige Präparat Hysingla® ER zugelassen, dessen spezielle...

Küssen: Meine Bakterien sind deine Bakterien
Bei einem Kuss von einer Länge von zehn Sekunden wechseln etwa 80 Millionen Bakterien den Besitzer. Was niemand so wirklich wissen wollte,...

Testosteron: Produktinformationen werden aktualisiert
Derzeit gibt es keine eindeutige Evidenz, dass Testosteron-Ersatzpräparate bei Männern mit Hypogonadismus das Risiko für Herzprobleme...

«Pille danach»: Apotheker wollen umfassend beraten
Die Apotheker wollen bei der Abgabe der «Pille danach» die größtmögliche Sicherheit gewährleisten. «Selbstverständlich beraten wir die...

Pflegeheim: Zahngesundheit oft vernachlässigt
Die Hälfte aller Pflegeheimbewohner hat einer Erhebung zufolge zwei Jahre lang keinen Zahnarzt mehr gesehen. Zu diesem Ergebnis kommt der...

Hasse gegen Beratungs-Checks von Pharmazieräten
Die Resolution der Arbeitsgemeinschaft der Pharmazieräte Deutschlands (APD) schlägt weiter Wellen. Vor allem das darin angekündigte...

Gesundheitsetat für 2015 steht
Die Bundesregierung hat entschieden, wie und wo sie im kommenden Jahr Geld im Bereich Gesundheit ausgeben wird. Das teilte die...

Genetischer Hintergrund sexueller Orientierung
Homosexuelle Menschen werden homosexuell geboren. Darauf weist die bislang größte genomische Analyse zu diesem Thema hin, deren Ergebnisse...

HIV: Weiter über Prävention und Therapie aufklären
Trotz deutlicher Erfolge nach drei Jahrzehnten Aids-Prävention in Deutschland gibt es keinen Grund zur Entwarnung: 2013 seien 550 Menschen...

Ebola: US-Quarantänestation in Deutschland
Nach ihrem Einsatz in westafrikanischen Ebola-Krisengebieten werden US-Soldaten künftig drei Wochen lang auf der US-Militärbasis Baumholder...

Noch mehr Meldungen...