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Nutzenbewertung: Viele ungelöste Probleme













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Nutzenbewertung: Viele ungelöste Probleme
 


In dieser Woche sollen die Details zur Nutzenbewertung neuer Arzneimittel festgelegt werden. Am Donnerstag will der Gemeinsame Bundesausschuss (GBA) von Ärzten, Krankenkassen und Kliniken zentrale Schritte des neuen Verfahrens beschließen. Wegen des großen Zeitdrucks ist geplant, dass anders als üblich ein Vertreter des Bundesgesundheits­ministeriums den Beschluss noch in der Sitzung billigt. Einen Tag vorher will die Arzneikommission der Ärzte ein Konzept gegen bleibende Schwachstellen vorstellen.

Trotz des neuen Verfahrens warnen Experten davor, dass Patienten möglicherweise jahrelang Medikamente verschrieben bekommen, die Gefahren bergen oder schlechter wirken als andere. Der GBA-Vorsitzende Rainer Hess sagte der Nachrichtenagentur dpa, selbst ohne Beleg eines Zusatznutzens bleibe das Mittel auf dem Markt. «Der Patient wird suboptimal versorgt», sagte der Vorsitzende der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ), Wolf-Dieter Ludwig, in Berlin.

Das Bundesgesundheitsministerium wies die Befürchtungen zurück. Erst wenn am Ende umfangreicher Prüfungen feststehe, dass der Nutzen eines neuen Arzneimittels die möglichen Risiken deutlich übersteige, würden die Kontrollbehörden die Zulassung erteilen, sagte ein Sprecher am Sonntag. «Daran hat sich nichts geändert.» Erkennt der Ausschuss einen Zusatznutzen an, verhandelt der Kassenverband mit dem Hersteller über Abschläge vom Preis, je nach Umfang des Mehrwerts. Das Problem sind aus Sicht der Experten teils sehr lückenhafte Informationen zu den Mitteln.

Unabhängige Experten bewerten ausschließlich die Daten für die Arzneizulassung. Dabei würden wegen der begrenzten Zahl der Studien-Teilnehmer und der Kürze der Prüfungen bestimmte Bevölkerungs- und Altersgruppen nicht berücksichtigt, berichtete das zuständige Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte. AkdÄ-Chef Ludwig warnte: «Auch lebensbedrohliche Nebenwirkungen werden nicht selten erst Jahre nach Zulassung entdeckt.»

«Möglicherweise verschlechtert sich die Studienlage hier sogar, weil die Hersteller nun sagen können: Es gab doch schon eine frühe Nutzenbewertung, wofür sollen wir weitere Studien finanzieren und durchführen?», befürchtet GBA-Vorsitzender Hess. Zwar kann der Bundesausschuss dann wie bisher den tatsächlichen Nutzen bewerten und zudem weitere Studien verlangen. Es fehle aber eine Pflicht für die Firmen, inzwischen von sich aus die Zweckmäßigkeit der Präparate zu beweisen, kritisierte Hess.

17.01.2011 l PZ/dpa
Foto: Fotolia/Anna
 

 

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