Die Zeitschrift der deutschen Apotheker

 

Pharmazeutische Zeitung

 

PTA-Forum

 

PZ-Akademie

 

DAC/NRF

 

Cannabis-Anbau für Kranke nicht pauschal verboten












DIREKT ZU

 


NACHRICHTEN

 
Cannabis-Anbau für Kranke nicht pauschal verboten
 


Schwerkranke dürfen unter Umständen Cannabis für ihren medizinisch bedingten Eigenbedarf anbauen. Das Verwaltungsgericht in Köln stellte in einem jetzt veröffentlichten Urteil klar, dass dies nicht pauschal untersagt werden kann. Im vorliegenden Fall hatte das Bundesamt für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) einem seit 1985 an Multipler Sklerose erkrankten Mann aus Mannheim den Eigenanbau von Cannabis in seiner Wohnung verboten. Die Kölner Verwaltungsrichter gaben einer Klage dagegen teilweise statt. Die Behörde muss neu über den Antrag entscheiden.

Der 46-Jährige hatte Cannabis angebaut, um seine Bewegungsstörungen zu lindern. Mit dem 2007 gestellten Antrag auf Eigenanbau wollte er aus der Illegalität. Die Patientenschutz-Organisation Deutsche Hospizstiftung begrüßte die Entscheidung. Vorstand Eugen Brysch: «Wir dürfen Schwerstkranke nicht kriminalisieren. Nun ist die Politik gefordert, ein dem Leiden der Menschen entsprechendes Angebot zu schaffen.» Auch die Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin, die den Kläger finanziell unterstützt, sieht in der Kölner Entscheidung ein positives Signal für chronisch Kranke.

Das BfArM hatte die Ablehnung unter anderem damit begründet, dass die Genehmigung einer Cannabis-Plantage in der Wohnung des 46-Jährigen gegen das internationale Suchtstoffabkommen verstoße. Die Richter urteilten, dass die Behörde dennoch einen Ermessensspielraum habe, der nicht genutzt worden sei. Auch sei die Cannabis-Zucht des Mannheimers ausreichend gegen Unbefugte gesichert, so das Gericht.

Dass die therapeutische Wirkung von Cannabis bislang nicht nachgewiesen sei, spiele keine Rolle. Bei der vorliegenden schweren Erkrankung des Klägers sei schon eine subjektive Verbesserung des Zustands ein Fortschritt.

Gegen das Urteil wurde Berufung vor dem Oberverwaltungsgericht in Münster zugelassen. Das BfArM teilte auf Anfrage mit, dass das Urteil vor einer Entscheidung über weitere Schritte erst sorgfältig geprüft werden müsse.

24.01.2011 l dpa
Foto: Fotolia/Julyuela
 

 

Das könnte Sie auch interessieren

 

 

Weitere Nachrichten

 


Hepatitis C: Weitere Arzneistoffe kurz vor dem Ziel

Das US-Pharmaunternehmen AbbVie hat gleich für zwei neue Präparate gegen Hepatitis C eine Zulassungsempfehlung vom Ausschuss für...



Noweda: Gute Dividende trotz sinkenden Rohertrags

Deutlich geringere Handelsspannen für verschreibungspflichtige Arzneimittel und ein unruhiges Marktumfeld haben sich auf die...



Kiefer: Apothekenauftrag besser im Gesetz verankern

Die Apotheker in Deutschland stellen zwar die Arzneimittelversorgung in Deutschland sicher. Im Gegensatz zu den Ärzten, Zahnärzten oder...



Pille danach: Kurswechsel im Ministerium

Im Streit um eine Freigabe der Pille danach vollzieht Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) offenbar einen Kurswechsel. Hintergrund...

 
 

DAK-Auswertung: Weniger Krankheitstage wegen Burnout
Erstmals seit zehn Jahren sind die Krankschreibungen aufgrund von Burnout zurückgegangen, hat die DAK Gesundheit anhand ihrer vorliegenden...

Rote-Hand-Brief: Hautreaktionen unter Ustekinumab
In seltenen Fällen kann es unter Behandlung mit dem monoklonalen Antikörper Ustekinumab (StelaraTM) bei Psoriasis-Patienten zu...

Vogelgrippe: Stallpflicht bald deutschlandweit?
Der Geflügelwirtschaftsverband Mecklenburg-Vorpommern hat alle Geflügelhalter aufgefordert, die angeordnete Stallpflicht genauestens zu...

Triclosan: Leberschädigend im Tierversuch
Der antibakterielle Wirkstoff Triclosan, der in vielen Alltagsprodukten enthalten ist, kann bei Mäusen Leberschäden auslösen und...

Notdienst: Ärzte fordern erneut Dispensierrecht
Ärzte in Baden-Württemberg fordern das Recht, Patienten vor allem bei Notdiensten an Wochenenden und Feiertagen mit ausreichend...

Madagaskar: WHO befürchtet Ausbreitung der Pest
Auf Madagaskar sind seit August 40 Menschen an der Pest gestorben, 119 haben sich infiziert. Die Weltgesundheits­orga­ni­sation WHO...

Grüne: Bessere Gesundheitsversorgung für Behinderte
Die Grünen haben an die Bundesregierung appelliert, den Zugang von Behinderten zur Gesundheitsversorgung zu verbessern. Sechs Jahre nach...

Ebola: Hilfe darf nicht nachlassen
Im Kampf gegen Ebola hat UN-Generalsekretär Ban Ki Moon weitere Anstrengungen gefordert. Es gebe Hoffnung, die Krankheit bis Mitte...

Notfallkontrazeption: EMA will Ulipristal freigeben
Der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der Europäischen Arzneimittelagentur EMA hat sich dafür ausgesprochen, das...

Patientenbeauftragter: Ärzte weniger nach NC aussuchen
Der Numerus clausus (NC) spielt aus Sicht des Patientenbeauftragten der Bundesregierung, Karl-Josef Laumann, eine zu große Rolle bei der...

ABDA: Wechsel in der Geschäftsführung
Die ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände hat eine neue Geschäftsführerin für den Bereich Wirtschaft, Soziales und...

Typ-1-Diabetes: Sterblichkeit erhöht trotz guter Einstellung
Bei Typ-1-Diabetikern steigen die Gesamtmortalität und die Sterblichkeit durch kardiovaskuläre Ursachen mit zunehmendem...

Antikörper gegen Psoriasis erhält Zulassungsempfehlung
Das schweizerische Pharmaunternehmen Novartis hat eine Zulassungsempfehlung für seinen neuen Antikörper Secukinumab (CosentyxTM,...

Medikamente: 2 Milliarden Euro bis zur Marktreife
Ein Medikament von der ersten Idee bis zur Marktreife zu bringen kostet mittlerweile 2.558 Millionen US-Dollar (2,04 Milliarden Euro). Für...

EU-Zulassung: Herzschrittmacher im Industrieressort
Entgegen ursprünglicher Annahmen wird die EU-Zulassung von Medizinprodukten künftig doch über das Ressort für Unternehmen und Industrie...

Bundesregierung: Zentraler EGK-Server ist nicht geplant
Laut technischem Lösungsansatz für die elektronische Gesundheitskarte (EGK) sollen medizinische Daten allein auf der Karte selbst und auf...

Umfrage: Hohe Akzeptanz für Sterbehilfe
Vier Fünftel der Deutschen stehen der Sterbehilfe einer Umfrage zufolge aufgeschlossen gegenüber: Knapp die Hälfte der Bevölkerung (46...

Noch mehr Meldungen...